Marcel Hirschers erwarteter Abgang


Roman Spirig
Sport / 04.09.19 21:06

Einer der Allergrössten der alpinen Ski-Geschichte mag nicht mehr. Der Österreicher Marcel Hirscher tritt wie erwartet zurück.

Marcel Hirschers erwarteter Abgang (Foto: KEYSTONE / AP / Kerstin Joensson)
Marcel Hirschers erwarteter Abgang (Foto: KEYSTONE / AP / Kerstin Joensson)

Die ganz grosse Überraschung war es nicht mehr, als Marcel Hirscher seinen Rücktritt am Mittwochabend offiziell machte. Da nützte auch das vereinbarte Stillschweigen seines gesamten Umfeldes nichts. Seit einer Woche war davon auszugehen gewesen, dass der im März 30-jährig gewordene Salzburger seinen Abgang von den Rennpisten verkünden würde.

Ein Auftritt zur besten Sendezeit, im staatlichen Fernsehen als Live-Veranstaltung angekündigt, mit der "Lounge 5", einem angesagten Lokal in dem aus stillgelegten Fabrikhallen neu gestalteten "Gusswerk" in Salzburg, ein nicht alltäglicher Rahmen - die grosse Bühne war untrügliches Zeichen dafür, dass Hirscher "ganz Wichtiges" zu berichten hatte.

"Ich machs kurz und schmerzlos", sagte Hirscher bei seinem vorerst letzten Auftritt auf grosser Bühne. "Es ist ja keine Überraschung mehr. Heute ist der Tag, an dem ich meinen Aktiv-Karriere beenden werde." Es gebe viele Gründe für diesen Entscheid, die ein grosses Ganzes ergeben. Er sprach die Motivation an, mit der es ab und zu nicht mehr zum Besten gestanden habe. "Zudem habe ich gemerkt, dass der Sommer fast zu kurz war, um zu regenerieren."

Den Zeitpunkt erachtet Hirscher als ideal. "Es war mir wichtig, den richtigen Moment für den Rücktritt zu erwischen. Ich wollte immer als gesunder Athlet abtreten. Das ist mir gelungen. Ich möchte mit meinem Sohn Fussball spielen, ich will Motocross fahren und auf den Berg gehen ohne Beschwerden. Das alles kann ich tun. Und darüber bin ich froh."

Nichts Konkretes hatte Hirscher in Bezug auf seine Zukunft zu berichten. "Es warten verschiedene Projekt. Noch ist aber nichts konkret. Deshalb will und kann ich darüber nicht sprechen." Wichtig sei ihm in der Zeit nach seiner Karriere vor allem, "dass ich jetzt Sachen machen kann, die wegen des Sports zu kurz gekommen sind."

Mit Hirscher verabschiedet sich ein Athlet, der den alpinen Rennsport in der vergangenen Dekade geprägt hat wie kein anderer. Die Zahlen in seinem Palmares sind beeindruckend. Im Weltcup siegte er 67 Mal, insgesamt stand er 138 Mal auf dem Podium. Achtmal in Folge gewann er die Gesamt-Wertung, je sechs Mal die kleine Kugel für den Sieg im Riesenslalom- und im Slalom-Klassement. Sieben Mal wurde er Weltmeister, vor anderthalb Jahren beseitigte er mit den Olympiasiegen in der Kombination und im Riesenslalom das letzte Manko in seiner grossartigen Bilanz.

Hirscher hatte schon oft mit dem Rücktritt kokettiert. Mehrfach hatte er am Saisonende betont, wie sehr ihn sein Beruf auslauge, wie sehr er physisch und mental an seine Grenzen stosse. In jenen Momenten sprach er von der immensen Erwartungshaltung im eigenen Land, aber auch vom Druck, den er sich selber auferlege. Trotzdem sah er damals die Zeit zum Abgang noch nicht gekommen, noch hatte er seine Mission als nicht abgeschlossen gesehen. Noch waren sein Drang nach Erfolg und die Freude am Skirennsport zu gross gewesen.

Seit Mittwoch ist dem nicht mehr so. Der Skirennfahrer Marcel Hirscher ist Vergangenheit.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Im Rückwärtsgang auf A2: Autotransporter wollen Kontrolle entkommen
Regional

Im Rückwärtsgang auf A2: Autotransporter wollen Kontrolle entkommen

Drei Autotransporter sind am Samstag im Rückwärtsgang rund 300 Meter über die Gotthard-Autobahn gefahren. Die Polizei fand kurze Zeit später heraus, weshalb: Sie wollten einer Kontrolle entkommen, da ihre Fahrzeuge technische Mängel aufwiesen.

Todesfall in Trampolinhalle laut Betreiber
Schweiz

Todesfall in Trampolinhalle laut Betreiber "tragisches Unglück"

Beim tödlichen Unfall in einer Trampolinhalle in Belp BE handelt es sich aus Sicht der Betreiber um ein "tragisches Unglück". Eine Analyse der Abläufe zeige, dass niemandem ein Fehlverhalten vorzuwerfen sei.

Zweisprachige Kinder gestikulieren anders
Schweiz

Zweisprachige Kinder gestikulieren anders

Zweisprachige Kinder stellen sich mehr auf ihre Gesprächspartner ein als einsprachige. Das schlägt sich auch in ihrer Gestik nieder, wie Forschende der Uni Zürich belegen. Dadurch kommunizieren sie erfolgreicher.

Obwaldner Regierung will Oberstufen-Lektionen nicht umverteilen
Regional

Obwaldner Regierung will Oberstufen-Lektionen nicht umverteilen

An der Anzahl Lektionen in der Obwaldner Orientierungsstufe soll sich vorerst nichts ändern. Der Regierungsrat empfiehlt eine Motion zur Ablehnung, die mit einer Umverteilung die jüngeren Schülerinnen und Schüler entlasten will.