Luzerner Kantonsspital schreibt hohen Verlust und setzt auf Politik


News Redaktion
Regional / 28.04.21 14:00

Das Luzerner Kantonsspital hat die Coronapandemie 2020 finanziell zu spüren bekommen. Der Verlust verzehnfachte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 53,2 Millionen Franken. Die Spitalleitung setzt nun auf den Kanton.

Die Coronapandemie beeinflusste das Luzerner Kantonsspital nicht nur im Betrieb, sondern auch finanziell. (Archivaufnahme) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)
Die Coronapandemie beeinflusste das Luzerner Kantonsspital nicht nur im Betrieb, sondern auch finanziell. (Archivaufnahme) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Der Betriebsertrag nahm im Vergleich zu 2019 um 1,5 Prozent auf 933,3 Millionen Franken ab, der Betriebsaufwand stieg um 3,9 Prozent auf 931,2 Millionen Franken. Das Betriebsergebnis Ebitda fiel in der Folge um 96 Prozent auf 2,1 Millionen Franken. Dies sei ungenügend, sagte Spitaldirektor Benno Fuchs am Mittwoch vor den Medien.

Hohe Kosten entstanden 2020, weil das Spital seinen Betrieb wegen der Pandemie umorganisieren musste. Gleichzeitig mussten medizinische Leistungen aufgeschoben werden, um genügend Kapazitäten freizuhalten. Covid kostete uns 40 Millionen Franken, sagte Fuchs.

So sank die Zahl der stationären Patienten um fast 3000 auf noch 40526. Auch die ambulanten Behandlungen gingen zurück um über 10000 auf 646000.

Während kleinere und mittlere Spitäler in der Pandemie finanziell besser abgeschnitten hätten, habe das Luks hohe Stillhaltekosten hinnehmen müssen, etwa für das Kinderspital oder die Augenklinik. Kleinere Spitäler, die keine solchen Abteilungen betreiben, hätten auch die Auslastung schneller wieder hochfahren können.

Der Kanton entschädigt das Spital für coronabedingte Mehraufwendungen mit 8,4 Millionen Franken. Noch nicht eingerechnet ist eine weitere Entschädigung, die der Regierungsrat im Februar in Aussicht stellte. Damals war von einem coronabedingten Defizit des Spitals von 50 bis 100 Millionen Franken die Rede.

Dass der effektive Fehlbetrag nun am unteren Rand liege, sei der früheren Wiederaufnahme des Regelbetriebs geschuldet, sagte Fuchs. Hätte das Spital die Wahleingriffe länger aussetzen müssen, wäre der Betrag höher ausgefallen.

Zwar könnte das Luks den Verlust aus den eigenen Reserven stemmen, sagte Fuchs. Allerdings habe man dem Kanton in den letzten Jahren 100 Millionen Franken an Dividenden ausbezahlt, was kein anderes vergleichbares Spital gemacht habe. Nun könne dieser dem Spital finanziell zur Seite stehen.

Spitalratspräsident Ulrich Fricker sagte, er gehe davon aus, dass man einen wesentlichen Anteil des Fehlbetrages vom Kanton erhalte. Dies sei auch im Hinblick auf anstehende hohe Investitionen in Luzern, Wolhusen und Sursee wichtig, um diese zu besseren Konditionen finanzieren zu können.

Aus medizinischer Sicht war das Personal laut Christoph Henzen, Leiter Pandemiestab, stark gefordert. So hätten sich über 1000 Operationen angestaut, die es über den Sommer abzubauen galt. Insgesamt behandelte das Luks 1099 Covid-Patienten, von denen 115 starben.

Die Genesenen hätten eine überwältigende Dankbarkeit gezeigt, sagte Henzen. So etwas habe er in seiner 30-jährigen Berufstätigkeit noch nie erlebt. Profitiert habe man insbesondere vom 2019 eingeführten digitalen Kliniksystem Lukis. Dieses habe die nötigen Daten geliefert, sodass die Verantwortlichen ab der zweiten Welle mehr Boden unter den Füssen gehabt hätten und die Entwicklung antizipieren konnten.

Nach den Entscheiden der Politik befragt, sagte Henzen: Ohne den Lockdown in der ersten Welle wären wir brutal ins Messer gelaufen. Das wäre in Richtung Kriegszustand gegangen bei der Betreuung. Er persönlich hätte im Sommer nicht so stark geöffnet. Das hat uns die zweite Welle beschert.

Die Medizinerinnen und Mediziner hätten viel über das Virus gelernt. Die dritte Welle, in der man sich derzeit befinde, sei gut neben dem regulären Betrieb zu bewältigen. Denn waren in der zweiten Welle jeweils 120 bis 150 Personen hospitalisiert, seien es jetzt noch 40.

Allerdings seien nun mehr jüngere Patienten betroffen. Diese hätten oft einen schlimmeren Verlauf und müssten länger auf der Intensivstation bleiben.

(sda)


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