"Je weniger ich denke, desto besser spiele ich"


Roman Spirig
Sport / 13.03.19 12:47

Belinda Bencic (WTA 23) zählt am Tennisturnier in Indian Wells nach den Achtelfinals und dem 6:3, 6:1-Erfolg über Naomi Osaka, die Nummer 1 der Welt, zu den Topfavoritinnen.

Je weniger ich denke, desto besser spiele ich  (Foto: KEYSTONE / AP / Mark J. Terrill)
Je weniger ich denke, desto besser spiele ich (Foto: KEYSTONE / AP / Mark J. Terrill)

Belinda Bencic spielte für Naomi Osaka zu gut - viel zu gut sogar! Im ersten Satz führte die 22-Jährige aus Flawil nach fünf Minuten und zehn Ballwechseln 2:0. Nach 20 Minuten stand es 5:1. Und im zweiten Satz wiederholte sich der Ablauf. Diesmal gelang Naomi Osaka sogar nur ein Spielgewinn (zum 1:3).

Der Sieg machte Belinda Bencic mit Recht stolz: "Ich spielte grossartig - und bin jetzt überglücklich." Bencic gönnte sich sogar ein Bier, welches sie jetzt, so kurz nach dem 22. Geburtstag in den USA legal trinken darf. "Schliesslich ist Naomi Osaka nicht einfach irgendeine Gegnerin. Sie hat im letzten Jahr alles gewonnen."

Belinda Bencic darf endlich wieder gross träumen. Das durfte sie schon vor vier Jahren, als sie in Toronto erstmals ein Premium-Turnier gewann, dort mit Serena Williams ebenfalls die Nummer 1 der Welt schlug, später in der Weltrangliste bis auf Platz 7 vorstiess, ehe sie Verletzungen bis auf Platz 318 zurück warfen.

Naomi Osaka, ein halbes Jahr jünger als Bencic, turnte vor vier Jahren während des ersten Hochs von Bencic noch in den Weltranglisten-Regionen 200 bis 300 herum. Genau vor einem Jahr gewann sie als Nummer 44 der Welt in Indian Wells ihr erstes Turnier. Ende Januar, nach dem Gewinn des Australian Open, übernahm Osaka die Führung in der Weltrangliste.

Osakas Aufschwung muss Bencic Mut machen. Spielt sie wieder so gut (oder sogar noch besser) als 2015? Bencic: "Das ist ein schwieriger Vergleich. Ich bin auch nicht in der Lage mich mit mir selber zu vergleichen. Klar ist, dass sich die Perspektiven verändert haben. Damals war ich jung, jugendlich natürlich, unbeschwert. Seither habe ich viel gelernt, vor allem aus den Problemen, die wegen meinen Verletzungen entstanden. Ich stelle aber fest: Die harte Arbeit der letzten Monate und Jahre zahlt sich jetzt endlich aus. Ich weiss, dass ich mich auf mein Spiel konzentrieren muss und kann. Wenn ich gut spiele, kann ich immer gewinnen."

Das sind gewiss nicht leere Worte. Bencic reihte zuletzt elf Siege aneinander (inklusive Fed Cup und dem Turniersieg in Dubai). Seit Januar hat sie kein Einzel mehr verloren. Sie spielt wie eine Chefin. In den letzten zweieinhalb Wochen besiegte sie mit Arina Sabalenka, Simona Halep, Jelina Switolina, Petra Kvitova und Naomi Osaka die Nummern 9, 2, 6, 4 und 1 der Welt. In den Viertelfinals könnte Bencic dieser Aufzählung die Nummer 5 der Welt hinzuführen. Die Tschechin Karolina Pliskova qualifizierte sich mit einem 7:6 (7:0), 4:6, 6:2-Sieg über die Estin Anett Kontaveit (WTA 21) für das Viertelfinalduell mit Bencic. Pliskova ist gemäss Weltrangliste die stärkste im Turnier verbliebene Spielerin.

Bencics Taktik: gleich weiterspielen wie in den letzten Wochen. "Ich mache mir nicht gross Gedanken vor dem Spiel. Je weniger ich denke, desto besser spiele ich."

Und Naomi Osaka? Die 21-jährige Japanerin hakte die Kanterniederlage schnell ab. "Eigentlich müsste ich nach einer Niederlage mit diesem Ergebnis frustriert und niedergeschlagen sein", sagte sie. "Das ist aber nicht der Fall, denn ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich versuchte taktische Änderungen und blieb während des Spiels positiv. Aber nichts half. Sie spielte einfach zu gut."

Naomi Osaka weiss, dass sich das Leistungsvermögen auch wieder ändern kann. Und sie erzählte dazu eine Story. Als 15-jährige Juniorin habe sie in Pelham, Alabama (USA) an einem 25'000-Dollar-Turnier erstmals gegen Bencic gespielt. Bencic sei damals bei den Juniorinnen der grosse Star gewesen. Sie habe regelmässig viel ältere Spielerinnen klar geschlagen. Die jüngere Osaka gewann dieses erste Kräftemessen gegen Bencic 6:3, 6:3, was die Schweizerin damals schockiert habe. Osaka: "Jetzt hat sie es mir zurückbezahlt."

(sda)


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