Hockey-Erinnerungen in der Zwangspause: Zugs einziger Titel


Roman Spirig
Sport / 30.03.20 11:22

In den ersten zwölf Playoff-Jahren hatten Lugano, Bern und Kloten je viermal den Titel geholt. 1998 brach der EV Zug in diese Phalanx ein und holte seinen bis heute einzigen Meistertitel.

Hockey-Erinnerungen in der Zwangspause: Zugs einziger Titel (Foto: KEYSTONE / SIGI TISCHLER)
Hockey-Erinnerungen in der Zwangspause: Zugs einziger Titel (Foto: KEYSTONE / SIGI TISCHLER)

Die Playoffs von 1998 verliefen aus vielerlei Gründen bemerkenswert. Der erste Versuch mit dem Modus "best of 7" war in der NLA 1993 gescheitert. Damals wollte niemand wochenlang die gleichen (unausgeglichenen) Paarungen sehen. Der zweite Versuch fünf Jahre später sorgte für Begeisterung: Alle Viertelfinalserien (Zug - Rapperswil 4:3; Fribourg - Kloten 4:3; Davos - Lugano 4:3; Ambri - Bern 4:3) und ein Halbfinal (Zug - Ambri 4:3) wurden erst im siebenten Spiel entschieden.

Zum spannenden Verlauf der Playoffs passte das kitschige Ende. Der EVZ nützte nach zwei verlorenen Finals (1995 und 1997) seine letzte Chance. Nach dem Titelgewinn verliessen mehrere Leistungsträger den Klub. Und Zug dürfte auf ewig der einzige Schweizer Meister bleiben, der in den Playoffs in Unterzahl (9 Shorthander) besser war als im Powerplay.

Nicht nur deshalb war Zugs Krönung eine der ungewöhnlichen Storys im Schweizer Hockey. Davos, Bern und Kloten waren schon Meister, bevor die Geschichte des EV Zug 1967 überhaupt begann. Innert 30 Jahren nach der Gründung gelang in der Nachkriegszeit nur Villars und Langnau ebenfalls der Titelgewinn.

Zug spielte kanadisch. Die Ausländer (Wes Walz, Bill McDougall, Chris Lindberg, John Miner) und die Trainer (Sean Simpson, Bob Leslie) waren Kanadier, Misko Antisin und Colin Muller ausserdem Doppelbürger.

Präsident und Mäzen Fredy Egli baute das Meisterteam auf - und schenkte, als Novum, jedem Meister nach NHL-Manier einen vom Zuger Künstler geschaffenen Meisterring. Egli hielt niemanden "contre-coeur" in Zug. Trainer Jim Koleff und der jetzige Nationalcoach Patrick Fischer zogen vor Zugs Meistersaison nach Lugano. Dafür startete Koleffs Assistent Sean Simpson in der Innerschweiz seine grosse Trainerkarriere, und Marco Fischer, der weniger bekannte Bruder von Patrick, erzielte im entscheidenden Playoff-Final gegen Davos das 1:0.

Zugs Titelgewinn war eine Zangengeburt: In der Viertelfinalserie drohte dem Qualifikationssieger gegen Rapperswil-Jona das Aus. Die Zuger unterschätzten den Gegner und kamen erst in der Overtime von Spiel 7 weiter, auch weil Rapperswil in der "Belle" Stamm-Goalie Claudio Bayer (gesperrt) durch den völlig unerfahrenen Remo Wehrli hatte ersetzen müssen. In der Halbfinalserie gegen Ambri-Piotta lag Zug nach einer 1:7-Heimniederlage in Spiel 5 ebenfalls mit 2:3 zurück.

Sean Simpsons Meisterstück war, dass er nach dem 1:7 gegen Ambri an Goalie Ronnie Rüeger festhielt. Rüeger startete als Nummer 2 in die Saison, verdrängte Patrick Schöpf aber zusehends. Rüeger spielte in den Playoffs zwar selten herausragend, doch das Finalduell gegen Nando Wieser entschied er klar für sich.

Die Hauptrolle spielten aber die Kanadier, angeführt von Topskorer Walz und McDougall, der im Final nicht mehr zu halten war. Es war kein Zufall, dass Problemkinder wie Misko Antisin und McDougall ihre besten Jahre in Zug erlebten. McDougall erzielte in den 20 Playoff-Partien 16 Goals und 11 Assists. Im ersten Final gegen Davos gelang ihm ein Hattrick. Auf den Tag genau ein Jahr vorher hatte sich McDougall während der Halbfinalserie gegen Davos eine wilde Nacht geleistet, die ihm eine Anzeige wegen Trunkenheit am Steuer und im Boulevard den Übernahmen "Whisky-Bill" eintrug.

Playoffs im Schweizer Eishockey: 1985 eingeführt, 2020 ausgefallen. Wir blicken zurück - angefangen bei der Angst der Klubs, die Fans würden der Qualifikation fernbleiben, bis zum Aufstieg zum 200-Millionen-Business, das seit 2015 Jahr für Jahr mehr als zwei Millionen Fans in die Stadien lockt. Eishockey soll primär unterhalten - und Playoff-Dramen garantieren beste Unterhaltung. Auf diese Dramen blicken wir in unserer Serie zurück.

(sda)

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Pfingstwochenende lockt Menschen in die Berge und an das Wasser
Schweiz

Pfingstwochenende lockt Menschen in die Berge und an das Wasser

Am sonnigen Pfingstwochenende sind in der Schweiz viele Naherholungsgebiete sehr gut besucht gewesen. Sehr beliebt waren Ausflugsziele in den Bergen, dies führte teilweise zu verstopften und gesperrten Strassen. Auch die Postautos waren sehr stark ausgelastet.

Proteste und Gewalt trotz Ausgangssperren in US-Städten
International

Proteste und Gewalt trotz Ausgangssperren in US-Städten

Der Tod eines Afroamerikaners nach einem brutalen Polizeieinsatz in der US-Stadt Minneapolis hat am Wochenende landesweit erneut zu Protesten und Gewalt geführt. Trotz Ausgangssperren in mindestens 25 Städten gingen Menschen die fünfte Nacht in Folge auf die Strassen.

Trotz Ausgangssperre: Erneut Proteste und Plünderungen in New York
International

Trotz Ausgangssperre: Erneut Proteste und Plünderungen in New York

Trotz einer Ausgangssperre haben in der Millionenmetropole New York in der Nacht zum Dienstag erneut Hunderte Menschen gegen Rassismus, Diskriminierung und Polizeibrutalität demonstriert.

Autoinsassen bei Unfall in Teufen ZH aus Fahrzeug geschleudert
Schweiz

Autoinsassen bei Unfall in Teufen ZH aus Fahrzeug geschleudert

Bei einem spektakulären Autounfall in Teufen ZH am späten Sonntagabend ist der 33-jährige mutmassliche Fahrer schwer verletzt worden. Ein 26-jähriger Mann kam mit leichten Blessuren davon. Das Auto hatte sich beim Unfall mehrfach überschlagen. Die Insassen wurden dabei aus dem Wagen geschleudert.