Hurrikan "Florence" wird etwas schwächer - dennoch besteht Lebensgefahr


Roman Spirig
International / 13.09.18 08:11

Hurrikan "Florence" verliert an Kraft, doch die US-Behörden warnen trotzdem vor seiner todbringenden Zerstörungskraft. Sturmfluten, heftige Winde und Hochwasser könnten gewaltige Schäden an der Ostküste der USA anrichten.

Hurrikan Florence wird etwas schwächer - dennoch besteht Lebensgefahr  (Foto: KEYSTONE / AP / )
Hurrikan Florence wird etwas schwächer - dennoch besteht Lebensgefahr (Foto: KEYSTONE / AP / )
(Foto: KEYSTONE / AP / Sean Rayford)
(Foto: KEYSTONE / AP / Sean Rayford)
(Foto: KEYSTONE / AP / Sean Rayford)
(Foto: KEYSTONE / AP / Sean Rayford)
(Foto: KEYSTONE / AP / Stephen B. Morton)
(Foto: KEYSTONE / AP / Stephen B. Morton)

Der Hurrikan "Florence" rückt trotz verminderter Windstärke mit grosser Zerstörungskraft auf die Südostküste der USA zu. Mit Windgeschwindigkeiten von rund 175 Kilometern pro Stunde zieht der Sturm über den Atlantik, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum in der Nacht zum Donnerstag mitteilte.

Die Stärke des inzwischen auf Kategorie 2 von 5 herabgestuften Wirbelsturms werde sich nur noch geringfügig ändern, bis er auf Land treffe, hiess es weiter. Die Behörde warnt dennoch vor lebensbedrohlichen Sturmfluten und heftigen Regenfällen. Meteorologen hatten zuvor nicht ausgeschlossen, dass sich der Sturm zu einem Hurrikan der höchsten Stärke 5 entwickeln, also Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 Stundenkilometern erreichen könnte.

Die Menschen an der Südostküste der USA bereiten sich seit Tagen auf die Ankunft des Wirbelsturms vor. "Florence" soll spätestens am Freitagmorgen auf die Küste der Bundesstaaten North Carolina oder South Carolina treffen. Mehrere Bundesstaaten, die nationale Katastrophenschutzbehörde FEMA, die US-Streitkräfte und Versorgungsunternehmen arbeiten rund um die Uhr, um sich für das Schlimmste zu wappnen.

"Es könnte Rekordfluten geben", sagte der amtierende Leiter des Hurrikan-Zentrums, Ed Rappaport. "Es wird ein Sturm werden, an den man sich erinnern wird. Ich hoffe, dass alle am Leben bleiben." Die Behörde warnte, eine lebensbedrohliche Sturmflut sei "sehr wahrscheinlich" entlang Teilen der Küste von North und South Carolina. Überschwemmungen auch über längere Zeiträume würden erwartet. US-Medien verglichen "Florence" schon vor seiner Ankunft mit Wirbelstürmen wie "Katrina", der 2005 Tod und Schrecken über die Südstaaten gebracht hatte.

Den Meteorologen gelang es zunächst nicht, den Weg des Hurrikans wegen dessen ungewöhnlicher Kurve exakt zu bestimmen. Je nach Rechenmodell könnten sich in der Schneise des Wirbelsturms neben Hunderttausenden Wohnhäusern bis zu sechs Kernkraftwerke und mehrere Sondermülldeponien befinden. Anlass zur Sorge gebe es wegen der Kraftwerke derzeit nicht, versicherte die Katastrophenschutzbehörde FEMA.

Die Behörden und an ihrer Spitze Präsident Donald Trump forderten die Menschen in der Region am Mittwoch noch einmal eindringlich dazu auf, den Anweisungen zur Räumung ihrer Häuser Folge zu leisten. "Spielt keine Spielchen mit ihm. Er ist gross", sagte Trump in einer Video-Botschaft über den Wirbelsturm.

