Lewis Hamilton steht im Scheinwerferlicht von Abu Dhabi


Roman Spirig
Sport / 01.12.19 18:04

Lewis Hamilton beendete seine sechste Weltmeister-Saison standesgemäss mit einem Sieg. Der Brite gewann im Mercedes zum fünften Mal den Grand Prix von Abu Dhabi. Das Podest komplettierten Max Verstappen im Red Bull und Charles Leclerc im Ferrari.

Lewis Hamilton steht im Scheinwerferlicht von Abu Dhabi (Foto: KEYSTONE / AP / Kamran Jebreili)
Lewis Hamilton steht im Scheinwerferlicht von Abu Dhabi (Foto: KEYSTONE / AP / Kamran Jebreili)

Hamilton demonstrierte im letzten Rennen des Jahres nochmals eindrücklich, warum er in der Formel 1 derzeit das Mass aller Dinge ist. Der aus der Pole-Position gestartete Engländer fuhr in seinem 250. Grand Prix in der Königsklasse einen souveränen Start-Ziel-Sieg ein. Es war bereits das elfte Mal in dieser Saison, dass Hamilton als Erster abgewunken wurde.

Seinen 6. WM-Titel verdiente sich der Mercedes-Superstar auch dank einer eindrücklichen Konstanz: Als einziger Fahrer schaffte er es in sämtlichen 21 Saisonrennen in die Punkteränge. Am Ende knackte Hamilton wie im Jahr zuvor die 400-Punkte-Marke. Seinen Teamkollegen Valtteri Bottas, der die Saison erstmals als WM-Zweiter beendete, distanzierte er um 87 WM-Punkte.

Ein Ende der Dominanz von Nimmersatt Hamilton und Mercedes ist nicht in Sicht. Bleibt er ähnlich konstant und schafft er es seine Fehlerquote weiter tief zu halten, könnte Hamilton 2020 mit Rekordweltmeister Michael Schumacher gleichziehen. Auch die Bestmarke von 91 GP-Siegen des Deutschen scheint in Reichweite. In Abu Dhabi stand Hamilton bereits zum 84. Mal in seiner Karriere zuoberst auf dem Podest.

Weniger erfreulich verlief die Saison für Ferrari. Für die vor Saisonbeginn bei den Testfahrten in Montmeló hochgelobte Scuderia war es ein Jahr der Enttäuschungen, Irrungen und Wirrungen. Statt den Roten den lang ersehnten 17. WM-Titel (zuletzt Kimi Räikkönen 2007) zu bescheren, manövrierte sich Sebastian Vettel mehrfach ins Abseits. Die Probleme mit dem Auto setzten dem vierfachen Weltmeister ebenso zu wie sein aufstrebender Teamkollege Charles Leclerc. Der 22-jährige Monegasse knüpfte bei Ferrari nahtlos an sein vielversprechendes Lehrjahr bei Sauber an und stellte Vettel öfters in den Senkel.

Mit sieben Pole-Positions war Leclerc 2019 sogar die Nummer 1 im Fahrerlager. Seine zweite Saison in der Königsklasse beendete der zweifache Saisonsieger als WM-Vierter, 24 Punkte vor Teamkollege Vettel und 14 Zähler hinter dem gleichaltrigen Max Verstappen. Der Niederländer, seit 2016 jüngster GP-Sieger der Geschichte, schaffte es in seiner dritten kompletten Saison im Red Bull erstmals auf das WM-Podest.

Bevor die Formel 1 2021 durch sportliche, technische und finanzielle Reformen in eine neue Ära aufbricht und dadurch die Karten womöglich neu gemischt werden, dürften sich im nächsten Jahr an den Kräfteverhältnissen kaum etwas ändern. Mercedes, Ferrari und Red Bull werden wohl weiterhin den Ton angeben. Für zusätzliche Spannung könnte eine spezielle Konstellation auf dem Fahrermarkt sorgen: 2020 laufen die Verträge vieler Topfahrer aus.

Eine an sich harmlose Aussage von Ferrari-Teamchef Mattia Binotto lieferte in Abu Dhabi einen Vorgeschmack, was uns in den kommenden Monaten erwarten könnte. Lewis Hamilton sei "ein aussergewöhnlicher, grossartiger Fahrer", hat der in Lausanne geborene Italiener gesagt, und dass es ihn "glücklich" mache, zu wissen, dass Hamilton für 2021 auf dem Markt ist.

Vorausgegangen war ein Bericht der "Gazzetta dello Sport", wonach sich Hamilton angeblich zweimal in diesem Jahr zu Gesprächen mit Fiat-Präsident John Elkann getroffen habe. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sieht dem Ganzen gelassen entgegen. Er habe "null Probleme" damit, sagte der Österreicher, der nie ein Geheimnis daraus gemacht hat, dass Hamilton mit ihm bereits offen darüber gesprochen hat, dass es der Traum eines jeden Rennfahrers ist, einmal für Ferrari zu fahren.

Hamilton selbst nahm den Flirt dankend an. Ferrari sei ein Team, das er in all den Jahren immer sehr geschätzt habe. "Den Respekt von jemandem zu gewinnen, der dort sehr hoch in der Hierarchie steht, ist etwas Positives", meinte der Brite und fügte dann lachend an: "Ich glaube, das ist das erste Kompliment, das ich in diesen 13 Jahren je von Ferrari gehört habe!" Es wird wohl nicht das letzte gewesen sein.

(sda)


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