Heidi bleibt in Maienfeld GR - St. Galler Projekt gescheitert


News Redaktion
Schweiz / 15.06.21 11:55

Das Heididorf bleibt in Maienfeld GR. Die Stimmberechtigten von Quarten SG wollen keinen "Ableger" in ihrer Gemeinde. Dabei dürfte auch die Corona-Pandemie eine Rolle gespielt haben: Im letzten Sommer wurde die Ferienregion Flumserberg von Touristen überschwemmt.

Das Heididorf in Maienfeld GR ist bei japanische Touristen besonders beliebt. In Ferienregion Flumserberg scheiterte ein ähnliches Projekt an der Urne. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/GAETAN BALLY)
Das Heididorf in Maienfeld GR ist bei japanische Touristen besonders beliebt. In Ferienregion Flumserberg scheiterte ein ähnliches Projekt an der Urne. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Es hätte eines der grössten Tourismusprojekte der Ostschweiz werden sollen: Im März 2016 stellten der Kanton St. Gallen und die Bergbahnen Flumserberg AG Pläne für eine Grossüberbauung in Tannenboden vor, welche die Attraktivität der Region auch im Sommer steigern sollte. Das ambitionierte Ziel: Mit dem Heididorf sollten pro Jahr 200000 zusätzliche Besucherinnen und Besucher angelockt werden. Wo sich heute der Ganzjahres-Campingplatz befindet, sollte eine Tiefgarage gebaut werden. Auf dem Gebiet des Winter-Campingplatzes war ein Heidi Alperlebnis geplant - mit Sicht auf die Churfirsten. Bei der Talstation der Maschgenkammbahn sollte ein Resort mit bis zu 300 Betten entstehen.

Die Bergbahnen Flumserberg AG investierten bereits 31 Millionen Franken in die Infrastruktur. Seit dem Winter 2019 bringt eine neue Gondelbahn Touristen von der Talstation Tannenboden auf den Maschgenkamm. Die 8er-Gondel transportiert rund 2200 Personen pro Stunde auf den Berg.

Die Schweizer Bergwelt will erobert werden, sagte die Quartner Gemeinderätin Sarah Tschirky, zuständig für den Tourismus, zum Projekt. Doch noch bevor ein Investor für das 40-Millionen-Projekt gefunden werden konnte, versenkten die Stimmberechtigten die Pläne der Gemeinde. Sie lehnten am vergangenen Sonntag eine Teilzonenplanänderung auf dem Tannenberg ab, welcher neue Nutzungen ermöglicht hätte.

Das Thema Heidi verfängt bei uns wohl nicht. Die Leute haben das Gefühl, Heidi gehöre nicht hierher, sie gehöre nach Maienfeld, mutmasst Erich Zoller, Gemeindepräsident von Quarten, nach dem Nein gegenüber dem Regionaljournal Ostschweiz von Radio SRF über die Gründe.

Auch die Corona-Krise könnte zur Ablehnung beigetragen haben, meint Zoller. Im vergangenen Frühling und Sommer sei Flumserberg von Touristen überrollt worden. Wildparkierer und Abfallberge hätten bei der Bevölkerung für Unmut gesorgt - und Bedenken, dass der Ausbau wieder unkoordiniert Touristen in die Region bringen würde.

Bund und Kanton wollten die touristische Entwicklung auf dem Tannenboden mit 13 Millionen Franken unterstützen. Die Auszahlung des Darlehens sei an die Bedingung geknüpft worden, dass eine Baubewilligung vorliege, sagt Karin Jung, Leiterin des St. Galler Amtes für Wirtschaft und Arbeit, auf Anfrage von Keystone-SDA. Entsprechend seien noch keine Mittel geflossen.

Auf die Frage, ob Heidi im Kanton St. Gallen nicht zu vermarkten sei, antwortet Jung: Am vergangenen Sonntag hat die Quartner Stimmbevölkerung die Teilzonenplanänderung auf dem Tannenboden verworfen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es brauche jetzt eine Auslegeordnung. In der vorliegenden Form dürfte das Projekt jedoch kaum weiterverfolgt werden, so Jung.

In Maienfeld dagegen, wo die Geschichte von Heidi seit 1998 im Heididorf gezeigt wird, boomt das Geschäft mit der heilen Welt. Jährlich besuchen bis zu 150000 Touristinnen und Touristen das Dorf in der Bündner Herrschaft. In den nächsten Jahren soll das Heididorf für zehn Millionen Franken ausgebaut werden. Zwei Millionen Franken steuert der Kanton Graubünden bei. Die Idee: Das Leben zu Heidis Zeiten so authentisch wie möglich zu zeigen.

Maienfeld inspirierte die Zürcher Dichterin Johanna Spyri zu ihren Romanen über Heidi. 1879 erschien das erste Heidi-Buch, das sofort zu einem grossen Erfolg wurde. Die Geschichte des Waisenmädchens wurde inzwischen in über 55 Sprachen übersetzt und dient als Inspirationsquelle für zahlreiche Musicals, Animationen und Filme.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Schweizer so erfolgreich wie seit 1952 nicht mehr
Sport

Schweizer so erfolgreich wie seit 1952 nicht mehr

Die Schweiz weist an den Olympischen Spielen in Tokio bereits nach der ersten Woche eine herausragende Bilanz vor. So erfolgreich war eine Schweizer Delegation letztmals 1952 in Helsinki.

Israels Präsident Izchak Herzog erhält dritte Corona-Impfung
International

Israels Präsident Izchak Herzog erhält dritte Corona-Impfung

Nach der Entscheidung Israels, älteren Menschen eine dritte Corona-Impfung zu geben, hat Präsident Izchak Herzog (60) am Freitag als erster seine Auffrischungsimpfung erhalten.

Spionageaffäre in Spanien: Ex-Innenminister muss auf die Anklagebank
International

Spionageaffäre in Spanien: Ex-Innenminister muss auf die Anklagebank

Der frühere spanische Innenminister Jorge Fernández Díaz muss in einer grossen Korruptions- und Spionageaffäre auf die Anklagebank.

Zwei Verletzte bei Autounfall am Albulapass GR
Schweiz

Zwei Verletzte bei Autounfall am Albulapass GR

Bei einer Kollision zweier Autos am Albulapass in La Punt Chamues-ch sind am frühen Samstagabend die beiden Fahrer verletzt worden. Ein Wagen hatte auf einen Kiesparkplatz abbiegen wollen, dabei kam es zur Kollision mit dem hinter ihm fahrenden Auto.