Medienpräsenz entspricht laut Analyse weitgehend den Wähleranteilen


Roman Spirig
Schweiz / 09.10.19 09:45

Die SVP hat auch 2019 im Vorfeld der Wahlen die grösste Medienpräsenz der im Parlament sitzenden Parteien für sich beansprucht. Insgesamt entspricht die Häufigkeit der Berichterstattung über die Parteien hinweg etwa deren Wähleranteilen

Bundesrat Guy Parmelin, links, und Felix Mueri, SVP-LU, rechts, sprechen an der Herbstsession der Eidgenoessischen Räte(Foto: KEYSTONE / ANTHONY ANEX)
Bundesrat Guy Parmelin, links, und Felix Mueri, SVP-LU, rechts, sprechen an der Herbstsession der Eidgenoessischen Räte(Foto: KEYSTONE / ANTHONY ANEX)

Die Medienpräsenz sei die wichtigste Währung im Kampf um Aufmerksamkeit im Vorfeld eidgenössischer Wahlen, heisst es in der am Mittwoch von Année Politique Suisse (APS) der Universität Bern veröffentlichten Analyse. Einbezogen wurden die 33 auflagestärksten Schweizer Tages- und Wochenzeitungen.

Nicht selten würden sich Parteiexponentinnen und -exponenten über zu spärliche oder gar tendenziöse Berichterstattung beschweren. Doch zumindest was die Medienpräsenz angehe, seien diese Vorwürfe ungerechtfertigt.

Die Resultate der Analyse verdeutlichten, dass der Anteil Artikel über Parteien in den untersuchten Printmedien in den zwölf Wochen vor den eidgenössischen Wahlen erstaunlich genau dem Wähleranteil der einzelnen Parteien entspreche. So seien bisher am meisten Artikel über die SVP verfasst worden. Ihre Medienpräsenz sei zwar nicht mehr so dominant wie noch vor den Wahlen vor vier Jahren, als sie doppelt so viele Zeitungsberichte aufgewiesen habe wie die SP.

Parteien würden aber auch Medienereignisse schaffen, zur Not auch mit Hilfe von Provokationen. Dies scheine insbesondere der SVP gelungen zu sein. Bei der Betrachtung des wöchentlichen Verlaufs der Parteienberichterstattung stach laut APS ein klarer Ausreisser sofort ins Auge: Als die SVP Mitte August ihr Wahlplakat mit dem wurmstichigen Apfel veröffentlichte, habe dies ein grosses mediales Echo ausgelöst.

Mit ihrer bewussten Provokation sei es der SVP also gelungen, die angestrebte mediale Aufmerksamkeit zu generieren. Verstärkt worden sei der Effekt durch die parteiinterne Kritik am Plakat.

Die anderen Parteien verursachten keine so grossen Medienereignisse wie die SVP, schreibt APS weiter. Die Kontroverse um die Onlinekampagne der CVP, bei der die Partei auf einer neutral anmutenden Webseite negativ über Positionen von Kandidierenden anderer Parteien berichtete, habe ihr nur ungefähr halb so viele Zeitungsartikel eingebracht wie das SVP-Plakat.

In der untersuchten Zeitspanne am zweitmeisten Aufmerksamkeit in den Printmedien habe die Klage der FDP gegen das Plakat des Egerkinger Komitees erzielt. Auf dem Plakat wurden FDP-Mitglieder beschuldigt, Islamisten in der Schweiz geschützt zu haben. Parteipräsidentin Petra Gössi reagierte darauf mit einer Klage gegen das Komitee.

Die SP habe einzig durch die Wahl von Ronja Jansen zur neuen Präsidentin der Jungsozialisten einige Wellen zu schlagen vermocht. Die Grüne Partei und die Grünliberale Partei wiederum hätten das aktuell heisseste Wahlkampfthema, die Klimapolitik, nicht in zusätzliche Zeitungsartikel ummünzen können.

(sda)


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