Macron mit deutlichem Appell an Trump bei D-Day-Gedenken


Roman Spirig
International / 06.06.19 14:42

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat beim Gedenken an den D-Day US-Präsident Donald Trump an seine historische Verantwortung erinnert. "Amerika, lieber Präsident Trump, ist immer dann am grössten, wenn es für die Freiheit der anderen gekämpft hat", sagte der 41-Jährige heute.

Macron mit deutlichem Appell an Trump bei D-Day-Gedenken (Foto: KEYSTONE / EPA / IAN LANGSDON / POOL)
Macron mit deutlichem Appell an Trump bei D-Day-Gedenken (Foto: KEYSTONE / EPA / IAN LANGSDON / POOL)

An der Zeremonie nahm auch Trump teil. "Wir dürfen niemals aufhören, das Bündnis der freien Völker mit Leben zu erfüllen", so Macron weiter.

Macrons Verhältnis zu Trump gilt als kühl - auch weil der unberechenbare US-Präsident sein Land aus internationalen Abkommen zurückzog. An der Zeremonie in der Normandie nahmen rund 12'000 Besucher teil, mehr als 160 US-Veteranen waren auf der Tribüne vertreten.

Für sie gab es mehrfach Applaus - Trump und Macron bedankten sich bei ihnen für ihren Einsatz für die Freiheit. Auf dem Friedhof in Colleville gibt es 9380 amerikanische Soldatengräber.

Die Soldaten der Alliierten waren vor genau 75 Jahren an den Stränden der Normandie gelandet. Der sogenannte D-Day markiert den Auftakt der Befreiung Europas vom nationalsozialistischen Deutschland vom Westen her und den Beginn des Siegeszugs einer demokratischen Bewegung in aller Welt. Er steht aber auch für ein unmenschliches Blutvergiessen, Zehntausende Tote und Verwundete.

Trump würdigte die Landung der alliierten Truppen in der Normandie als heldenhaften Einsatz für die Freiheit. Zehntausende Männer hätten an der französischen Küste ihr Blut vergossen. "Tausende haben ihr Leben geopfert - für ihre Brüder, für ihre Länder und für das Überleben der Freiheit", sagte er.

Die Soldaten damals hätten nicht nur eine Schlacht oder einen Krieg gewonnen, sondern das Überleben der Zivilisation gesichert. "Sie haben unsere Lebensweise für viele Jahrhunderte verteidigt."

Trump und Macron wurden von ihren Ehefrauen Melania und Brigitte begleitet. Die beiden Paare schauten sich im Anschluss an die Zeremonie gemeinsam einen Kunstflug der Patrouille de France auf dem Friedhof in unmittelbarer Nähe des US-Landebereiches Omaha Beach an.

Die Kunstflieger zeichneten eine Trikolore in den Himmel. Melania trug während der gesamten Veranstaltung eine grosse schwarze Sonnenbrille.

Macron beschwor in seiner Rede auch die Verbundenheit Frankreichs mit den USA. "Es lebe die Freundschaft zwischen unseren beiden Nationen", sagte er. Er erinnerte in einer emotionalen Rede an die Opfer Zehntausender Soldaten, die am 6. Juni 1944 in der Normandie an Land gegangenen waren.

"Wir wissen, was wir euch Veteranen zu verdanken haben", sagte er auf Englisch. "Im Namen meiner Nation möchte ich Danke sagen." Er zeichnete fünf US-Veteranen mit dem Orden der Ehrenlegion aus.

Trump legte Macron nach dessen Rede die Hand auf die Schulter - Macron tat es ihm gleich. An die Adresse der Nationen, die damals zusammen gegen die Nationalsozialisten kämpften, sagte Trump, das gemeinsame Bündnis sei in der Hitze des Kampfes geschmiedet, im Krieg geprüft worden und habe sich in den Segnungen des Friedens bewiesen. "Unser Bündnis ist unzerbrechlich."

Am Morgen hatte Macron bereits mit der scheidenden britischen Premierministerin Theresa May den Grundstein für eine britische Gedenkstätte in der Normandie gelegt. Gemeinsam legten die beiden einen Kranz nieder und zeigten sich sichtlich gerührt bei der Gedenkzeremonie in Ver-sur-Mer.

Es sei unglaublich bewegend, an diesem Ort zu sein, sagte May. Sie besuchte anschliessend mit dem britischen Thronfolger Prinz Charles und dessen Gattin Camilla einen Gottesdienst in der Stadt Bayeux.

May hatte am Mittwoch ebenso wie Trump, Macron und und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel auch am grossen D-Day-Tag in der südenglischen Hafenstadt Portsmouth teilgenommen. Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung auf dem US-amerikanischen Militärfriedhof in der Normandie stand noch ein bilaterales Treffen zwischen Trump und Macron auf der Agenda.

(sda)


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