Luzerner Kriminalgericht bestraft Gewalttäter härter als beantragt


Roman Spirig
Regional / 28.04.21 12:00

Das Kriminalgericht Luzern hat einen 30-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und elf Monaten verurteilt, weil er 2018 seine Ex-Freundin bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und später vergewaltigt habe. Es bestrafte damit den Schweizer härter als von der Staatsanwaltschaft beantragt.

Luzerner Kriminalgericht bestraft Gewalttäter härter als beantragt (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)
Luzerner Kriminalgericht bestraft Gewalttäter härter als beantragt (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)

Die Staatsanwaltschaft hatte am Prozess vom 13. April eine sechsjährige Freiheitsstrafe gefordert, die Verteidigung plädierte für drei Jahre. Einig waren sich Staatsanwalt, Verteidiger und Richter, dass der Beschuldigte seine psychische Störung, namentlich seine mangelnde Impulskontrolle, in einer stationären Einrichtung therapieren müsse.

Das Gericht sprach den Mann der versuchten, eventualvorsätzlichen Tötung, der Vergewaltigung, der Freiheitsberaubung und der versuchten Nötigung schuldig. Das Verfahren wegen Tätlichkeiten wurde wegen Verjährung eingestellt. Der Verteidiger hatte argumentiert, sein Mandant habe sich nur der Gefährdung des Lebens und der Drohung schuldig gemacht.

Der Beschuldigte hatte sich 2018 von seiner Freundin und Mutter seiner Tochter getrennt, lebte aber noch in ihrer Wohnung in der Luzerner Agglomeration. Dort kam es, nachdem er Alkohol getrunken und mehrere Joints geraucht hatte, zum Streit.

Der Beschuldigte wollte Sex, wurde handgreiflich und würgte seine ehemalige Freundin, bis sie bewusstlos zusammenbrach. Später kam es im Bett zum Geschlechtsverkehr. Die Frau habe den Beischlaf über sich ergehen lassen, weil sich jede Abwehr als nutzlos erwiesen habe, hiess es in der Anklageschrift.

Am Prozess bestritt der Beschuldigte jede Tötungsabsicht. Er habe der Ex-Freundin nur den Mund zuhalten wollen. Zum Vorwurf der Vergewaltigung äusserte er sich nur unbestimmt. Er wisse nicht, ob sie es wollte, sagte er. In einer Beziehung sei es aber normal, sich gegenseitig einen Gefallen zu machen.

Der Verteidiger argumentierte, dass die Beziehung zwischen dem Mann und der Frau schwierig und speziell gewesen sei. Es habe zur Paarroutine gehört, sich nach einem Streit mit Sex zu versöhnen. Er sprach von erbärmlich schlechtem Sex, der aber keine Straftat gewesen sei.

Beim Gericht fand der Verteidiger mit dieser Argumentation offensichtlich kein Gehör. Die Überlegungen der Richter dazu und wieso sie über das vom Staatsanwalt beantragte Strafmass hinausgingen, sind noch nicht bekannt, weil die Urteilsbegründung noch nicht vorliegt. Das Urteil ist auch noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht verpflichtete den Beschuldigten zudem, seiner ehemaligen Freundin eine Genugtuung von 14000 Franken zu zahlen. Gefordert hatte sie 35000 Franken. Die Verfahrenskosten, die der Mann ferner zu tragen hat, belaufen sich auf knapp 57000 Franken.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Wollerau SZ stimmt für Ausbau des Sarenbachs
Regional

Wollerau SZ stimmt für Ausbau des Sarenbachs

Der Sarenbach in Wollerau SZ wird revitalisiert und hochwassertauglich getrimmt. Die Stimmberechtigten der Schwyzer Gemeinde haben am Sonntag dafür 2,5 Millionen Franken gesprochen.

Kreuzlingen: 34-Jähriger verunfallt mit Motorrad - kein Ausweis
Schweiz

Kreuzlingen: 34-Jähriger verunfallt mit Motorrad - kein Ausweis

Bei einem Selbstunfall mit einem Motorrad ist am Freitagabend in Kreuzlingen TG ein 34-Jähriger verletzt worden. Er hatte das Motorrad eines Bekannten entwendet und verfügte nicht über eine Fahrberechtigung.

Gegner des CO2-Gesetzes vorne - Noch kein definitiver Entscheid
Schweiz

Gegner des CO2-Gesetzes vorne - Noch kein definitiver Entscheid

Gemäss der vierten Hochrechnung von gfs.bern im Auftrag der SRG haben 51 Prozent der Schweizer Stimmbevölkerung das CO2-Gesetz abgelehnt. Der Fehlerbereich liegt bei plus/minus einem Prozentpunkt. Die Abstimmung ist laut Experten noch nicht entschieden.

Kolumbiens Ex-Präsident entschuldigt sich für Tötung von Zivilisten
International

Kolumbiens Ex-Präsident entschuldigt sich für Tötung von Zivilisten

Der ehemalige kolumbianische Staatschef Juan Manuel Santos hat um Entschuldigung für die Tötung von Tausenden Zivilisten während seiner Amtszeit als Verteidigungsminister gebeten. "Das hätte nie passieren dürfen, das erkenne ich an und ich bitte um Vergebung, aus tiefster Seele, bei allen Müttern und ihren Familien, die Opfer dieses Grauens wurden", sagte Santos vor der sogenannten Wahrheitskommission am Freitag (Ortszeit). Santos war von 2006 bis 2009 Verteidigungsminister, von 2010 bis 2018 Präsident.