Lehrpersonen sind mit psychisch belasteten Schülern überfordert


Roman Spirig
Schweiz / 25.11.21 12:19

Lehrpersonen sind oft die ersten, die erkennen, wenn ein Kind psychische Probleme hat. Solche Kinder gibt es viele, seit dem Ausbruch der Pandemie noch mehr. Eine Studie empfiehlt, Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit betroffenen Kindern besser zu schulen.

Lehrpersonen sind mit psychisch belasteten Schülern überfordert (Foto: KEYSTONE / ENNIO LEANZA)
Lehrpersonen sind mit psychisch belasteten Schülern überfordert (Foto: KEYSTONE / ENNIO LEANZA)

Bis zum Erreichen der Volljährigkeit ist fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen irgendwann mehr oder weniger direkt davon betroffen, sagte Co-Studienleiter Kurt Albermann, Chefarzt am Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) des Kantonsspitals Winterthur (KSW), gemäss einer Mitteilung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Im Zuge der Corona-Pandemie habe die Dringlichkeit für einen adäquaten Umgang mit den psychischen Belastungen noch zugenommen. Doch Lehrpersonen fühlen sich nicht immer in der Lage, psychische Belastungen richtig einzuschätzen und im Schulalltag adäquat damit umzugehen. So lautet das Fazit der Studie der ZHAW und des KSW.

Befragt wurden rund 570 Lehr- und Betreuungspersonen von Winterthurer Kindergärten, Primar- und Oberstufenschulen. Fast alle Teilnehmenden hatten in den zwölf Monaten vor der Befragung mindestens eine Schülerin oder einen Schüler mit einer psychischen Belastung betreut oder unterrichtet; durchschnittlich waren es 4,7.

Bloss ein gutes Drittel der Teilnehmenden stufte sich im Umgang mit belasteten Schülerinnen und Schülern als erfahren oder sehr erfahren ein. Ein knappes Viertel gab an, im Umgang mit dem Thema wenig oder gar nicht erfahren zu sein und 42 Prozent fühlten sich nur teilweise sicher.

Eine Mehrheit der Teilnehmenden fühlt sich bei ausgewählten Fragen zur psychischen Gesundheit der Schulstufe entsprechend zwar handlungskompetent. Es zeigen sich aber punktuelle Unsicherheiten, beispielsweise bei störungsspezifischen Thematiken wie Suizidalität, Spiel- oder Online-Sucht, sagte die ZHAW-Forscherin und Co-Studienleiterin Julia Dratva. Die Unterrichtenden seien sich auch nicht sicher, ob und wann sie eine Fachperson einschalten sollten.

Die Studienteilnehmer nutzen vor allem persönliche Kontakte, Internetseiten und Printmedien, um sich über psychische Belastungen, Störungen und Erkrankungen ihrer Schülerinnen und Schüler zu informieren. Bei der Befragung wünschten sie sich mehr Weiterbildungen sowie Unterstützung oder Empfehlungen von externen Fachpersonen.

Zur Stärkung der psychischen Gesundheitskompetenz des Schulpersonals empfiehlt die Studie, an den Schulen einen offenen Umgang mit dem Thema psychische Gesundheit zu pflegen und es in den Unterricht zu integrieren. Ausserdem soll das Angebot an Tools, Lehrmitteln und Infomaterialien ausgebaut sowie Unterstützung, Supervision und Qualitätssicherung für eigenmotivierte Aktivitäten bereitgestellt werden.

Mit der Studie wurden laut Verfasser erstmals in der Schweiz die psychische Gesundheitskompetenz von Lehr- und Betreuungspersonen sowie deren Wissen zu psychischer Gesundheit in Bezug auf Schülerinnen und Schüler erhoben.

https://bit.ly/3HQyoYf

(sda)


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