Londoner Polizei unterzog hunderte Minderjährige Leibesvisitationen


News Redaktion
International / 08.08.22 02:05

Binnen zwei Jahren sind mehr als 600 Kinder und Jugendliche von Londoner Polizisten einer Leibesvisitation unterzogen worden. Mehr als 95 Prozent der betroffenen Minderjährigen waren männlich und 58 Prozent von ihnen hatten eine schwarze Hautfarbe.

Binnen zwei Jahren sind mehr als 600 Kinder und Jugendliche von Londoner Polizisten einer Leibesvisitation unterzogen worden. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/EPA/ANDY RAIN)
Binnen zwei Jahren sind mehr als 600 Kinder und Jugendliche von Londoner Polizisten einer Leibesvisitation unterzogen worden. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/EPA/ANDY RAIN)

Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht der englischen Kinderschutzbeauftragten Rachel de Souza hervor. De Souza zeigte sich "zutiefst schockiert" von den Zahlen.

De Souza hatte die Daten bei der Londoner Polizei eingefordert, nachdem der Fall einer 15-jährigen Schwarzen Schlagzeilen gemacht hatte, die fälschlich des Drogenbesitzes verdächtigt wurde und sich vor Polizeibeamtinnen entkleiden musste, obwohl diese wussten dass sie ihre Periode hatte.

Dem Bericht zufolge wurden zwischen 2018 und 2020 insgesamt 650 Minderjährige im Alter zwischen zehn und 17 Jahren einer Leibesvisitation unterzogen. In 23 Prozent der Fälle war kein unparteiischer Erwachsener anwesend.

De Souza äusserte sich "extrem beunruhigt" über den überproportional hohen Anteil schwarzer Betroffener. Offenbar gebe es zudem "systemische Probleme beim Kinderschutz" bei der Londoner Polizei. Die Zahlen auf diese "zudringliche und traumatisierende" Weise durchsuchter Minderjähriger seien zudem jedes Jahr stark gestiegen, kritisierte die Kinderschutzbeauftragte.

Die Londoner Polizei betonte in einer Reaktion auf den Bericht, es seien bereits Änderungen eingeführt worden um sicherzustellen, dass Minderjährige bei Leibesvisitationen "angemessen und respektvoll" behandelt würden.

Die Londoner Polizei war zuletzt von einer Serie von Skandalen um Rassismus, Sexismus und Frauenfeindlichkeit erschüttert worden. Polizeichefin Cressida Dick war daraufhin im Februar zurückgetreten.

(sda)


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