Glencore legt im ersten Semester kräftig zu und erhöht Prognose


Roman Spirig
Wirtschaft / 08.08.18 15:20

Der Bergbau- und Rohstoffkonzern Glencore hat im ersten Halbjahr 2018 sowohl mehr Umsatz als auch mehr Gewinn erzielt. Dank mehr Barmitteln konnte die Nettoverschuldung weiter reduziert werden. Für die nähere Zukunft zeigt sich das Unternehmen zuversichtlich und erhöht entsprechend die Prognose für den Betriebsgewinn im grösseren Marketing-Geschäft.

Glencore legt im ersten Semester kräftig zu und erhöht Prognose  (Foto: KEYSTONE / SIGI TISCHLER)
Glencore legt im ersten Semester kräftig zu und erhöht Prognose (Foto: KEYSTONE / SIGI TISCHLER)

Der Umsatz erhöhte sich um knapp 5 Prozent auf 108,6 Milliarden US-Dollar, wie Glencore am Mittwoch mitteilte. Das Marketing-Geschäft, welches neben den Handelsaktivitäten auch das Dienstleistungsgeschäft umfasst, trug dazu rund 80 Prozent bei.

Von den verschiedenen Geschäftsbereichen haben sich laut Glencore insbesondere die Divisionen Metals and Minerals sowie Energy Products gut entwickelt. Dagegen sei die Division Agricultural Products von tieferen Getreideerträgen in verschiedenen Ländern belastet worden. Hier verspricht sich das Unternehmen aber eine verbesserte Entwicklung im zweiten Halbjahr.

Der Betriebsgewinn verbesserte sich um 23 Prozent auf 8,27 Milliarden und der den Aktionären zustehende Reingewinn um 13 Prozent auf 2,78 Milliarden Dollar. Die rentableren industriellen Aktivitäten trugen zum Betriebsgewinn 6,7 Milliarden bei, die Marketing-Aktivitäten rund 1,5 Milliarden. Die Gewinnzahlen sind bei Glencore wie üblich um unregelmässig auftretende finanzielle Schwankungen bereinigt. Das Unternehmen begründet diese Massnahme mit der besseren Vergleichbarkeit, da beispielsweise bei Minenprojekten grosse Vorinvestitionen nötig sind, bis einige Jahre später erst die Einnahmen fliessen. Ohne Sonderbelastungen hätte der Reingewinn bei 3,3 Milliarden gelegen.

CEO Ivan Glasenberg äussert sich zufrieden mit dem ersten Semester: "Die Stärke unseres diversifizierten Geschäftsmodells und unseres Rohstoff-Mixes wurde erneut unter Beweis gestellt", sagte er an einer Telefonkonferenz. Er bezeichnete das Handels- und Rohstoffpreisumfeld im ersten Semester als "volatil, aber vorteilhaft".

Und das soll auch im zweiten Semester so bleiben. "Das Marketing-Geschäft wird trotz der erhöhten Volatilität der Rohmaterialpreise solide bleiben", meinte er mit Blick nach vorne. Er geht auch nicht davon aus, dass die globalen Handelsstreitigkeiten die fundamentale Nachfrage beeinträchtigen werden.

Entsprechend wurde die Prognose für den Marketing-EBIT im Gesamtjahr erhöht. "Dieser wird 2018 in der oberen Hälfte des weiterhin gültigen Zielbands von 2,2 bis 3,2 Milliarden US-Dollar ausfallen", sagte Finanzchef Steve Kalmin am Mittwoch an einer Telefonkonferenz zu den Halbjahreszahlen. Bisher stellte das Unternehmen für das Gesamtjahr lediglich eine Marge innerhalb des Zielbands in Aussicht. Zum Betriebsgewinn der industriellen Aktivitäten werden keine Prognosen gemacht.

Die Untersuchungen der US-Justiz zu den Aktivitäten von Glencore in verschiedenen Ländern wollte Glasenberg nicht besprechen. "Da dies ein laufendes Verfahren ist, können wir dazu keine Kommentare abgeben", sagte er.

Die US-Tochter des Bergbaukonzerns wurde in dieser Sache erst vor wenigen Wochen vom Justizministerium der Vereinigten Staaten vorgeladen. Das United States Department of Justice (DOJ) verlangt die Vorlage von Dokumenten und anderen Unterlagen und will dadurch in Erfahrung bringen, ob Anti-Korruptions- und Geldwäschegesetze eingehalten wurden. Die angeforderten Dokumente beziehen sich auf Geschäfte der Gruppe in Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und Venezuela von 2007 bis zum heutigen Datum.

Das Geschäftsgebaren von Glencore, insbesondere in der DRK, wurde in den vergangenen Jahren immer wieder kritisiert. Der Konzern hatte dort beim Abschluss der Bergbaulizenzen für die Kupfer- und Kobalt-Minen Mutanda und Katanga offenbar mit dem israelischen Geschäftsmann Dan Gertler zusammengearbeitet, der seit Dezember 2017 aufgrund von Korruptionsvorwürfen auf einer Sanktionsliste der USA steht.

Note:

(Zusammenfassung)

(sda)


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