Luzerner Gebäudeversicherung erhöht Hagelschaden-prognose deutlich


Roman Spirig
Regional / 06.07.21 15:49

Die Unwetterschäden der vergangenen Tage im Kanton Luzern sind deutlich höher, als bislang angenommen. Die Gebäudeversicherung geht mittlerweile von über 12'000 Schadenfällen aus, die 150 bis 200 Millionen Franken kosten dürften.

Luzerner Gebäudeversicherung erhöht Hagelschaden-prognose deutlich (Foto: KEYSTONE /  / )
Luzerner Gebäudeversicherung erhöht Hagelschaden-prognose deutlich

Ausserordentlich heftig traf es den geographischen Streifen von Wolhusen, Ruswil, weiter Richtung Sempachersee, bis nach Neudorf und Römerswil, wie die Gebäudeversicherung Luzern (GVL) am Dienstag mitteilte. Sie spricht vom grössten Elementarereignis seit 16 Jahren.

In einer ersten Einschätzung war die Versicherung von einem Schaden von 60 Millionen Franken ausgegangen. Dass die Bilanz viel höher ausfalle, erkläre sich einerseits durch die vielen Schadenfälle. Andererseits sei der Zerstörungsgrad der Durchschnittsschäden ausserordentlich hoch.

Auch eine Woche nach dem Ereignis gehen bei der Versicherung noch täglich über hundert Schadensmeldungen ein, wie GVL-Direktor Dölf Käppeli auf Anfrage sagte. Die Schäden seien viel komplexer, die Hagelkörner hätten nicht nur Dächer, sondern auch Unterdächer zerstört, und Wasser habe Decken, Wände und Böden beschädigt, sagte er.

Einen wesentlichen Teil der Schadenssumme machen auch Photovoltaikanlagen aus. Laut Käppeli haben diese in der Regel einen Hagelwiderstand der Klasse 3, halten also Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu 3 Zentimetern aus. Beim jüngsten Unwetter schlugen 7-Zentimeter-Hagelkörner ein.

Bei vielen Gebäudeschäden seien teilweise aufwändige Abklärungen von Spezialisten und Experten der Gebäudeversicherung Luzern notwendig, um das genaue Schadenausmass abzuschätzen. Es werde Wochen oder gar Monate dauern, bis die genaue Schadenhöhe beziffert werden könne.

Teilweise sind die Gebäude vorläufig nicht mehr bewohnbar. In der Zwischenzeit konnten Notdächer erstellt werden, um weitere Schäden zu verhindern. Der Luzerner Regierungsrat Paul Winiker (SVP) besuchte eine Woche nach dem Ereignis besonders schwer betroffene Hausbesitzer und Landwirte in der Region Wolhusen. Er zeigte sich betroffen von den starken Verwüstungen.

Das Elementarereignis stellt die Gebäudeversicherung Luzern vor eine organisatorische Herausforderung. Man habe versucht, zu den 50 nebenamtlichen Schatzungsexperten weiteres Personal aus anderen Kanton zu rekrutieren, bislang allerdings erfolglos, weil diese teilweise ebenfalls betroffen seien.

Die Gebäudeversicherung Zug (GVZG) teilte am Dienstag mit, die provisorische Schadenbilanz nach den beiden Unwettern vom 21. und 28. Juni liege bei über 40 Millionen Franken. Man gehe von rund 4500 Schadenmeldungen aus. Man habe kurzfristig temporär sechs Personen zur Schadensbearbeitung engagiert.

Das Grossereignis sei ein gutes Beispiel für das volatile Versicherungsgeschäft, hält die Luzerner Gebäudeversicherung fest. Es zeige, dass sich eine langfristige Prämien- und Reservestrategie lohne. Sie verfüge finanziell über genügend Reserven.

Voraussichtlich höhere Gebäudeschäden richtete im Kanton Luzern das Hochwasser vom August 2005 an, mit 240 Millionen Franken die grösste Schadensumme in der Geschichte der GVL. Das waren drei Mal mehr als beim Jahrhundert-Hagel 1998 und vier Mal mehr als beim Sturm Lothar 1999.

(sda)


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