Hamilton bald fünffacher Weltmeister


Roman Spirig
Sport / 07.10.18 17:30

Lewis Hamilton darf sich bald fünffacher Formel-1-Weltmeister nennen. Der Engländer hat mit seinem überlegenen Sieg im Grand Prix von Japan den wohl entscheidenden Schritt getan.

Hamilton bald fünffacher Weltmeister  (Foto: KEYSTONE / EPA / DIEGO AZUBEL)
Hamilton bald fünffacher Weltmeister (Foto: KEYSTONE / EPA / DIEGO AZUBEL)

Das dürfte es dann gewesen sein. Nun sind die letzten Zweifel wohl beseitigt, dass der Formel-1-Weltmeister auch in diesem Jahr Lewis Hamilton heissen wird. Die Entscheidung könnte schon in zwei Wochen in Austin, Texas, fallen. Dann nämlich, wenn der Engländer auch den Grand Prix der USA gewinnt und Sebastian Vettel nicht Zweiter wird. Der aktuelle Vorsprung von 67 Punkten würde in jenem Fall auf mindestens 77 Punkte anwachsen - bei drei ausbleibenden Rennen für Vettel eine nicht mehr wettzumachende Hypothek.

Nicht nur die grosse Differenz in der WM-Wertung spricht für Hamilton. Ein weiterer Faktor ist der Brite selber. Er befindet sich seit Wochen im Hoch und liefert erstklassige Leistungen am Fliessband ab. Mit jedem Sieg steigert er sein ohnehin grosses Selbstvertrauen zusätzlich. Diesbezüglich kam in den vergangenen Wochen so einiges zusammen. In den letzten acht Grands Prix wurde Hamilton sechsmal als Erster und zweimal als Zweiter abgewinkt. In dieser Zeit gewann er 68 Punkte mehr als Vettel.

Die grandiose Serie kommt nicht von ungefähr. Hamilton ist nicht nur am Lenkrad, sondern auch auf mentaler Ebene eine Macht. Druck wirkt bei ihm eher leistungsfördernd als hemmend. Ein enges Titel-Duell, das der Zweikampf mit Vettel lange Zeit war, setzt beim Briten zusätzliche Motivation frei. Dazu kommen die Freude an seinem Beruf und der nach wie vor ungestillte Hunger nach Erfolg.

Wenn Hamilton bei jeder Gelegenheit auf seine ungebrochene Lust am Rennfahren verweist, ist das keine Floskel. Die Kraft für die Arbeit auf und neben der Piste schöpft er aus dem ständigen Streben nach Verbesserung. Durch seinen Hang zum Perfektionismus ortet er nach wie vor Steigerungspotenzial - bei sich selber und in seinem sportlichen Umfeld.

Hamilton kann seine Arbeit im Kreis von Mitarbeitern verrichten, die seine ungebrochene Leidenschaft teilen. Alle ziehen sie in der Equipe von Mercedes am gleichen Strick. Sie kommen seit dem Wiedereinstieg der Marke mit dem Stern vor acht Jahren als verschworene Einheit daher. Sie alle sind Hamiltons Sinnverwandte und Garanten dafür, das ungemein hohe Niveau aufrecht zu erhalten, dank dem sich Mercedes in der aktuellen Ära der Hybrid-Antriebe zum Primus in der Formel 1 aufgeschwungen hat. Hamilton weiss um seine privilegierte Situation. Er ist gleichermassen dankbar und stolz, Mitglied dieser Mannschaft zu sein.

Auch am Sonntag in Suzuka, nach seinem neunten Sieg in dieser Saison, hatte der Brite allen Grund, zur Dankesrede anzusetzen. Die Symbiose Hamilton/Mercedes blieb für die Konkurrenz ein weiteres Mal unerreicht. Der aus der Pole-Position gestartete Weltmeister hatte vom ersten bis zum letzten Meter alles unter Kontrolle und feierte einen überlegenen Sieg. Im Ziel traf Hamilton mit fast 13 Sekunden Vorsprung auf Teamkollege Valtteri Bottas ein.

Auch hinten im Feld lief es ganz nach Hamiltons Geschmack. Vettel beraubte sich der Chance, sich am Ende wenigstens hinter dem Duo von Mercedes einreihen zu können, gleich selber. Sein in der ersten Phase des Rennens vorgenommener Versuch, Max Verstappen, den nachmaligen Dritten im Red Bull, zu passieren, missriet vollends und mündete in einem Dreher und dem Rückfall ans Ende des Fahrerfeldes. Mehr als Platz 6 lag für den Blondschopf deshalb nicht drin.

Der Zwischenfall war Sinnbild für ein Wochenende, das für Vettel eine ganz andere Gefühlswelt war als für Hamilton. Mehr noch als die falsche Reifenstrategie im Qualifying wird den Deutschen die neuerliche Bestätigung schmerzen, sich nicht mehr mit gleichen Spiessen mit Hamilton duellieren zu können. Zu weit sind der Engländer und Mercedes mittlerweile leistungsmässig wieder entrückt.

Die Fehleinschätzung der Verantwortlichen am Samstag wiederum passt zu einer Saison, in der bei der Scuderia aus Maranello zu oft zu vieles im Argen lag. Mit ihren Fehlern haben sie bei Ferrari die Entscheidung im Titelkampf unfreiwillig beschleunigt. So sehr, dass Hamilton schon am übernächsten Sonntag wieder Weltmeister werden kann.

(sda)


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