Wettbewerb für neues Luzerner Theater: Nun sind Architekten gefragt


Roman Spirig
Regional / 02.07.21 12:22

Trotz Bedenken des Denkmalschutzes macht der Luzerner Stadtrat vorwärts mit dem Bauprojekt eines neuen Luzerner Theaters am heutigen Standort. Er will im Herbst einen Architekturwettbewerb ausloben und beantragt dafür einen Sonderkredit von 2,45 Millionen Franken. Das Interesse bei Architektinnen und Architekten scheint gross.

Das Luzerner Theater an der Reuss soll einem Neubau weichen - die Stadtregierung lanciert dafür einen Architekturwettbewerb. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)
Das Luzerner Theater an der Reuss soll einem Neubau weichen - die Stadtregierung lanciert dafür einen Architekturwettbewerb. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Luzern solle am einzigen möglichen Standort, dem Theaterplatz, endlich ein angemessenes Theaterhaus erhalten, sagte Birgit Aufterbeck Sieber, Präsidentin der Stiftung Luzerner Theater am Freitag vor den Medien. Sie ermutige die Architektinnen und Architekten, frei und gross zu denken. Gefragt sei ein wirklich grosser Wurf des 21. Jahrhunderts.

Der heutige Theaterbau an der Reuss aus dem Jahre 1925 ist sanierungsbedürftig und zu klein für einen modernen und wirtschaftlichen Theaterbetrieb. Mit einem Neubau für 120 Millionen Franken bis Ende 2028 sollen diese Mängel behoben werden.

Diesen allerdings lehnten die Eidgenössischen Kommissionen für Denkmalpflege sowie Natur- und Heimatschutz im vergangenen September ab. Der heutige Theaterbau habe für das Ortsbild eine grosse Bedeutung. Ein Erhalt als Denkmal sei zwingend.

Im Dezember schlug eine Gruppe von Privatpersonen einen alternativen Standort beim Kurplatz am Luzerner Quai vor. Auch dies sei keine Option, da sich hier vergleichbare Fragen bezüglich Ortsbildschutz stellen würden, hält der Stadtrat in seiner Botschaft ans Parlament fest.

Das Prozessrisiko mit dem gewählten Vorgehen bestehe, sagte der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli (SP). Es führe aber kein Weg an einem Projektwettbewerb vorbei. Mit einem konkreten Projekt, so die Hoffnung, solle die nötige Überzeugungsarbeit leichter sein.

Den Planern mache man bewusst keine Vorgaben bezüglich Gebäudehöhe oder Abstand zur Jesuitenkirche. Die Frage des Ortsbildschutzes werde im Rahmen der Jurierung eine Rolle spielen.

Geplant ist ein zweistufiger, anonymer Projektwettbewerb. Man rechne mit rund 80 Projekteingaben. Es sei bereits ein grosses Interesse signalisiert worden, so hätten sich etwa Fachpersonen nicht für die Jury zur Verfügung gestellt, weil sie selber am Wettbewerb teilnehmen wollten.

In der zweiten Stufe des Wettbewerbs mit noch rund einem Dutzend Projekten soll eine öffentliche Jurierung durchgeführt werden. Die Öffentlichkeit kann zwar nicht direkt mitbestimmen, aber die Entscheidungsfindung der Jury mitverfolgen. Das Siegerprojekt soll Anfang 2023 präsentiert werden.

Das neue Gebäude muss einen Dreispartenbetrieb in drei Sälen ermöglichen. Der grösste Raum für 600 Personen mit Orchestergraben und einer hervorragenden Akustik soll den Fortbestand der Oper in der Zentralschweiz sichern, sagte Aufterbeck Sieber.

Ein zweiter Saal für 300 Personen soll sich durch besondere Nähe zwischen Bühne und Publikum auszeichnen und ein dritter Raum mit 150 Plätzen dient etwa für Vermittlungsprojekte.

Das Theater soll künftig ein Ganzjahresprogramm bieten. Auch ein öffentliches Restaurant ist Bestandteil als Treffpunkt ohne Ticket. Büroarbeitsplätze und die Kostümabteilung sollen dagegen ausgelagert werden, damit habe man das Raumvolumen am Theaterplatz reduziert.

Vom Bruttokredit für den Wettbewerb über 2,4 Millionen Franken muss die Stadt 1,4 Millionen übernehmen. Eine Stiftung hat einen Beitrag von 1 Million Franken gesprochen. Dafür sei man dankbar, sagte Züsli, auch angesichts des Risikos für das Projekt zum jetzigen Zeitpunkt.

Der Luzerner Kulturdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos) sprach von einem Aufbruch in eine neue Theater-Ära. Der Kanton wolle künftig seinen Anteil an die Betriebskosten erhöhen.

(sda)


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