Graubünden könnte bald einen Raum für Drogenkonsum haben


Roman Spirig
Schweiz / 06.04.21 15:35

Der Kanton Graubünden prüft die Einrichtung eines Raumes, wo Drogenabhängige Betäubungsmittel konsumieren können. Die Regierung reagiert damit auf einen Bericht der nationalen Sucht-Fachstelle, welche die Bündner Suchthilfe unter die Lupe nahm.

Graubünden könnte bald einen Raum für Drogenkonsum haben (Foto: KEYSTONE / STEFAN MEYER)
Graubünden könnte bald einen Raum für Drogenkonsum haben (Foto: KEYSTONE / STEFAN MEYER)

Den Lagebericht über Angebot und Bedürfnisse in der Suchthilfe im Bergkanton hatte die Bündner Regierung selbst in Auftrag gegeben, wie sie am Dienstag mitteilte. Die Exekutive reagierte damit wiederum auf einen Vorstoss aus dem Grossen Rat.

Grundsätzlich zieht Infodrog, die Schweizerische Koordinations- und Fachstelle Sucht, eine positive Bilanz: Graubünden verfüge über ein breites, regionales und den lokalen Bedürfnissen angepasstes Netz der Suchthilfe mit insgesamt 52 verschiedenen Angeboten.

Lücken gebe es aber, etwa in der Schadensminderung, zum Beispiel mit Drug Checking, und in der aufsuchenden Sozialarbeit. Auch fehle eine Kontakt-und Anlaufstelle mit Konsumraum.

Konsumräume würden den Kontakt mit den Drogensüchtigen erleichtern, ihre Gesundheitsversorgung verbessern und die Übertragung von Krankheiten reduzieren. Zudem verringerten solche Einrichtungen die Gefahr von Überdosierungen.

90 Prozent der für die Analyse befragten Bündner Drogenkonsumenten sehen einen Bedarf für einen solchen Drogenraum. Auch sie erhoffen sich eine Verbesserung der Gesundheit. Sie wünschen sich zudem mehr Anonymität, indem sie Drogen nicht mehr im öffentlichen Raum zu sich nehmen müssen.

Die Sucht-Fachstelle schätzt, dass ein Konsumraum in Chur jeden Tag von 50 bis 60 Personen aufgesucht würde, die dort 130 bis 160 Mal Drogen rauchen, schlucken oder spritzen würden. Die laufenden jährlichen Kosten werden auf 430000 bis 610000 Franken geschätzt.

Den Löwenanteil davon machen Personalkosten aus für Sozialarbeitende, Pflegefachpersonen und Administration. Gerechnet wird mit zwei bis drei Vollzeitstellen.

Angesichts dieser Kosten prüft der Kanton auch Alternativen zu einem Drogenraum mit ähnlicher Wirkung. Dabei könnte es sich um betreutes Wohnens mit der Möglichkeit, Drogen zu nehmen, handeln oder um aufsuchende Sozialarbeit (Gassenarbeit).

Die Erwartungen an den Nutzen eines Konsumraums müssten realistisch sein, betonte die Regierung in der Mitteilung. Infodrog halte im Bericht fest, dass ein Drogenkonsumraum nicht zum Verschwinden des Drogenkonsums im öffentlichen Raum oder der öffentlich sichtbaren Szene führen werde - etwa im Churer Stadtpark.

Das Departement für Volkswirtschaft und Soziales will der Regierung noch vor dem Sommer Vorschläge hinsichtlich des künftigen Angebots für Suchtbetroffene unterbreiten. Somit soll der Grosse Rat schon in der Dezembersession 2021 über eine Mittelfreigabe für die Angebote der Suchthilfe beraten können.

(sda)


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