Liechtensteiner Erbprinz sieht in aktuellen Krisen auch Chancen


News Redaktion
International / 15.08.22 13:45

Der Liechtensteiner Erbprinz Alois hat seine Landsleute am Staatsfeiertag dazu aufgerufen, die Chancen zu ergreifen, die in den aktuellen Krisen lägen. Handlungsbedarf ortete er insbesondere bei der Energieversorgung und beim ausgetrockneten Arbeitsmarkt.

Fürst Hans-Adam II., Erbprinzessin Sophie und Erbprinz Alois (von links) vor Schloss Vaduz am Liechtensteiner Staatsfeiertag, (FOTO: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)
Fürst Hans-Adam II., Erbprinzessin Sophie und Erbprinz Alois (von links) vor Schloss Vaduz am Liechtensteiner Staatsfeiertag, (FOTO: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)

Im Energiebereich solle das Fürstentum sich solidarisch mit den anderen Europäischen Staaten zeigen, erklärte Erbprinz Alois laut Redetext in der traditionellen Ansprache kurz vor Montagmittag auf der Schlosswiese in Vaduz. Das heisse, "zuallererst sämtliche sinnvollen Möglichkeiten zum Energiesparen" zu nutzen.

Zudem solle Liechtenstein den Anteil erneuerbarer Energien erhöhen. Das Land könne damit energetisch "sauberer" werden und gleichzeitig die Energiesicherheit steigern.

"Deshalb sollten wir zusätzliche erneuerbare Energiequellen wie Solarenergie, Fernwärme, Geothermie, Holzverbrennung und Biogas erschliessen", betonte er. Der Erbprinz führt seit 2004 als Stellvertreter von Fürst Hans-Adam II. die Regierungsgeschäfte des Kleinststaates.

Als weitere "grosse Herausforderung" bezeichnete der Thronfolger die Rekrutierung von Arbeitskräften. Das Fürstentum hat in etwa gleich viele Arbeitsplätze wie Einwohner. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmenden sind Grenzgängerinnen und Grenzgänger.

"Sinnstiftende Arbeit, flexible Arbeitszeiten sowie eine gute Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf" seien von zunehmender Bedeutung, um einerseits neue Arbeitskräfte zu rekrutieren und andererseits Arbeitskräfte zu halten, erklärte der Erbprinz.

Attraktivität von Standort und Unternehmen habe weiter auch mit Sicherheit zu tun. Eine zusätzliche Absicherung könne der "aktuell diskutierte Beitritt zum Internationalen Währungsfonds bringen".

Alois von und zu Liechtenstein thematisierte zudem die steigenden Preise bei "Nahrungsmitteln, Treibstoffen und weiteren wichtigen Produkten". Der Staat solle sich hier auf die Unterstützung von echten Härtefällen konzentrieren, meinte er.

Die Lenkungswirkung von Preisen sei im Normalfall staatlichen Lenkungsmassnahmen vorzuziehen. Das gelte auch für Bereiche wie Energiesparen und Investitionen in umweltfreundlichere Technologien.

"Staatliche Lenkungsmassnahmen enden vielfach in einer Planwirtschaft", warnte der Erbrinz. Liechtenstein solle zur Zielerreichung vor allem auf den stark ausgeprägten Unternehmergeist setzten und die grosse Innovationskraft.

Traditionell findet nach dem Staatsakt ein Volks-Apéro im grossen Rosengarten des fürstlichen Schlosses statt. Aufgrund von Umbauarbeiten im Schlossareal wurde der Apéro diesmal aber abgesagt.

Die Bevölkerung konnte die fürstliche Familie stattdessen auf der Schlosswiese persönlich treffen. Der Staatsfeiertag wurde am Nachmittag mit einem grosses Volksfest im Städtle von Vaduz fortgesetzt mit Musik auf fünf Plätzen.

Wegen der anhaltenden Trockenheit fiel auch das Feuerwerk aus. Für die traditionellen Höhenfeuer, die brennende Krone auf Tuass und den Fackelzug über den Fürstensteig wurden Alternativen ohne offene Flammen organisiert. Danach war das gemeinsame Singen der Landeshymne im Städtle vorgesehen, umrahmt vom festlich beleuchteten Schloss sowie dem Landtags- und dem Regierungsgebäude.

(sda)


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