Greenpeace: Konsumgüterkonzerne treiben Plastikproduktion voran


News Redaktion
Schweiz / 14.09.21 06:03

Greenpeace hat die direkten und indirekten geschäftlichen Beziehungen von neun Konsumgüter-Produzenten wie Nestlé, Coca-Cola und PepsiCo mit Erdölunternehmen aufgedeckt. Die Konzerne seien demnach systemisch miteinander verbandelt.

Plastik in einem Abfallkübel: Einwegverpackungen machen rund 40 Prozent der weltweiten Endverwendung von Neuplastik aus, wie es in einem Greenpeace-Bericht heisst. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/GAETAN BALLY)
Plastik in einem Abfallkübel: Einwegverpackungen machen rund 40 Prozent der weltweiten Endverwendung von Neuplastik aus, wie es in einem Greenpeace-Bericht heisst. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

So unterhalten alle der neun untersuchten Firmen mindestens eine Beziehung zu einem Erdöl- oder Petrochemie-Konzern, wie aus dem Bericht der Klimakrise unverpackt: Wie Konsumgüter-Konzerne die Plastikexpansion der Erdölkonzerne anheizen hervorgeht.

Beispielsweise habe Nestlé in Zusammenarbeit mit dem Verpackungshersteller Amcor recycelbare Beutel für Haustierfutter und Verpackungen für Süssigkeiten entwickelt. Rund fünf Prozent des Umsatzes erziele Amcor mit dem Schweizer Konzern. Nestlé zähle auch zu den Kunden des Verpackungsherstellers Berry und der in Thailand ansässigen Firma Indorama, einer Herstellerin von petrochemischen Produkten und Kunststoffgranulaten. Diese Hersteller würden unter anderem von ExxonMobil, Shell, Dow und Total beliefert.

Die immer gleichen Lebensmittelgiganten, die die Plastikkrise anheizen, tragen auch zur Klimakrise bei, liess sich Matthias Wüthrich, Schweizer Greenpeace-Fachexperte für Zero-Waste, in einer Mitteilung vom Dienstag zitieren. Trotz ihrer Bemühungen, klimafreundlich zu erscheinen, arbeiten multinationale Unternehmen wie Nestlé mit Erdölkonzernen zusammen, um die Plastikproduktion auszuweiten. Diese Expansion stehe im Widerspruch zum Ziel, die globale Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten.

Demnach verantwortet Nestlé mit 1524000 Tonnen hinter Coca-Cola und PepsiCo den drittgrössten Kunststoffverbrauch der Welt. Dies entspricht gemäss Greenpeace einem Äquivalent von 7620’000 Tonnen CO2-Emissionen. Über 99 Prozent des Plastiks weltweit wird aus Erdöl und Erdgas hergestellt.

Des Weiteren arbeiteten die Lebensmittelkonzerne seit Jahrzehnten mit der Erdölindustrie zusammen, um den Mythos Plastikrecycling zu fördern, so Greenpeace.

Als Beispiel nennt die Umweltorganisation die direkte Zusammenarbeit von Nestlé und Mars mit dem Erdölfirmen Total und Recycling Technologies. Gemeinsam möchten sie Technologien fördern, mit denen Abfallplastik in erdölähnliche Stoffe zurückverwandelt werden. Als Greenwashing der Erdölfirmen bezeichnet Wüthrich dieses Vorhaben gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Denn es handle sich dabei nicht um Recycling, sondern um eine Plastik-zu-Erdöl-Technologie, die zudem schlecht funktioniere, energieintensiv sei und neben klimaschädlichen Emissionen auch giftige Chemikalien freisetze.

Auch sei Nestlé Mitglied der Recycling-Partnerschaft. Die Allianz fordere in den USA Investitionen für Recycling, zeige jedoch kein Interesse an der Einführung von Flaschenpfand. Ebenso engagierte sich Nestlé, Coca-Cola, Danone und L’Oréal zusammen mit einer Anzahl von Plastik- und Verpackungsunternehmen in einer österreichischen Organisation namens Verpackung mit Zukunft. Diese setze sich für die Verbreitung von Plastikverpackungen ein und bekämpfe Mehrwegquoten für Verpackungen im Einzelhandel.

Die Wiederverwendung von Verpackungen wäre laut Greenpeace jedoch weit weniger Kohlenstoff-intensiv als Einweg-Verpackungen. So fordert die Umweltorganisation, dass die Unternehmen in Mehrweg- und Unverpackt-Systeme investieren, Einweg-Plastik eliminieren, ihre Verbindungen mit der Erdölindustrie kappen und ihren Plastik-Fussabdruck transparenter gestalten sollten.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr als 700 Migranten landen auf Lampedusa
International

Mehr als 700 Migranten landen auf Lampedusa

Mehr als 700 Migranten, unter ihnen auch Kinder und Frauen, sind in der Nacht zum Dienstag in mehreren Booten auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa angekommen. 686 Menschen erreichten dabei auf einem alten Fischerboot zusammengepfercht die Insel, wo sie an Land gehen konnten. Das berichteten die Nachrichtenagenturen Ansa und Adnkronos sowie lokale Medien. Fünf Menschen, die mit dem alten und verrosteten Kutter aus Libyen kamen, wurden wegen ihres gesundheitlichen Zustands in eine Klinik gebracht.

Betrunkene Autofahrerin überschlägt sich in Spiringen
Regional

Betrunkene Autofahrerin überschlägt sich in Spiringen

Über 2 Promille Alkohol intus hatte eine 32-jährige Autofahrerin am Montag um 17.30 Uhr, als sie in Spiringen UR die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlor. Dieses überschlug sich in der Folge und landete auf dem Dach, die Frau blieb unverletzt.

Australien: Premier Morrison fährt eventuell nicht zum UN-Klimagipfel
International

Australien: Premier Morrison fährt eventuell nicht zum UN-Klimagipfel

Australiens Premierminister Scott Morrison will möglicherweise nicht persönlich am UN-Klimagipfel im schottischen Glasgow teilnehmen. "Wir haben noch keine endgültige Entscheidung dazu getroffen", sagte Morrison der Zeitung "The West Australian" (Montag). Die zwölftägige Konferenz im November soll das wichtigste Treffen seit dem Klima-Gipfel von Paris 2015 werden. Spitzenpolitiker aus aller Welt haben zugesagt, darunter US-Präsident Joe Biden.

Drei Autofahrer tappen in Altdorf in die Radarfalle
Regional

Drei Autofahrer tappen in Altdorf in die Radarfalle

Drei Autofahrer sind am Samstagabend auf der Industriestrasse in Altdorf in die Radarfalle getappt. Alle drei waren auf der Ausserortsstrecke mehr als 20 km/h zu schnell unterwegs.