Hochseilartist Freddy Nock zu 2,5 Jahren verurteilt


Roman Spirig
Schweiz / 11.12.19 19:40

Das Bezirksgericht Zofingen hat Hochseilartist Freddy Nock der versuchten vorsätzlichen Tötung seiner Ehefrau schuldig gesprochen. Das Gericht verurteilte ihn zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren. Er kommt in Sicherheitshaft.

Hochseilartist Freddy Nock zu 2,5 Jahren verurteilt (Foto: KEYSTONE / ENNIO LEANZA)
Hochseilartist Freddy Nock zu 2,5 Jahren verurteilt (Foto: KEYSTONE / ENNIO LEANZA)

Update: Der 55-Jährige muss 10 Monate absitzen. Für die restlichen 20 Monate gewährte ihm der Richter einen bedingten Strafvollzug, mit einer Probezeit von zwei Jahren. Nock kommt für die Dauer von drei Monaten auf Antrag des Staatsanwalts in Sicherheitshaft.

Die Gerichtspräsidentin sagte heute Abend bei der Urteilseröffnung, für einen Schuldspruch müsse der Angeklagte nicht geständig sein. In diesem Fall stehe - wie oft bei häuslicher Gewalt - Aussage gegen Aussage. Es obliege dem Gericht, die Glaubhaftigkeit der Aussagen zu prüfen.

Nock hatte gemäss Anklage versucht, seine Frau im März 2013 mit einen Kissen zu ersticken. Das Gericht stelle auf die Aussagen der Frau ab, sagte die Gerichtspräsidentin weiter. Die Frau habe von Beginn an widerspruchsfrei ausgesagt und keine pauschalen Beschuldigungen erhoben.

Auch habe sie die Tat nicht erfunden. Die Aussagen des Opfers seien "glaubhaft und authentisch". Daran bestehe kein Zweifel, hiess es bei der Begründung des Urteils.

Das Bezirksgericht sprach Nock von den Vorwürfen der mehrfachen Gefährdung des Lebens und der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung frei. Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren gefordert, der Verteidiger einen Freispruch. Das Urteil des Bezirksgerichts ist noch nicht rechtskräftig.

In der Ehe kam es immer wieder zu Streit und gegenseitigen Tätlichkeiten. Die beiden getrennt Lebenden liefern sich auch ein Seilziehen um das Sorgerecht ihres 8-jährigen Sohnes.

(sda)


Gemäss Anklageschrift soll Nock seiner Frau ein Kissen so lange aufs Gesicht gedrückt haben, bis sich diese tot stellte. Als er dies bemerkt habe, solle er der Frau mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Die Staatsanwaltschaft warf ihm weiter vor, seine Frau im gemeinsamen Haus im Treppenhaus über das Geländer gehoben und gedroht zu haben, sie fallen zu lassen. Auch soll er die heute 44-jährige Frau an der Schulter gepackt und mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen haben. Einmal soll er der Frau die Nase gebrochen haben. Zu den Attacken kam es gemäss Staatsanwaltschaft in den Jahren 2008, 2013 und 2014.

Es sei wiederholt zu massiver Gewalt gekommen. Der Angeklagte habe allen "das Leben zur Hölle" gemacht, sagte er. Der Angeklagte zeige keinerlei Reue oder Einsicht. Der Staatsanwaltschaft forderte auch eine Sicherheitshaft.

Die häusliche Gewalt laufe immer nach dem gleichen Muster ab. Die Opfer suchten die Schuld bei sich selber und versuchten, die Gewalt zu verhindern. Im konkreten Fall sei der Angeklagte ein Prominenter.

In der Öffentlichkeit gelte er als erfolgreicher Artist. Nock versuche, von sich in den Medien ein anderes Bild zu zeichnen. Die Anklage basiere auf den glaubwürdigen Aussagen des Opfers. Die Aussagen seien schlüssig.

Der Verteidiger zerpflückte die Anklageschrift. Die Sachverhalte seien nicht belegt. Der Tötungsvorsatz sei eine Erfindung der Staatsanwaltschaft. Nock habe der Frau nie ins Gesicht geschlagen.

Es sei jedoch richtig, dass die Streitigkeiten jeweils hässlich ausgetragen worden seien. Es sei auch zu Tätlichkeiten gekommen. Das werde nicht bestritten. Die Frau sei aggressiv und streitsüchtig geworden, wenn sie zu viel getrunken habe. Sie habe ihren Mann auch mit einer Küchenkelle geschlagen. Der Verteidiger sprach von einer "toxischen Beziehung" und von "einer wilden Ehe".

Die Frau sei wegen ihrer Alkoholprobleme wiederholt die Treppe heruntergefallen. Die Frau habe immer wieder neue Beschuldigungen erhoben. Es gehe auch um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn. Die Frau führe ein Machtspiel und versuche jeweils, ihre Position in diesem Rechtsstreit mit neuen Anschuldigungen gegen Nock zu verbessern.

Der Verteidiger kritisierte, dass sich die Staatsanwaltschaft mit der Anklage sehr viel Zeit gelassen habe. Er forderte für seinen Mandanten eine Entschädigung von 37'000 Franken und eine Genugtuung von 11'000 Franken für 55 Tage Untersuchungshaft.

Bei der Befragung durch die Gerichtspräsidentin verweigerte der angeklagte Nock die Aussage. Auch auf konkrete Fragen der Gerichtspräsidentin zu den Vorfällen war immer nur eine Antwort zu hören: "Da möchte ich auch keine Aussage machen", gab er wiederholt zu Protokoll. Im Schlusswort sagte er: "Es war nicht schön, was da gelaufen ist."

Die Frau wurde an der Verhandlung als Auskunftsperson befragt, während der Angeklagte in einem Nebenraum alles per Video mitverfolgte. "Er wollte Macht über mich", sagte sie. Sie schilderte die erste Gewaltattacke. Ihr Mann habe sie mehrfach gewürgt, bis sie keine Luft mehr erhalten habe.

Sie habe Angst gehabt. Die Frau weinte bei der Befragung. Die Probleme hätten 2008 begonnen. Er sei immer wieder aggressiv geworden. Mit der Zeit habe sie verbal zurückgegeben.

Mit dem Kissen, das er ihr ins Gesicht gedrückt habe, habe er sie erdrücken wollen. "Ich hatte Angst, dass ich sterbe." Sie habe ihn nie geschlagen. Sie räumte ein, dass sie ihren Mann auch verbal provoziert habe. "Ich habe weitergemacht, als ob nichts gewesen wäre", erzählte die Frau.

Sie wäre von sich aus niemals zur Polizei gegangen. "Ich habe all die Jahre alles geschluckt und verdrängt. Ich habe den Mann über alles geliebt." Sie habe mit niemandem reden können. Sie zog aus dem Haus aus, ging dann später vorübergehend wieder zurück. "Ich hatte die Hoffnung, dass es wieder gut wird."

Sie erzählte ihre Erlebnisse der Polizei, die von Nock zur gemeinsamen Wohnung bestellt worden war. Er gab an, die Frau habe ihn angegriffen.


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