Gletscher: Ein halbes Grad mehr Erwärmung macht viel aus


News Redaktion
International / 16.06.21 09:21

Ob sich die Erdatmosphäre bis zum Ende des Jahrhunderts um ein, anderthalb oder um zwei Grad erwärmt, macht einen grossen Unterschied für die Alpengletscher: Gemäss Simulationen werden sie zwischen vierzig und achtzig Prozent ihres Eisvolumens verlieren.

Der Aletschgletscher ist der flächenmässig grösste Gletscher der Alpen. Wie viel Eisvolumen er bis zum Ende des Jahrhunderts verlieren wird, hängt gemäss einer Studie stark davon ab, ob sich die Erde um ein, anderthalb oder zwei Grad erwärmen wird. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/ANTHONY ANEX)
Der Aletschgletscher ist der flächenmässig grösste Gletscher der Alpen. Wie viel Eisvolumen er bis zum Ende des Jahrhunderts verlieren wird, hängt gemäss einer Studie stark davon ab, ob sich die Erde um ein, anderthalb oder zwei Grad erwärmen wird. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/ANTHONY ANEX)

Das Schweizer Team um den Glaziologen Loris Compagno von der ETH Zürich und der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) untersuchte, wie sich die Eismassen der rund 4000 Alpengletscher unter drei Klimaszenarien entwickeln - bei ein, bei anderthalb und bei zwei Grad Erwärmung.

Demnach wird selbst im moderatesten Szenario bis zum Ende des Jahrhunderts etwa die Hälfte des heutigen Gletschervolumens verloren gehen, wie die Forschenden im Fachmagazin The Cryosphere berichten. Der Aletschgletscher würde bis zu 45 Prozent seines Eisvolumens einbüssen, der Rhonegletscher 55 Prozent. Rund 2500 Gletscher verschwinden ganz.

Erwärmt sich die Erdatmosphäre um anderthalb Grad, gehen 3000 Gletscher ganz verloren, bei nochmals einem halben Grad mehr sogar fast 3300. Unter diesem Szenario von plus zwei Grad würde auch der Aletschgletscher rund achtzig Prozent seines Volumens einbüssen.

Jede Bemühung, die Erderwärmung zu begrenzen, habe deshalb wichtige Auswirkungen auf die Gletscherwelt und damit auf die alpine Umwelt, schreiben die Forschenden.

Die schmelzenden Gletscher beeinflussen gemäss den Simulationen auch den Wasserhaushalt in den Bergen. Bisher fliesst am meisten Schmelzwasser im Monat August in die Bäche und Flüsse. In Zukunft könnte dieses Maximum bereits im Juli oder Juni erreicht werden.

Zudem könnten die Abflussmengen bei einer Erwärmung um ein Grad im Jahresdurchschnitt um etwa ein Viertel sinken, bei plus zwei Grad um rund ein Drittel. Insbesondere in den Sommermonaten könnte Wasser knapp werden. Solche Veränderungen wirken sich gemäss den Forschenden nicht nur auf die Ökosysteme, sondern auch beispielsweise auf die Landwirtschaft und die Wasserkraft aus.

https://tc.copernicus.org/articles/15/2593/2021/

(sda)


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