Ifo-Institut senkt deutsche Wachstumsprognose wegen Lieferengpässen


News Redaktion
Wirtschaft / 16.06.21 11:12

Die globalen Lieferengpässe werden nach der Konjunkturprognose des Ifo-Instituts die wirtschaftliche Erholung in Deutschland nach der Corona-Pandemie bremsen. Die Münchner Ökonomen erwarten für dieses Jahr noch ein Wachstum von 3,3 Prozent

Lieferengpässe wie etwa der Chipmangel in der Autoindustrie könnten das Wachstum in Deutschland verlangsamen. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/AP/JENS MEYER)
Lieferengpässe wie etwa der Chipmangel in der Autoindustrie könnten das Wachstum in Deutschland verlangsamen. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/AP/JENS MEYER)

Das wären 0,4 Prozentpunkte weniger als noch im März erwartet, wie das Institut am Mittwoch mitteilte.

Kurzfristig dämpfend wirken nach Einschätzung des Konjunkturforschers Timo Wollmershäuser vor allem die Engpässe bei der Lieferung von Vorprodukten - damit gemeint ist unter anderem der Chipmangel in der Autoindustrie.

Dafür könnte es dann im kommenden Jahr wesentlich kräftiger aufwärts gehen als ursprünglich gedacht. Für 2022 erhöhte das Ifo-Institut seine Wachstumsprognose um 1,1 Punkte auf 4,3 Prozent. Dessen ungeachtet gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Corona-Krise der deutschen Wirtschaft von 2020 bis 2022 Einbussen von 382 Milliarden Euro bescheren wird. Grundlage ist die Annahme, dass die Wirtschaft ohne Krise im jährlichen Schnitt um 1,2 Prozent hätte wachsen können. 2020 war das Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt um knapp fünf Prozent geschrumpft.

Wollmershäuser und seine Kollegen gehen davon aus, dass sich die Lage auch auf dem Arbeitsmarkt zunehmend entspannt. Ende Mai waren geschätzt noch 2,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Für das kommende Jahr rechnen die Ökonomen mit nur noch 100000 Kurzarbeitern, ebenso wenigen wie vor Beginn der Krise. Die Arbeitslosigkeit könnte demnach von 2,7 Millionen Ende 2020 auf 2,4 Millionen im kommenden Jahr zurückgehen.

Doch müssen sich Bürger und Unternehmen auf eine im Vergleich zum Vorjahr spürbare Teuerung einstellen. Für dieses Jahr erwartet das Ifo-Institut eine Inflationsrate von 2,6 Prozent, bedingt vor allem durch höhere Energiepreise und die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer.

Wollmershäuser prophezeit zudem einen Aussenhandelsboom - mit einem Exportwachstum von 10,4 Prozent in diesem Jahr. Die Importe könnten demnach sogar um 11,4 Prozent zulegen, womit auch der im Ausland oft kritisierte Überschuss der deutschen Leistungsbilanz kleiner werden würde.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Präsident Selenskyj wechselt ukrainische Militärführung aus
International

Präsident Selenskyj wechselt ukrainische Militärführung aus

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ohne ersichtlichen Anlass überraschend mehrere führende Militärs und Geheimdienstler ausgewechselt.

Umfrage: Tessin und Graubünden erhalten meiste Sympathiepunkte
Schweiz

Umfrage: Tessin und Graubünden erhalten meiste Sympathiepunkte

Das Tessin und Graubünden sind ist für die Menschen in der Schweiz der sympathischsten Kantone. Das hat der Online-Vergleichsdienst Moneyland.ch mit einer Umfrage bei 1500 Personen in der Deutschschweiz und der Westschweiz herausgefunden.

Erster Schweizer Dreifachsieg seit 85 Jahren
Sport

Erster Schweizer Dreifachsieg seit 85 Jahren

Der Dreifachtriumph der Mountainbikerinnen im olympischen Cross-Country-Rennen von Tokio war aus Schweizer Sicht keine Premiere, aber dennoch historisch.

Luzern holt kosovarischen Innenverteidiger
Sport

Luzern holt kosovarischen Innenverteidiger

Der FC Luzern verstärkt seine Innenverteidigung mit dem kosovarischen Internationalen David Domgjoni.