Kino- und Sporttickets können im Kanton Luzern weiterhin besteuert werden


Roman Spirig
Regional / 01.12.20 19:00

Im Kanton Luzern dürfen die Gemeinden weiterhin auf Billetts für Kultur- und Sportveranstaltungen eine Steuer erheben. Der Kantonsrat hat heute Dienstag eine Motion abgelehnt, welche die 1892 eingeführte Lustbarkeitssteuer abschaffen wollte.

Kino- und Sporttickets können im Kanton Luzern weiterhin besteuert werden (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)
Kino- und Sporttickets können im Kanton Luzern weiterhin besteuert werden (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)

Nur wenige Gemeinden, etwa die Stadt Luzern, Emmen, Kriens oder Ebikon, erheben noch eine Billettsteuer. Mit den Einnahmen, die vor allem von grossen und kommerziell erfolgreichen Veranstaltungen kommen, subventionieren sie Kultur- und Sportangebote.

Für den in der Stadt Luzern wohnhaften Motionär Damian Hunkeler (FDP) ist die Lustbarkeitssteuer veraltet. Ihr Ursprung sei mittelalterlich, schrieb er in seinem Vorstoss. Damals seien beim Besuch einer Vergnüngsveranstaltung milde Gaben für Arme und Kranke entrichtet worden.

Patrick Hauser (FDP) sagte, die Kulturförderung solle über das ordentliche Budget finanziert werden. Heute müssten in der Stadt Luzern Veranstalter, die in einem überregionalen Wettbewerb stünden, zehn Prozent des Eintrittspreises an die Stadt abliefern. Dies sei ein Standortnachteil.

Claudia Huser (GLP) schätzte die Lage angesichts der grossen Zahl von Veranstaltungen in der Stadt anders ein. Sie bezeichnete die Billettsteuer ferner als liberale Steuer, weil sie eine Verbrauchssteuer sei.

Dem pflichtete Räto Camenisch (SVP) bei. Die Steuer sei zwar alt, sie sei aber kein alter Zopf. Für seine Wohngemeinde Kriens sei die Steuer wichtig, sagte Camenisch. Hans Lipp (CVP) sagte, es sei Sache der Gemeinden, die Steuer einzuführen, beizubehalten oder abzuschaffen. Hannes Koch (Grüne) sagte, es gebe keinen Grund, dass der Kantonsrat in die Gemeindeautonomie eingreife.

Jörg Meyer (SP) sagte, die Motionäre wollten die Mittel, die der öffentlichen Hand zur Verfügung stünden, abbauen. Dies wäre für die betroffenen Gemeinden fatal. Dass die Tickets durch das Wegfallen der Steuer billiger würden, glaubte Meyer nicht, dies weil ja dann auch die Kulturförderung durch die Gemeinde erschwert würde.

Markus Gehrig (CVP) sagte, die auswärtigen Kulturkonsumenten würden über die Billettsteuer die Zentrumslasten der Stadt mitfinanzieren. Daniel Gasser (CVP) sagte, wenn die FDP ein Problem mit der Billettsteuer in der Stadt Luzern habe, solle sie im Grossen Stadtrat vorstellig werden, aber nicht im Kantonsparlament.

Daniel Keller (SVP) bezeichnete die Billettsteuer als Honigtopf, an dem die Gemeinden aus Gewohnheit festhalten wollten. Maurus Zeier (FDP) sagte, die Billettsteuer sei absurd für subventionierte Betriebe wie das Verkehrshaus, das einen grossen Teil der kantonalen Zuwendung in Form der Steuer an die Stadt abliefere.

Die Regierung attestierte der Billettsteuer zwar eine gewisse Berechtigung. Dennoch war sie bereit, die Folgen einer Abschaffung zu prüfen und beantragte, die Motion in ein weniger verpflichtendes Postulat abzuschwächen. Unterstützt wurde sie mit diesem Mittelweg aber nur von der SVP.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Der eine Patzer, der Gisin den 1. Riesen-Sieg vermasselte
Sport

Der eine Patzer, der Gisin den 1. Riesen-Sieg vermasselte

Michelle Gisin verpasst ihren ersten Riesenslalom-Weltcupsieg nur um wenige Tore. Wegen eines grossen Patzers kurz vor dem Ziel fällt die zur Halbzeit führende Obwaldnerin in Kronplatz auf den 6. Rang zurück. Hinter Tessa Worley wird Lara Gut-Behrami Zweite.

Brexit: Fast die Hälfte der Lkw verlässt Grossbritannien ohne Ware
Wirtschaft

Brexit: Fast die Hälfte der Lkw verlässt Grossbritannien ohne Ware

Knapp einen Monat nach dem Brexit sind die Ausfuhren aus Grossbritannien in die EU noch immer äusserst niedrig. Wegen Zollgebühren und anderer Hürden geht bei den Exporteuren die Angst um.

SBB sistieren über 30 Immobilienprojekte
Schweiz

SBB sistieren über 30 Immobilienprojekte

Die SBB sistieren aus Spargründen in der Coronakrise über 30 Immobilienprojekte in der Schweiz. Diese würden auf Eis gelegt, bis die Finanzierung gesichert sei, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Die Kürzung beträgt für 2021 bis 2025 rund 700 Millionen Franken.

Urteil im Lübcke-Prozess in Deutschland erwartet
International

Urteil im Lübcke-Prozess in Deutschland erwartet

Es ist einer der meistbeachteten Mordprozesse der jüngeren deutschen Geschichte. An diesem Donnerstag soll vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt das Urteil fallen.