Tödliche Schüsse an Moskaus FSB-Geheimdienst-Zentrale


SDA
/ 19.12.19 19:53

An der Zentrale des russischen Inlandgeheimdienstes FSB in Moskau hat ein Unbekannter mit einer Kalaschnikow-Maschinenpistole auf Menschen geschossen. Der FSB bestätigte den Vorfall, bei dem ein Mitarbeiter getötet worden sei. Medien berichteten von drei Toten.

Der Täter sei "neutralisiert" worden, zitierte die russische Agentur Interfax unter Berufung auf den Mediendienst des Geheimdienstes. In der Regel bedeutet dies, dass der Angreifer tot ist. Seine Identität werde noch ermittelt, hiess es.

Zwei FSB-Mitarbeiter seien schwer verletzt worden, hatte das Gesundheitsministerium mitgeteilt. Insgesamt wurden demnach fünf Menschen verletzt.

Das zentrale Ermittlungskomitee in Moskau leitete ein Strafverfahren wegen Angriffs auf Angehörige der Sicherheitsorgane ein. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte der Staatsagentur Tass, dass der russische Präsident Wladimir Putin über den Vorfall informiert worden sei.

Putin war demnach bei einem Konzert im Kreml, um den Tag des Mitarbeiters der staatlichen Sicherheitsorgane zu feiern. Dabei lobte er, dass seit Jahresbeginn 33 Terroranschläge in Russland verhindert worden seien.

Zuvor hatte Putin an einer internationalen Medienkonferenz in Moskau gesagt, dass die Terroranschläge der Vergangenheit zu seinen schlimmsten Erinnerungen zählten - seit er vor 20 Jahren an die Macht kam.

Nach Darstellung russischer Staatsmedien begann der Angriff an der Geheimdienstzentrale um 18.10 Uhr Ortszeit (16.10 Uhr MEZ).

Die Schüsse fielen einem Bericht des Staatssenders RT (früher: Russia Today) zufolge im Empfangsbereich des FSB. Dort war von drei Angreifern die Rede, zwei sollen bei einem Schusswechsel mit dem Wachdienst des FSB getötet worden sein. Der dritte mutmassliche Täter konnte demnach zunächst flüchten. Es seien dann weitere Schüsse gefallen, hiess es. Dabei sei ein Verkehrspolizist getötet worden.

Der dritte Angreifer soll sich dann in ein Gebäude geflüchtet und von dort aus weitere Schüsse abgegeben haben. Er wurde bei einem Schusswechsel gegen 19.15 Uhr Ortszeit getötet, wie RT berichtete. Offiziell bestätigt war das aber zunächst nicht.

Der FSB bestand zunächst darauf, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt habe. Der Nationale Wach- und Sicherheitsdienst, der das FSB-Gebäude bewacht, teilte zudem mit, dass niemand in die Geheimdienstzentrale eingedrungen sei.

Im Radiosender Echo Moskwy war von Schreien und Schüssen am Lubjanka-Platz die Rede. Dort steht die Geheimdienstzentrale. Mehrere russische Medien hatten dies ebenfalls berichtet. Auf Videos in sozialen Netzwerken war aus unterschiedlichen Perspektiven zu sehen, wie Menschen in Panik rennend die Flucht ergriffen.

Die Strassen in der Nähe des FSB-Gebäudes seien gesperrt worden, hiess es. Zudem sollen alle Zugänge zu der Zentrale verriegelt worden sein. Die Polizei habe die Passanten aufgerufen, das Gebiet so schnell wie möglich zu verlassen.

Im Oktober 2018 hatte sich ein junger Mann beim FSB in der Hafenstadt Archangelsk im Norden des Landes in die Luft gesprengt. Die Behörden stuften die Tat als Terrorakt ein. Der 17-Jährige habe einen gebastelten Sprengsatz aus einer Tasche geholt, der kurze Zeit später in seinen Händen explodiert sei, teilte das Nationale Anti-Terror-Komitee Russlands damals mit. Dabei seien drei FSB-Beamte verletzt worden.

Zuvor hatte es im April 2017 einen Angriff auf ein Büro des FSB in Ostsibirien gegeben. Ein Bewaffneter erschoss zwei Menschen und wurde anschliessend getötet. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hatte die Tat für sich reklamiert.

(sda)

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