Auch viele Tiere mussten in Sicherheit gebracht werden, etwa Wasserschildkröten. Die Wildpferde-Herden auf den Outerbanks vor North Carolina - eine weltbekannte Touristenattraktion - bleiben wo sie sind. Nach Angaben der Behörden sind die Tiere durch ihre Instinkte gut gerüstet und begeben sich selbstständig ausser Gefahr.

Ein FEMA-Vertreter verglich den Sturm mit der Schlaggewalt eines früheren Schwergewichts-Boxweltmeisters: "Das ist ein Mike-Tyson-Faustschlag für die Küste von Carolina." US-Medien sprachen von deutlich mehr als einer Million Menschen, die die Küstenregion verlassen sollten, und von insgesamt mehreren Millionen Betroffenen. Die Gebiete entlang der südlichen US-Atlantikküste glichen schon am Mittwoch Geisterstädten. Fenster und Türen waren verbarrikadiert, Läden und Supermärkte geschlossen, Hotels schickten ihre Gäste zurück.

Die FEMA appellierte an die Menschen, Nothelfer nicht dadurch zu gefährden, dass sie in den bedrohten Gebieten blieben und später gerettet werden müssten. Es gebe genug Notunterkünfte.

Der Wirbelsturm selbst bewegt sich dagegen nur langsam vorwärts - zuletzt mit etwa 28 Kilometern pro Stunde. In der Schneise des Hurrikans liegen vor allem North Carolina und South Carolina, weiter nördlich auch Virginia. Meteorologen sagten zuletzt aber voraus, der Hurrikan könne noch etwas südlich eindrehen.

Die FEMA erklärte, der Hurrikan werde über Land zwar schnell an Kraft verlieren, starken Regen aber auch in Gebiete bringen, die nicht an der Küste liegen. Allerdings halten es die Meteorologen auch für möglich, dass das Zentrum des Sturms an der Küste entlangziehen und somit tagelang schwere Regenfälle in die Region bringen wird, ohne sich nennenswert abzuschwächen.

(sda)


(Foto: KEYSTONE / AP / Sean Rayford)
(Foto: KEYSTONE / AP / Sean Rayford)
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Erster Cyber-Lehrgang für Rekruten angelaufen
Schweiz

Erster Cyber-Lehrgang für Rekruten angelaufen

Die Schweizer Armee bildet erstmals Rekruten zu Cyber-Spezialisten aus. Der neue Lehrgang kann mit einem eidgenössisch anerkannten Fachausweis abgeschlossen werden. Damit haben die jungen Männer auch im Zivilleben etwas in der Hand.

Bundesrat erhöht 2019 die AHV-Renten
Regional

Bundesrat erhöht 2019 die AHV-Renten

Weil Preise und Löhne steigen, erhöht der Bundesrat die AHV- und IV-Renten. 2019 steigt die Minimalrente um 10 Franken, die Maximalrente um 20 Franken. Die Kosten belaufen sich auf 430 Millionen Franken pro Jahr.

Urner Regierung weist Gesuch zu Kraftwerk-Alternative zurück
Regional

Urner Regierung weist Gesuch zu Kraftwerk-Alternative zurück

Die Urner Baudirektion weist ein Gesuch von Umweltorganisationen zurück, die ein geplantes Wasserkraftwerk im Meiental zugunsten des "Landschaftsrappen" stoppen wollten. Es handle sich nicht um ein Kraftwerk- sondern um ein Schutzprojekt, argumentiert sie.

Bundesrat will Zugang zu Medikamenten vereinfachen
Schweiz

Bundesrat will Zugang zu Medikamenten vereinfachen

Der Bundesrat möchte den Zugang zu Medikamenten für die Bevölkerung vereinfachen. Ab nächstem Jahr können Apotheken weitere Arzneimittel in eigener Verantwortung abgeben. Gleichzeitig will der Bundesrat die Rahmenbedingungen für Forschung und Industrie verbessern.