Kreuzlingen TG und Konstanz (D) setzen sich für offene Grenzen ein


News Redaktion
Schweiz / 03.06.20 06:07

Die Stadtpräsidenten von Kreuzlingen TG und Konstanz (D) haben sich gegen Grenzzäune in ihrer Region ausgesprochen. "Eigentlich sind Konstanz und Kreuzlingen eine Stadt", sagte der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt der "Neuen Zürcher Zeitung" vom Mittwoch.

Freude bei der lokalen Politikprominenz über den Wegfall des doppelten Grenzzaunes, der wegen der Coronavirus-Ausbreitung zwischen Kreuzlingen und Konstanz eingerichtet worden war. (FOTO: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)
Freude bei der lokalen Politikprominenz über den Wegfall des doppelten Grenzzaunes, der wegen der Coronavirus-Ausbreitung zwischen Kreuzlingen und Konstanz eingerichtet worden war. (FOTO: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)

Man hätte genauso gut zwischen zwei Stadtteilen von Zürich oder Stuttgart einen Zaun bauen können, führte er weiter aus. Den Entscheid dazu hätte aber das deutsche Innenministerium in Berlin und die deutsche Bundespolizei gefällt, erklärte er. Er sei immer gegen eine solche Massnahme gewesen.

Der Kreuzlinger Stadtpräsident Thomas Niederberger sagte, die Thurgauer Behörden hätten den Schweizer Zaun nur aufgebaut, um die Distanzregel gewährleisten zu können. Die Grenzwacht und die Polizei konnten die Menschenmengen, die sich am deutschen Zaun ansammelten, nicht mehr kontrollieren, betonte er. Der zweite Zaun sei die logische Konsequenz des ersten Zauns gewesen, ergänzte Burchardt. Da könne man niemanden einen Vorwurf machen, sagte er.

Nun setzen die Lokalpolitiker ihren Kampf gegen Grenzschliessungen fort. Wir haben neben einer raschen Öffnung auch Lockerungen für persönliche Beziehungen verlangt, betonte Niederberger. Man könne über die Grenze, muss dafür vorerst aber besondere Gründe haben. Das ist ein erster Schritt. Solche Lockerungen hätte es schon früher geben sollen, sagte er.

Burchardt betonte: Es war einfach, die Grenzen zu schliessen, doch die Kollateralschäden waren riesig. Zwar war es in einer ersten Phase richtig, lange Reisen und den Tourismus zu bremsen. Aber es war falsch, mitten durch unsere Städte einen Zaun zu bauen Zudem bezweifelte der deutsche Politiker, dass dies epidemiologisch viel bewirkt hat.

Auch Niederberger gibt sich überzeugt, dass es bei einer allfälligen zweiten Coronavirus-Infektionswelle oder bei der Ausbreitung eines anderen Virus nicht zur Wiederaufstellung eines Grenzzaunes kommen soll. Wir müssen die Probleme anders lösen, forderte er diesbezüglich.

Die grüne Grenze sollte offen bleiben, pflichtete Burchardt bei. Die Leute, die hier leben, könnten ihre Partner sehen oder Spaziergänge machen, wenn sie gewisse Regeln einhalten, sagte er. Und normalerweise habe es an der Grenze keine Menschenmassen, solange nicht noch mit einem Grenzzaun eine Attraktion geschaffen werde.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Russland will auch mit neuer Verfassung Völkerrecht achten
International

Russland will auch mit neuer Verfassung Völkerrecht achten

Russland will sich auch nach der umstrittenen Verfassungsänderung weiter an internationales Recht halten.

Österreichs Kanzler unzufrieden mit Tempo bei Testergebnissen
International

Österreichs Kanzler unzufrieden mit Tempo bei Testergebnissen

Angesichts einer zuletzt gestiegenen Zahl von Coronainfektionen dringt Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) auf schnellere Testergebnisse.

Luxusimmobilien-Markt bekommt Corona-Krise langsam zu spüren
Wirtschaft

Luxusimmobilien-Markt bekommt Corona-Krise langsam zu spüren

Die Corona-Krise wirkt sich je länger je mehr auch auf den Schweizer Immobilienmarkt aus. Vor allem Luxusliegenschaften sind davon betroffen. Ein klares Anzeichen dafür ist etwa die bereits deutlich gesunkene Anzahl an Transaktionen in diesem Segment.

180 Migranten harren auf der
International

180 Migranten harren auf der "Ocean Viking" im Mittelmeer aus

Auf dem privaten Rettungsschiff "Ocean Viking" warten 180 aus Seenot gerettete Migranten auf das Einlaufen in einen Hafen in Italien oder Malta.