Kassier von sozialen Vereinen vor Luzerner Kriminalgericht


Roman Spirig
Regional / 22.10.21 11:52

Ein Kassier, der für soziale Vereine tätig war, muss sich heute Freitag vor dem Kriminalgericht Luzern wegen Veruntreuung und weiteren Wirtschaftsdelikten verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Geld aus den Vereinskassen in die eigene Tasche gesteckt zu haben.

Der Stuhl des Angeklagten im Kriminalgericht Luzern. Wenn er könnte, würde er das Geschehene wieder rückgängig machen, sagte ein mutmasslicher Betrüger. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)
Der Stuhl des Angeklagten im Kriminalgericht Luzern. Wenn er könnte, würde er das Geschehene wieder rückgängig machen, sagte ein mutmasslicher Betrüger. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Gefängnis wäre sein Ende, sagte der 70-jährige Schweizer vor Gericht. Zu seinem heutigen Leben sagte er: Ich sieche dahin. Es tue ihm mehr als Leid, was er getan habe.

Der Schweizer hatte sich mit 63 pensionieren lassen. Um seine Rente aufzubessern, spekulierte er, wie er vor dem Kriminalgericht ausführte, an der Börse. Zudem arbeitete er als Kassier für zwei gemeinnützige, kirchennahe Vereine.

Der Kassier zweigte für seine Börsengeschäfte aus den Vereinen Geld ab. Um dies vor den Revisoren zu vertuschen, fälschte er Bankauszüge. Zudem nahm er Gelder von Kollegen an, um dieses angeblich mit Erträgen von 100 Prozent an der Börse zu investieren. Er habe seinen Bekannten vorgegaukelt, dass er sich die frühzeitige Pensionierung dank seinen Börsengeschäften leisten könne, erklärte die Staatsanwältin. Er habe sich eigens in Luzern ein Büro eingerichtet.

Die Gelder der Vereine und der Kollegen habe der Beschuldigte zur Finanzierung seines Lebensunterhalts verwendet und um Darlehen zurückzuzahlen, sagte die Staatsanwältin. Er habe nur einen kleinen Teil an der Börse investiert. Der Beschuldigte habe sich mit seinem Tun des gewerbsmässigen Betrugs, der Veruntreuung, der Urkundenfälschung und der Geldwäscherei schuldig gemacht.

Die Staatsanwältin bewertete bei der Strafzumessung negativ, dass der Beschuldigte spendenfinanzierte gemeinnützige Vereine schädigte. Er sei aber geständig gewesen, und aufrichtige Reue sei erkennbar. Zudem sei er teilweise auch von seinen Kollegen um Investitionsmöglichkeiten angegangen worden.

Tatsächlich genoss der Beschuldigte, der vor der Pensionierung in Finanzabteilungen von kirchennahen Hilfswerken arbeitete, den Ruf eines vertrauenswürdigen und qualifizierten Mannes. Er habe seinen Kollegen nie gross über die Börsengeschäfte Auskunft geben müssen, sagte der Beschuldigte. Er zeigte sich auch noch vor Gericht überzeugt, dass seine Börsenwetten hätten funktionieren können, wenn er grössere Geldsummen zur Verfügung gehabt hätte.

Der Verteidiger sagte, sein Mandant habe, wenn er mit einem Kollegen einen Vertrag abschloss, nicht die Absicht gehabt, sich zu bereichern. Er habe seine Kollegen zwar angelogen und ihr Geld veruntreut, aber ihnen gegenüber nicht arglistig ein Lügengebäude aufgebaut. Der Verteidiger forderte deswegen einen Freispruch vom Vorwurf des Betrugs sowie auch der Geldwäscherei.

Der Verteidiger bezeichnete die damalige Situation des Beschuldigten als Teufelskreis. Zu diesem gehörte demnach auch ein zwischenzeitlich verurteilter Bekannter, den der Verteidiger als manipulativ bezeichnete. Sein Mandant habe dem Bekannten hundert Mal Geldbeträge für Sportwetten übergeben.

Der Verteidiger sagte, sein Mandant habe einen bescheidenen Lebensstil gepflegt. Er habe daran geglaubt, mit einem grossen Coup seine desolate finanzielle Situation ins Reine zu bringen.

2017 erstattete der Beschuldigte Selbstanzeige. Zuvor hatte er gemäss Staatsanwaltschaft seine Buchhaltungsunterlagen vernichtet. Auf die Frage des Gerichts, wieso er nicht früher aufgehört habe, sagte der Beschuldigte, die Einsicht, aufhören zu müssen, habe gefehlt.

Das Gericht wird sein Urteil zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich eröffnen.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Ungarn blockiert EU-Beitrag für Bidens Demokratie-Gipfel
International

Ungarn blockiert EU-Beitrag für Bidens Demokratie-Gipfel

Ungarn hat einen gemeinsamen EU-Beitrag zu dem von US-Präsident Joe Biden organisierten Gipfel für Demokratie blockiert.

Migros-Genossenschafts-Mitglieder stimmen über Alkoholverkauf ab
Schweiz

Migros-Genossenschafts-Mitglieder stimmen über Alkoholverkauf ab

Die über 2,2 Millionen Mitglieder der Migros-Gemeinschaft werden über den Verkauf alkoholischer Getränke in Migros-Filialen entscheiden können. Das haben die zehn regionalen Genossenschaften beschlossen. Eine Urabstimmung soll im Juni nächsten Jahres stattfinden.

Swiss stellt Flüge nach Hongkong vorübergehend ein
Schweiz

Swiss stellt Flüge nach Hongkong vorübergehend ein

Die Fluggesellschaft Swiss stellt ihre Flüge von Zürich nach Hongkong vorübergehend ein. Grund sind die "Verschärfungen der Quarantäne-Vorschriften für Besatzungsmitglieder" bei der Ankunft im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Ramseier: 2021 mit guter Obstqualität trotz Ernteausfällen
Wirtschaft

Ramseier: 2021 mit guter Obstqualität trotz Ernteausfällen

Die Ramseier Suisse AG hat die gesamte gelieferte Ernte von 2021 fertig verarbeitet und schätzt die Qualität des diesjährigen Obstes als gut ein. Das Erntevolumen lag jedoch wetterbedingt unter dem Mehrjahresschnitt.