Luzerner Taxifahrer erstochen: Täter soll zehn Jahre ins Gefängnis


News Redaktion
Regional / 06.01.23 23:59

Der Mann, der 2020 in Luzern einen Taxichauffeur überfallen und erstochen hat, hat sich der vorsätzlichen Tötung schuldig gemacht. Das Kriminalgericht Luzern hat den 31-jährigen Schweizer für dieses und weitere Delikte zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt.

Das Kriminalgericht hat die Taten der drei Beschuldigten gleich qualifiziert wie die Staatsanwaltschaft. (Archivaufnahme) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)
Das Kriminalgericht hat die Taten der drei Beschuldigten gleich qualifiziert wie die Staatsanwaltschaft. (Archivaufnahme) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Auch die Staatsanwaltschaft hatte die Tötung als vorsätzlich eingestuft, dies weil der damals drogensüchtige Beschuldigte 16 Mal auf den Taxifahrer einstach. Sie plädierte indes für eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren.

Der Verteidiger dagegen erklärte am Prozess, sein Mandant habe den Tod des Chauffeurs nicht gewollt, sondern nur in Kauf genommen. Der Raub habe sich zur schweren Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem ihm körperlich überlegenen Taxifahrer entwickelt, dann sei es zu unkontrollierten Messerstichen gekommen. Er sei deswegen nur mit 8 Jahren Gefängnis zu bestrafen.

Für den Raubüberfall mit tödlichem Ausgang sprach das Kriminalgericht den Beschuldigten, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, neben der vorsätzlichen Tötung auch des Raubes, der mehrfachen Geldwäscherei und Drogendelikten schuldig. Es verurteilte ihn ferner wegen einer anderen Tat auch des versuchten Diebstahls.

Der Beschuldigte befindet sich seit der Tat im März 2020 im Gefängnis. Er zeigte sich am Prozess reuig und geläutert. Die Tat habe ihn dazu gebracht, Schluss mit den Drogen zu machen, sagte er am Prozess.

Mit dem 31-Jährigen mussten sich vor dem Kriminalgericht zwei weitere Männer verantworten, weil sie an der Tat beteiligt gewesen sein sollen. Die drei Richterinnen verurteilten den einen wegen Mittäterschaft zu zwei Jahre Gefängnis bedingt, den anderen wegen Gehilfenschaft zu einem halben Jahr bedingt.

Dem mutmasslichen Mittäter wurde vorgeworfen, dass er die Idee für den Überfall auf einen Taxifahrer hatte und dem Haupttäter dazu das Messer und die Tatanweisung gab. Er bestritt dies vor Gericht, konnte damit die Richterinnen aber offensichtlich nicht überzeugen.

Einzig mit der bedingten Strafe wich das Gericht vom Antrag des Staatsanwalts ab. Dieser hatte wegen einer schlechten Prognose eine unbedingte Freiheitsstrafe gefordert. Der Beschuldigte hatte am Prozess erklärt, er werde im Februar 2023 eine stationäre Suchttherapie antreten.

Beim dritten Beschuldigten reduzierte das Kriminalgericht gegenüber dem Antrag des Staatsanwalts die Strafe um 2 Monate. Auch hier schenkte das Kriminalgericht aber den Aussagen des Beschuldigten, nichts vom geplanten Überfall gewusst zu haben, offensichtlich keinen Glauben. Es ging, wie die Staatsanwaltschaft davon aus, dass er vorsätzlich Hilfe zum Raub geleistet habe. Es sprach ihn aber vom Vorwurf der geringfügigen Hehlerei frei.

Die drei Heroin- und Kokainkonsumenten hatten während des coronabedingten Lockdowns, Mühe, an Geld und Drogen zu kommen. In der Darstellung der Staatsanwaltschaft entschieden sie sich schliesslich in der Nacht, einen Taxifahrer auszurauben. Der Hauptbeschuldigte stellte sich für die Tat zur Verfügung und soll vom Mittäter ein Messer erhalten haben, um dem Chauffeur zu drohen.

Der Taxichauffeur wehrte sich aber. Darauf geriet der Hauptbeschuldigte nach eigenen Angaben in Panik und stach mit dem Messer zu. Schliesslich konnte er mit 400 Franken entkommen. Der Taxifahrer, ein 51-jähriger Russe, starb am Tatort in der Nähe der Jugendherberge in der Stadt Luzern. Er hinterliess eine Frau und vier Kinder.

Das Urteil liegt erst im Dispositiv vor. Es ist noch nicht rechtskräftig.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Viktorija Golubic mit frühem Out
Sport

Viktorija Golubic mit frühem Out

Viktorija Golubic scheidet am WTA-250-Hallenturnier in Lyon in der 1. Runde aus. Die Zürcherin unterliegt der als Nummer 7 gesetzten Montenegrinerin Danka Kovinic (WTA 67) 1:6, 4:6.

Kreml dementiert Putins Raketendrohung gegenüber Boris Johnson
International

Kreml dementiert Putins Raketendrohung gegenüber Boris Johnson

Der Kreml hat angebliche Drohungen von Präsident Wladimir Putin gegenüber dem ehemaligen britischen Premier Boris Johnson dementiert. "Das, was Herr Johnson gesagt hat, ist nicht wahr. Genauer gesagt, ist es eine Lüge", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Stojilkovic wechselt von Sion zu Darmstadt
Sport

Stojilkovic wechselt von Sion zu Darmstadt

Der stark umworbene Angreifer Filip Stojilkovic verlässt den FC Sion. Der frühere Schweizer Junioren-Internationale wechselt zum FC Darmstadt 98 in die 2. Bundesliga.

Lena Dürr stoppt Mikaela Shiffrins Rekordjagd
Sport

Lena Dürr stoppt Mikaela Shiffrins Rekordjagd

Lena Dürr gewinnt zum ersten Mal einen Weltcup-Slalom. Die Deutsche siegt in Spindleruv Mlyn in Tschechien und stoppt vorerst die Rekordjagd der Amerikanerin Mikaela Shiffrin.