Kanton Luzern soll künftig mehr für Psychiatrieversorgung zahlen


News Redaktion
Regional / 21.09.21 00:01

Zu wenig Kinderpsychiater, zu lange Wartezeiten in den Ambulatorien und eine Unterfinanzierung des ambulanten Bereichs: Diese Probleme will die Luzerner Regierung beheben und hat in ihrem Planungsbericht zur psychiatrischen Versorgung die Mehrkosten beziffert.

Psychiater im Kanton Luzern können sich laut einem Bericht der Regierung nicht über fehlende Arbeit beklagen. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)
Psychiater im Kanton Luzern können sich laut einem Bericht der Regierung nicht über fehlende Arbeit beklagen. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)

25 Jahre ist es her, dass der Kanton Luzern einen Planungsbericht zur Psychiatrie erstellt hat. Auf Geheiss des Parlaments liess der Regierungsrat einen neuen, spezifischen Bericht ausarbeiten, den er am Dienstag präsentierte.

Demnach basiert die psychiatrische Versorgung im Kanton auf der Luzerner Psychiatrie (Lups), den niedergelassenen Psychiatern sowie den Psychotherapeutinnen. Dazu kommen gemäss dem Bericht weitere Leistungserbringer. Die Luzerner Bevölkerung geht im Vergleich zum Schweizer Durchschnitt 15 Prozent weniger in psychiatrische Kliniken und nimmt ambulante Leistungen gar 35 Prozent weniger in Anspruch.

Die Auslastung der Angebote im Kanton ist indes sehr hoch, wie aus dem Bericht hervorgeht. Die Betten der Lups seien oft über 100 Prozent belegt, um einen ambulanten Termin zu erhalten, müsse man mehrere Wochen bis Monate warten und bei Kinder- und Jugendpsychiaterinnen und -psychiatern herrsche gar ein Notstand.

Der Bedarf an psychiatrischen Behandlungen dürfte jährlich um 3 Prozent steigen. Um dies zu bewältigen soll verstärkt ambulant behandelt werden. Dieser Bereich müsse aber besser abgegolten werden. Dazu schlägt die Regierung vor, die Gemeinwirtschaftlichen Leistungen (GWL) um 1,2 Millionen Franken pro Jahr zu erhöhen, um die ungedeckten Kosten für ambulante Leistungen der Lups zu decken.

Um Wartezeiten abzubauen seien zudem 32 zusätzliche therapeutische Stellen bei der Lups nötig. Der Ausbau ist nur etappenweise möglich, ab 2024 betragen die Mehrkosten dafür 1,35 Millionen Franken. Weitere maximal 1,1 Millionen Franken pro Jahr dürften ab dann für 17 zusätzliche Stellen im Kinder- und Jugendpsychiatriebereich anfallen.

Schliesslich schlägt der Regierungsrat vor, ein von der Lups geführtes Kriseninterventionszentrum mit integrierter Abklärungs-, Notfall- und Triage-Stelle aufzubauen. Der Bericht geht nun an den Kantonsrat.

(sda)


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