Japans Regierungschef opfert für umstrittenen Yasukuni-Schrein


News Redaktion
International / 15.08.22 07:30

Japans Ministerpräsident Fumio Kishida hat zum 77. Jahrestag der Kapitulation des Landes im Zweiten Weltkrieg dem umstrittenen Kriegsschrein Yasukuni in Tokio eine Opfergabe zukommen lassen. Seine national-konservative Ministerin für wirtschaftliche Sicherheit, Sanae Takaichi, pilgerte stattdessen am Montag in das Shinto-Heiligtum, wo der in Kriegen für das japanische Kaiserreich Gestorbenen gedacht wird - darunter verurteilte und hingerichtete Kriegsverbrecher.

ARCHIV - Fumio Kishida, Premierminister von Japan, bei einer Pressekonferenz in Tokio. Foto: Rodrigo Reyes Marin/ZUMA POOL/dpa (FOTO: Keystone/ZUMA POOL/Rodrigo Reyes Marin)
ARCHIV - Fumio Kishida, Premierminister von Japan, bei einer Pressekonferenz in Tokio. Foto: Rodrigo Reyes Marin/ZUMA POOL/dpa (FOTO: Keystone/ZUMA POOL/Rodrigo Reyes Marin)

Pilgergänge japanischer Politiker lösen immer wieder Proteste Chinas und Südkoreas aus, gegen die Japans Aggressionen im Zweiten Weltkrieg gerichtet waren. Für Kritiker ist der Yasukuni-Schrein ein Symbol des ehemaligen Militarismus.

In seiner Rede bei einer wegen der Corona-Pandemie verkleinerten Gedenkzeremonie in Tokio für die etwa 3,1 Millionen gefallenen Soldaten und zivilen Opfer bekräftigte Kishida zwar den Entschluss seines Landes, die "Katastrophe von Krieg" niemals zu wiederholen. In einer Welt, in der Konflikte noch immer weit verbreitet seien, werde Japan alles tun, um gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft zur friedlichen Lösung der Probleme in der Welt beizutragen. Auf Japans damalige Aggressionen ging Kishida aber nicht ein. Er folgte damit der Linie seines rechtskonservativen Vorgängers Shinzo Abe, der kürzlich ermordet worden war, wie japanische Medien festhielten.

Aus Südkorea kamen unterdessen versöhnliche Töne: Beide Länder könnten ihre historischen Probleme lösen, wenn sie sich auf eine "gemeinsame Zukunft" zubewegten, sagte Präsident Yoon Suk Yeol am Montag in seiner Rede zum 77. Tag der Befreiung Koreas von japanischer Kolonialherrschaft (1910-45), wie die japanische Agentur Kyodo berichtete. Yoon hatte nach seiner Wahl zum Präsidenten im März erklärt, die Beziehungen zu Japan verbessern zu wollen. Die beiden Nachbarländer sind heute wichtige Sicherheitspartner der USA.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Ein König im Schottenrock: Charles III. in Schottland
International

Ein König im Schottenrock: Charles III. in Schottland

Das neue britische Königspaar ist zum ersten Mal seit dem Ende der royalen Trauerphase für Queen Elizabeth II. in der Öffentlichkeit aufgetreten.

Prognose: Bürgerliche GERB bei Parlamentswahl in Bulgarien vorne
International

Prognose: Bürgerliche GERB bei Parlamentswahl in Bulgarien vorne

Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Bulgarien ist die prowestliche bürgerliche Oppositionspartei GERB ersten Prognosen zufolge stärkste Partei geworden. Die im April 2021 nach Korruptionsvorwürfen der damaligen Opposition abgewählte GERB soll auf 24,6 Prozent der Stimmen kommen, wie Wählerbefragungen des Meinungsforschungsinstituts Gallup International Balkan nach der Stimmabgabe ergaben. Auf Platz zwei landet demnach mit 18,9 Prozent die zuletzt regierende liberale PP ("Wir führen den Wandel fort") von Ex-Regierungschef Kiril Petkow.

US-Börsenaufsicht brummt Kim Kardashian hohe Strafe auf
Wirtschaft

US-Börsenaufsicht brummt Kim Kardashian hohe Strafe auf

Verschwiegene Einnahmen bei der Bewerbung einer Digitalwährung kommen Kim Kardashian teuer zu stehen. Der Reality-Star zahlt bei einem Vergleich mit der US-Börsenaufsicht SEC 1,26 Millionen Dollar an Bussgeldern und Entschädigungen.

Medizin-Nobelpreis: Forscher Pääbo beim Feiern ins Wasser geworfen
International

Medizin-Nobelpreis: Forscher Pääbo beim Feiern ins Wasser geworfen

Nach der Verkündung des Medizin-Nobelpreises ist der Evolutionsforscher Svante Pääbo im Zuge der Feierlichkeiten von Kollegen in ein Wasserbecken geworfen worden. Mehrere Institutsmitarbeiter schnappten den 67-jährigen Schweden am Montag nach einer Pressekonferenz und einem Umtrunk, trugen ihn in den Innenhof des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie und warfen ihn dort in hohem Bogen über den Zaun eines Wasserbeckens. Pääbo nahm es mit Humor: Er planschte ein wenig mit den Füssen und lachte über die Aktion. Schliesslich wurde ihm ein Rettungsring hingeworfen, mit dem der Forscher wieder herauskrabbelte. Er suchte dann seine Sachen zusammen und verschwand klatschnass im Institut.