Hanfbauer zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt


News Redaktion
Schweiz / 25.09.20 11:24

Ein Neuenburger Hanfbauer muss wegen schwerer Drogen- und Waffendelikte zwei Jahre ins Gefängnis. Zu dieser Strafe verurteilte ihn das Bezirksgericht Littoral und Val-de-Travers.

Die Polizei stellte im Haus des verurteilten Hanfbauers 24 Kilo Marihuana sicher. (Symbolbild) (FOTO: Keystone/MARTIN RUETSCHI)
Die Polizei stellte im Haus des verurteilten Hanfbauers 24 Kilo Marihuana sicher. (Symbolbild) (FOTO: Keystone/MARTIN RUETSCHI)

Die Richterin folgte in dem am Freitag veröffentlichten Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte hat sich einer schweren Form des gewerbsmässigen Drogenhandels schuldig gemacht, urteilte Richterin Estelle Zwygart.

Die Polizei hatte 2018 in St-Sulpice NE an mehreren Standorten Indoor-Hanfplantagen entdeckt. Sie beschlagnahmte nicht weniger als 837 Pflanzen, sowie 24 Kilo Marihuana in 33 Säcken, verpackt zum Weiterverkauf. Das Rauschgift hätte zu einem Kilogrammpreis von etwa 3000 bis 4000 Franken verkauft werden können. Einige der analysierten Proben wiesen einen THC-Gehalt von etwa zehn Prozent auf, andere lagen nahe bei einem Prozent.

Der Hanfbauer verteidigte sich mit der Aussage, dass er Saatgut zur Herstellung von legalem Cannabiodol (CBD) habe kultivieren wollen, sich aber noch am Anfang dieses Prozesses befunden habe. Man kann nicht gleichzeitig Saatgut und Cannabis herstellen, erklärte er und fügte hinzu, dass er nie Cannabis verkauft habe. Der erzielte Gewinn ist lächerlich, sagte sein Anwalt Julien Broquet, der eine achtmonatige bedingte Haftstrafe beantragt hatte.

Der zum Tatzeitpunkt 55 Jahre alte Mann wurde zudem wegen Verstosses gegen das Waffengesetz verurteilt. Er hortete unerlaubterweise 146 Waffen bei sich zuhause. Der Angeklagte sei ein Waffennarr, der zwar den Status eines Sammlers haben möchte, aber angesichts seiner Leichtigkeit des Umgangs mit Waffen weit davon entfernt sei, diese Kriterien zu erfüllen, sagte die Richterin.

Sie erinnerte daran, dass der Angeklagte während der Anhörung gesagt habe, dass er jeden Freitag bei sich zuhause Apéros organisiert und dabei Waffen gekauft habe. Die Richterin kam zum Schluss, dass die Voraussetzungen für eine bedingte Strafe ungünstig seien, denn der Mann sei kein Neuling und habe keine Skrupel. Der Mann war bereits 2005 wegen Drogendelikte zu einer 27-monatigen Gefängnis verurteilt worden.

Anders als die Staatsanwaltschaft erkannte die Richterin jedoch keinen erschwerenden Umstand der Bandenaktivität. Dies hätte ein Mindestmass an Organisation, Aufgabenteilung und permanenten Strukturen mit seinen beiden Mitangeklagten erfordert.

Der Hauptangeklagte, der 64 Tage in Untersuchungshaft gesessen hat, muss die Gefängnisstrafe von 24 Monaten deshalb absitzen.

Die Gärtnerin, die für die Bewässerung der Hanfpflanzen verantwortlich war und glaubte, mit Cannabidiol (CBD), einer legalen Substanz aus dem Hanf, zu tun zu haben, wurde freigesprochen. Es bestehen erhebliche Zweifel und die Angeklagte scheint aufrichtig zu sein, sagte die Richterin.

Auch bezüglich des zweiten Mitangeklagten räumte die Richterin, dass es Zweifel an seiner Schuld gebe. Warum hätte der Angeklagte seine zivile und militärische Karriere mit Drogenhandel aufs Spiel setzen sollen, fragte sie. Allerdings habe der Beschuldigte während des Verfahrens sich in Widersprüche verstrickt und wiederholt gelogen.

Auf dem Grundstück des zweiten Mitangeklagten in Frankreich entdeckte die Polizei Geld, einen Teil der Ausrüstung und 32 Marihuana-Pflanzen. Dies stehe im Widerspruch zu einer Plantage mit CBD für medizinische Zwecke, sagte die Richterin.

Der zum Tatzeitpunkt 30 Jahre alte Mitangeklagte, der nicht vor Gericht erschien, weil er auf den Philippinen festsitzt, wurde zu einer bedingten Gefängnisstrafe von zehn Monaten mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren verurteilt.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

General Electric will in der Schweiz weitere rund 80 Jobs streichen
Wirtschaft

General Electric will in der Schweiz weitere rund 80 Jobs streichen

General Electric (GE) will im Bereich Gas-Power in der Schweiz rund 80 Stellen streichen. Betroffen ist nach Angaben der Konzerns primär der Standort in Baden AG. Im September hatte das Unternehmen bereits den Abbau von Stellen in Oberentfelden AG angekündigt.

RhB-Zug fährt gegen Steinblöcke: Lokomotivführerin verletzt
Schweiz

RhB-Zug fährt gegen Steinblöcke: Lokomotivführerin verletzt

Bei der Kollision mit mehreren Steinblöcken eines Felssturzes ist am Montagabend in Graubünden die Lokomotivführerin eines Zuges der Rhätischen Bahn (RhB) mittelschwer verletzt worden. 27 Passagiere kamen mit dem Schrecken davon.

SAP kappt Ziele wegen Corona und Schwenk zur Cloud
Wirtschaft

SAP kappt Ziele wegen Corona und Schwenk zur Cloud

Die Covid-19-Pandemie setzt Europas grösstem Softwarehersteller SAP stärker zu als bisher gedacht. Weil die Nachfrage wegen neuer Beschränkungen verhaltener ausfiel als erwartet, geht das Management nun von weniger Umsatz in diesem Jahr aus.

Mit neuen Massnahmen soll Lockdown verhindert werden
Schweiz

Mit neuen Massnahmen soll Lockdown verhindert werden

"Wir wollen alle, dass die Schweiz diese Krise gemeinsam meistert", sagte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga vor den Bundeshausmedien in Bern bei der Präsentation der neuen Massnahmen gegen das Coronavirus.