Geht's in die K.O.-Phase gehen wir K.O.: Die Krankheit der Schweizer Nati


Roman Spirig
Sport / 06.06.19 18:08

Die Schweiz hat wieder einmal ein K.o.-Spiel nicht gewonnen. Sie ist einem grossen Gegner (mindestens) auf Augenhöhe begegnet, hat letztlich aber doch verloren. Weil sie keinen Cristiano Ronaldo hat, blieb auch die Nations League eine Unvollendete.

Geht's in die K.O.-Phase gehen wir K.O.: Die Krankheit der Schweizer Nati (Foto: KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT)
Geht's in die K.O.-Phase gehen wir K.O.: Die Krankheit der Schweizer Nati (Foto: KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

Als der Halbfinal der Nations League am späten Mittwochabend vorbei war und die Schweiz in Porto gegen Europameister Portugal 1:3 verloren hatte, blieb das Gefühl zurück, als habe man das alles schon tausend Mal gesehen und gehört: Der Gegner sprach lobende Worte, die Schweizer Spieler waren enttäuscht über den Ausgang, konnten aber einigermassen zufrieden sein mit der Leistung. Resultat und Geschehen waren ausgeglichen, am Ende aber doch auf die Seite des Gegners gekippt.

Die Schweiz hatte wieder einmal ein Spiel mit K.o.-Charakter verloren. In der Analyse darf es da keine Rolle spielen, dass dieser Nations-League-Halbfinal nicht die Bedeutung eines WM-oder EM-Achtelfinals hatte. "Wir müssen endlich lernen, solche Spiele auch einmal für uns zu entscheiden", sagte Verteidiger Fabian Schär am nächsten Tag. "Wir waren die bessere Mannschaft und haben deshalb eine grosse Chance verpasst."

Nationaltrainer Vladimir Petkovic warf sich und seinem Team vor, in der Schlussphase beim Stande von 1:1 zu sehr verwaltet und auf die Verlängerung gewartet zu haben. "Wir standen zu tief", analysierte er. Xherdan Shaqiri bemerkte: "Wenn du einen Fehler zu viel machst, nützt dies ein Top-Team aus." Ein Top-Team. Oder ein Top-Spieler. Die Schweiz scheiterte nämlich vor allem an Cristiano Ronaldo und dessen drei Toren. Die beiden entscheidenden zum 2:1 und 3:1 erzielte er in der 88. und 90. Minute. Es waren seine Länderspieltore 86 bis 88.

Es ist allein diese Zahl von 88 Treffern für sein Land, die gut dokumentiert, was Cristiano Ronaldo ganz allgemein vom Rest und speziell von den Schweizern unterscheidet. Lionel Messi etwa hat für Argentinien erst 65 Tore erzielt, Zlatan Ibrahimovic für Schweden 62, und Neymar für Brasilien 60. Der Schweizer Rekordtorschütze Alex Frei weist 42 Länderspieltore in seinem Lebenslauf aus. Xherdan Shaqiri, der erfolgreichste Skorer der aktuellen Generation, traf für die Schweiz bisher 22 Mal. Die 23 Spieler im SFV-Kader kommen zusammen auf 87 Tore - auf eines weniger also als Ronaldo alleine.

"Man sollte den Ausgang einer Partie nie an einem einzigen Spieler festmachen. Aber ohne Ronaldo wäre das Resultat ganz sicher anders ausgefallen", sagte Schär. Ronaldo habe "als einziger Gefahr ausgestrahlt". Der 34-jährige Superstar war der "Extra-Spieler" (Petkovic), der aus vier Abschlüssen drei Tore erzielt hat. Die Schweizer dagegen vergaben in den ersten 18 Minuten drei gute Chancen, sie trafen kurz vor der Pause durch Haris Seferovic die Latte und nutzten eine Viertelstunde vor dem Ende bei einem Abschluss von Remo Freuler die Gelegenheit zur 2:1-Führung nicht.

Die Schweiz hatte mehr Ballbesitz (54:46 Prozent), mehr Abschlüsse (14:10) und zumindest gleich viele Schüsse auf das Tor (3:3) und gleich viele Corner (5:5) wie Portugal. Diese Aufzählung fasste Shaqiri so zusammen. "Wir können nun auch grosse Mannschaften dominieren, aber es fehlt uns noch die letzte Kaltschnäuzigkeit."

Sie seien auf einem guten Weg, aber Entwicklung und Prozess seien noch nicht abgeschlossen, sagte Shaqiri. Und es beschlich einen bei diesen Worten wieder das Gefühl, als habe man solches schon tausend Mal gehört. Denn die letzten paar Prozente sind immer die schwierigsten, und deshalb fehlte den Schweizern auch in Porto das letzte gewisse Etwas. Oder es fehlte: Cristiano Ronaldo.

(sda)


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