Greta ist da. 10000 Klimaaktivisten protestieren mit Thunberg in Lausanne


Roman Spirig
Schweiz / 17.01.20 16:23

Rund 10'000 Menschen aus der ganzen Schweiz haben heute in Lausanne für griffige Massnahmen für den Klimaschutz protestiert. Junge Menschen aus der ganzen Schweiz marschierten an der Seite der schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg durch die Innenstadt.

Greta ist da. 10000 Klimaaktivisten protestieren mit Thunberg in Lausanne (Foto: KEYSTONE / AP / Jean-Christophe Bott)
Greta ist da. 10000 Klimaaktivisten protestieren mit Thunberg in Lausanne (Foto: KEYSTONE / AP / Jean-Christophe Bott)

Es ist das zweite Mal, dass die erst 17 Jahre alte Vorkämpferin des Klimaschutzes die Hauptstadt des Kantons Waadt besucht. Sie hatte bereits im vergangenen August am einwöchigen "Smile For Future"-Gipfel an der Universität Lausanne teilgenommen.

Das Schweizer Klimastreikkollektiv hatte anlässlich des ersten Jahrestages der Bewegung alle Aktivisten des Landes eingeladen, an der nationalen Demonstration in Lausanne teilzunehmen. Auch ein Jahr später kritisieren die Klimastreikenden noch immer "die Trägheit der Regierungen und Wirtschaftsführer".


Kurz vor dem Beginn des Marsches sangen die Aktivisten "Happy Birthday". Sie gedachten damit des ersten Jahres des Kampfes gegen die globale Erwärmung. In der Menschenmenge waren alle Generationen vertreten. Die Jugendlichen stellten aber die überwiegende Mehrheit.

Auf Schildern und Bannern waren Slogans zu lesen wie zum Beispiel "Keine zwei Planeten wie diesen", "Stoppt den Kapitalismus" oder "Ich habe einen grünen Traum".

Die Parade führte vom Bahnhofsplatz auf einer knapp drei Kilometer langen Strecke bis zur Place de la Riponne vor dem Palais Rumine. Mittendrin: Greta Thunberg und die kenianische Umweltaktivistin und Feministin Njoki Njoroge Njehû.

Es folgten mehrere Reden unter der Leitung des Kollektivs "Klimastreik Schweiz". Das sehnlich erwartete Referat Thunbergs, unmittelbar bevor es zu regnen begann, fiel sehr kurz aus. Sie fühle sich "geehrt", in Lausanne zu sein und sei "dankbar" für diese ganze Mobilisierung am ersten Jahrestag der Klimabewegung in der Schweiz, sagte die Schwedin.

Erneut prangerte die Klimaschützerin die Tatenlosigkeit von Regierungen und Politikern an. "Es gibt keine Anzeichen von Massnahmen. Das muss sich ändern", sagte sie und erinnerte nebenbei daran, dass es ihr 74. Freitag des Klimastreiks war. "Und das ist erst der Anfang... Sie haben noch nichts gesehen." Sie versprach, diese Botschaft nächste Woche auch am Wirtschaftsforum (WEF) in Davos zu überbringen.

Der vielleicht emotionalste Höhepunkt der Kundgebung war eine Schweigeminute, um die eine 73-jährige Grossmutter gebeten hatte. Auf Einladung der Organisatoren wollte sie der menschlichen und tierischen Opfer der Brände in Australien gedenken. Der ganze Platz verstummte für eine Minute.

Die Demonstration endete gegen 13.00 Uhr. Die Organisatoren nutzten die Gelegenheit und erinnerten an den nächsten grosse Anlass für die Jugend: den Generalstreik für das Klima - "Streik für die Zukunft" - am 15. Mai.

Laut der Lausanner Polizei fand die Demonstration in friedlicher Atmosphäre statt. Die Ordnungshüter mussten lediglich zu Beginn der Kundgebung eingreifen und "schwarz gekleidete Demonstranten mit Kapuze" bitten, die Demonstration nicht zu stören.

Fünf Personen wurden vorübergehend festgenommen. Bei der Intervention habe die Polizei eine Tasche mit "Farbspraydosen und Gegenstände zur Begehung von Sachschäden" entdeckt, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Auf Schweizer Ebene ist dies die zehnte Mobilisierung für eine Klimademo seit einem Jahr und die siebte, die seit dem 18. Januar 2019 an einem Freitag in Form eines "Klimastreiks" stattfindet.

Auf dem Höhepunkt der Mobilisierung, am 2. Februar und 15. März, marschierten rund 10'000 Personen durch Lausanne. Die Klimademonstrationen brachten landesweit bis zu 50'000 Menschen (nach Angaben der Polizei) und 66'000 (nach Angaben der Organisatoren) zusammen.

Thunberg will nach ihrem Auftritt in Lausanne nach Davos weiter reisen. Wie schon 2019 wird die junge Schwedin am Weltwirtschaftsforum (WEF) erwartet.

(sda)


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