Lira-Absturz schürt in Türkei Nachfrage nach iPhones


News Redaktion
Wirtschaft / 24.11.21 13:23

Durch den Absturz der Lira sind iPhones und andere Elektronikartikel bei den Türken zur Zeit heiss begehrt. So heiss, dass Apple den Verkauf einiger Produkte über seine türkische Website zeitweise gestoppt hat.

Die Konsumenten in der Türkei kaufen vermehrt iPhones, weil die Lira immer schwächer wird. Sie werden auch als Wertanlage gesehen. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/AP/Jenny Kane)
Die Konsumenten in der Türkei kaufen vermehrt iPhones, weil die Lira immer schwächer wird. Sie werden auch als Wertanlage gesehen. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/AP/Jenny Kane)

Derzeit nicht verfügbar, hiess es auf der Internetseite am Mittwoch, einen Tag nach dem rasanten Absturz der türkischen Währung auf ein neues Rekordtief. Seit Jahresanfang hat die Lira mehr als 40 Prozent an Wert verloren, alleine seit Beginn der vergangenen Woche beläuft sich das Minus auf fast ein Viertel.

Die Menschen strömen in unsere Läden, sagte ein Mitarbeiter eines Apple-Ladens in Istanbul. Sie sähen iPhones und andere Elektronikprodukte als ein Wertaufbewahrungsmittel und weniger als einen Gebrauchsgegenstand. Die Leute wissen, dass sie die Sachen ein Jahr später für mehr verkaufen können, als sie bezahlt haben. Ein Sprecher von Apple in der Türkei war zunächst nicht erreichbar für einen Kommentar.

Smartphones, Computer und Kosmetika oder andere importierte Waren kosten in der Türkei wegen des Lira-Absturzes derzeit deutlich weniger als etwa in den USA. Hinzu kommt eine Inflation von rund 20 Prozent. Viele Türken gehen davon aus, dass der Preisanstieg weitergeht.

Ein Dollar kostet derzeit mit rund 13 Lira so viel wie noch nie. Zuletzt verlor die türkische Währung 2018 so rasant an Wert - damals war eine schwere Wirtschaftskrise die Folge. Die Notenbank des Landes hatte den Leitzins vergangene Woche auf 15 Prozent abgesenkt, auch auf Druck des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der erklärter Gegner von Zinserhöhungen ist. Zentralbanken in anderen Ländern machen genau das Gegenteil: Um der steigenden Inflation Einhalt zu gebieten, erhöhen sie die Zinsen oder bereiten Zinsanhebungen vor.

Ökonomen in der Türkei kritisieren die Zinssenkungen massiv und bezeichnen sie als rücksichtslos. Unternehmen warnen vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch den Lira-Verfall. Wenn die Zentralbank nicht bald einschreitet, kann das Finanzsystem dem nicht mehr standhalten, warnte der frühere Chefvolkswirt der Notenbank, Hakan Kara, auf Twitter. Die Inflation könne bei den aktuellen Wechselkursen in den kommenden Monaten auf mehr als 30 Prozent steigen.

(sda)


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