Hochwassergefahr in der Zentralschweiz nicht gebannt


News Redaktion
Regional / 14.07.21 17:41

Die Pegel des Vierwaldstättersees und weiterer Zentralschweizer Seen sind am Mittwoch weiter gestiegen. Luzern rüstet sich auf ein neues Jahrhunderthochwasser, angespannt ist die Lage auch in Stansstad NW und Lauerz SZ. Entwarnung gab es dagegen zum Reussdamm in Hünenberg ZG.

In Stansstad steht der Dorfplatz wegen des hohen Pegels des Vierwaldstättersees unter Wasser. (FOTO: Kantonspolizei Nidwalden)
In Stansstad steht der Dorfplatz wegen des hohen Pegels des Vierwaldstättersees unter Wasser. (FOTO: Kantonspolizei Nidwalden)

Der Pegel des Vierwaldstättersee stieg am Mittwoch weiter an, aber deutlich langsamer als am Vortag. Von Mitternacht bis am Nachmittag stieg der Seespiegel um rund 10 Zentimeter auf 434,73 Meter über Meer.

Angesichts der angekündigten Regenfälle erwartet die Stadt aber einen weiteren deutlichen Anstieg des Pegels. Feuerwehrkommandant Theo Honermann sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, ein realistisches Szenario sei, dass am Donnerstagmorgen Brücken gesperrt werden müssten. Auch eine Sperrung des zentralen Schwanenplatzes sei, je nach Entwicklung, möglich.

Bereits gesperrt ist in Luzern die Haldenstrasse beim Verkehrshaus.

Entlang der Reuss wurden in Luzern Sandsackmauern und ein 340 Meter langer Schlauchdamm errichtet, um das Wasser zurückzuhalten. Die Märkte vom Freitag und Samstag entlang des Flusses wurden abgesagt. Vom Hochwasser getroffen wurde das Historische Museum. In das Gebäude, das an der Reuss steht, drang Wasser ins Untergeschoss, wo Sammlungsstücke eingelagert sind.

Auch flussabwärts bereitet das Hochwasser der Reuss Probleme. In Hünenberg ZG wurde zunächst ein Dammbruch befürchtet. Am Abend gab der kantonale Führungsstab nach einer geologischen Untersuchung Entwarnung. Der Damm dürfte den erwarteten Wassermassen standhalten, er wird sicherheitshalber aber dennoch rund um die Uhr überwacht.

Auch in Obwalden sind die Seen übervoll. An einigen Stellen sind der Sarnersee und der Alpnachersee über die Ufer getreten, Wege wurden deswegen gesperrt. Bei einzelnen Liegenschaften am Sarnersee kam es zu Wassereinbrüchen.

Der Bahnbetrieb zwischen Hergiswil NW und Sarnen OW wurde eingestellt, weil die Sarner Aa eine Bahnbrücke überspülte. Nach wie vor unterbrochen ist die Linie Luzern-Engelberg OW, die am Samstag im Engelbergertal verschüttet worden ist.

Entlang der Engelberger Aa hat sich die Situation am Mittwoch aber entspannt, wie die Kantonspolizei Nidwalden mitteilte. Prekär ist in Nidwalden die Lage in Stansstad, dessen Dorfplatz am Mittwoch vom Vierwaldstättersee unter Wasser gesetzt worden ist.

Im Kanton Schwyz ist es vor allem der Lauerzersee, der für Überschwemmungen sorgt. In Lauerz wurden mehrere Personen evakuiert, wie die Kantonspolizei mitteilte. Das Seewasser drohe auf die Autobahn A4 zu gelangen, die Strasse zwischen Lauerz und Seewen sei teilweise überflutet.

Im Kanton Uri hat sich Hochwassersituation vorerst entschärft. Die Matterhorn Gotthard Bahn konnte am Morgen den Betrieb zwischen Andermatt und Realp wieder aufnehmen.

Die Lage, vor allem an der Reuss sowie im Ufergebiet des Urnersees, seien jedoch weiterhin angespannt, teilte die Kantonspolizei mit. Wegen überfluteten Kellern seien weiterhin Feuerwehren im Einsatz. In einem Fall sei in Flüelen Heizöl in den See gelangt.

Die Polizeikorps in der Zentralschweiz rufen die Bevölkerung zudem zu einem besonnenen Verhalten auf. Ufer von Fliessgewässern und Seen seien zu meiden, auf Bootsfahren solle verzichtet werden. Wegen der Erdrutschgefahr wurde ferner dazu aufgerufen, auf Wanderungen im steilen Gelände zu verzichten.

(sda)


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