Kanton St. Gallen verzichtet weiterhin auf Massentests


News Redaktion
Schweiz / 25.02.21 15:31

Der Kanton St. Gallen will auf gezielte Ausbruchstests und auf regelmässige Tests von bestimmten Gruppen setzen. Auf Massentests wird hingegen verzichtet. Über diese Strategie informierten am Donnerstag Vertreter der St. Galler Regierung.

Mit dringlichen Vorstössen aus dem St. Galler Kantonsrat war letzte Woche in der Februarsession der Ausbau der Testmöglichkeiten gefordert worden. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)
Mit dringlichen Vorstössen aus dem St. Galler Kantonsrat war letzte Woche in der Februarsession der Ausbau der Testmöglichkeiten gefordert worden. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)

Es gebe mehrere Argumente gegen breit angelegte Massentests, sagte Gesundheitschef Bruno Damann (CVP) vor den Medien. So handle es sich bei den Spucktests um PCR-Tests, die in einem Labor ausgewertet werden müssten. Das dauere mindestens einen Tag. Bis das Resultat vorliege, habe die Person möglicherweise schon andere Leute angesteckt.

Bei den Schnelltests, die ein rasches Resultat lieferten, müssten die Proben aus der Nase oder dem Rachen entnommen werden. Dies sei unangenehm, wie er aus eigener Erfahrung wisse, sagte Damann. Er zweifelt deshalb an der Bereitschaft: Die Teilnahme an Massentests sei freiwillig, sie müsste aber überdurchschnittlich hoch sein, damit der erwünschte epidemiologische Effekt erzielt werden könne.

Der Kanton St. Gallen baut in seiner Strategie zum einen auf Ausbruchstests, die zur Anwendung kommen, wenn beispielsweise in einer Schule mehrere Fälle entdeckt werden. Weiter soll es regelmässige Tests von vier bestimmten Gruppen geben. Dabei handelt es sich um sozialmedizinische Institutionen - vor allem Alters- und Pflegeheime -, um die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten sowie um Schulen und Firmen.

In sozialmedizinischen Institutionen können regelmässige präventive Testungen durchgeführt werden. Für die Durchführung und Organisation sind allerdings die Heimleitungen zuständig. Die Materialkosten werden vom Bund übernommen.

Alle Institutionen seien über die Möglichkeit informiert worden, sagte Regierungsrätin Laura Bucher (SP). Eine allgemeine Pflicht gebe es nicht. Die sinkenden Fallzahlen hätten sich positiv auf die Situation in den Heimen ausgewirkt. Nur noch in fünf Einrichtungen gebe es positive Fälle.

Auch in den Schulen will der Kanton auf das regelmässige präventive Testen von Personen ohne Symptome verzichten. Es gebe davon keinen Zusatznutzen, weil es unter den Schülern und Lehrkräften vor allem Einzelfälle mit positiven Tests gebe.

Eine Ausnahme sind Einrichtungen für die Betreuung von Kleinkindern, in den es nicht möglich ist, Masken zu tragen Dort können laut Strategie Tests auf Kosten des Bundes durchgeführt werden. Auch die Einsatzkräfte dürfen die Rechnung für die Proben dem Bund schicken. Sie benötigen keine Bewilligung des Kantonsarztamtes.

Aus der St. Galler Wirtschaft habe es klare Voten für Massentests gegeben, sagte Damann. Dazu fand bereits ein Austausch unter anderem mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) statt. Die Gespräche würden fortgeführt.

Vorläufig gilt, dass Testungen in Unternehmen vom Kantonsarztamt bewilligt werden müssen. Nur dann übernimmt der Bund die Kosten. Regelmässiges präventives Testen sei nach Ansicht des Kantons nur in denjenigen Firmen sinnvoll, wo das Übertragungsrisiko trotz Schutzkonzept erhöht ist.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Wieder ein paar wenige Zuschauer zugelassen
Sport

Wieder ein paar wenige Zuschauer zugelassen

Der Bundesrat wagt den nächsten Öffnungsschritt - trotz "fragiler Situation", wie er selbst schreibt. Das bringt auch für den Sport ein paar kleine Erleichterungen.

Schwyzer Kantonsrats-kommission will Ölheizungen Frist setzen
Regional

Schwyzer Kantonsrats-kommission will Ölheizungen Frist setzen

Im Kanton Schwyz soll ab 2050 nicht mehr mit Erdöl geheizt werden dürfen. Die vorberatende Kommission des Kantonsrats beantragt dem Plenum, das Energiegesetz mit einer entsprechenden Bestimmung zu ergänzen, wie sie am Freitag mitteilte.

Kreml reagiert zurückhaltend auf Bidens Gipfeltreffen-Initiative
International

Kreml reagiert zurückhaltend auf Bidens Gipfeltreffen-Initiative

Der Kreml hat zurückhaltend auf den Vorschlag von US-Präsident Joe Biden für ein Gipfeltreffen mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin reagiert. Der Kreml in Moskau bestätigte Bidens Vorschlag, liess aber offen, ob Putin die Einladung annehmen wird. Allerdings hatte auch Putin Biden ein Gespräch angeboten, nachdem der US-Präsident unlängst die Frage bejaht hatte, ob er Putin für einen "Killer" halte. Wegen dieser Äusserung hat Russland vorübergehend seinen Botschafter aus den USA abgezogen.

Biden will sich zu Plänen für Truppenabzug aus Afghanistan äussern
International

Biden will sich zu Plänen für Truppenabzug aus Afghanistan äussern

US-Präsident Joe Biden will sich an diesem Mittwoch zu seinen Plänen für einen Abzug der US-Truppen in Afghanistan bis zum 11. September äussern. Das Weisse Haus kündigte an, Biden werde sich um 14.15 Uhr (Ortszeit/20.15 Uhr MESZ) zum weiteren Vorgehen in Afghanistan und dem Fahrplan für einen Abzug äussern. Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter sagte am Dienstag, der Abzug sei nicht an Bedingungen geknüpft. Er solle noch vor dem 1. Mai beginnen und bis zum 11. September - dem 20. Jahrestag der Terroranschläge von New York und Washington - abgeschlossen sein. Unter Bidens Vorgänger Donald Trump hatte die US-Regierung mit den Taliban einen Abzug aller internationalen Truppen bis zum 1. Mai vereinbart.