Medwedew im Final gegen Nadal: "Ich liebe die USA!"


Roman Spirig
International / 07.09.19 07:36

Es ist nicht der Traumfinal Federer vs. Nadal, aber der Kampf zwischen Daniil Medwedew und Rafael Nadal um den US-Open-Titel verspricht beste Unterhaltung.

Medwedew im Final gegen Nadal: Ich liebe die USA! (Foto: KEYSTONE / AP / Adam Hunger)
Medwedew im Final gegen Nadal: Ich liebe die USA! (Foto: KEYSTONE / AP / Adam Hunger)

Zwei der grossen Themen in diesem Sommer: Daniil Medwedew schafft den Durchbruch und eilt von Sieg zu Sieg. Und der Russe macht sich mit seinem Verhalten zum grossen Feindbild der New Yorker Tennisfans. Letzteres ist daran, sich drastisch zu ändern. "Ich liebe die USA", sagte er nach seinem 7:6, 6:4, 6:3-Sieg gegen den Federer-Bezwinger Grigor Dimitrov und dem erstmaligen Finaleinzug an einem Grand-Slam-Turnier lachend.

Er hat allen Grund dazu. Seit Wimbledon hat er 20 von 22 Matches gewonnen mit Finals in Washington, Montreal, seinem ersten Masters-1000-Turniersieg in Cincinnati und nun dem vierten Final in Folge. "Vor meiner Reise nach Amerika hätte ich nicht gedacht, dass es so gut würde." Der Lohn ist der Sprung auf Platz 5 der Weltrangliste, am kommenden Montag sogar Position 4.

Und vor dem Start des US Open hätte er sich nicht vorstellen können, was alles passieren wird. "Krämpfe in der 2. Runde, der Streit mit dem Publikum in der 3. und 4. Runde, der mein Fehler war, dann mit Stan (Wawrinka) ein dreifacher Grand-Slam-Champion im Viertelfinal", zählte Medwedew auf. "Wenn mir das jemand vorher gesagt hätte, wäre ich wohl gar nicht angetreten."

Das wäre allerdings ein Fehler gewesen und ein grosser Verlust für die Tenniswelt. Denn was der 23-Jährige aus Moskau in diesen Tagen und Wochen zeigt, ist ganz grosser Sport. Mit seinem unorthodoxen Stil entzaubert er praktisch jeden Gegner. Medwedew ist in der Defensive überragend, aber er kann scheinbar in jedem Moment seine Taktik ändern und in die Offensive gehen. Dazu verfügt er mit seinen 1,98 m über einen hervorragenden Aufschlag. Ob das auch im Final gegen Rafael Nadal reicht, wird sich zeigen.

Im Halbfinal brauchte der Spanier gegen den zunehmend müder werdenden italienischen Marathon-Man Matteo Berrettini (ATP 25) eineinhalb Sätze Anlaufzeit, um sich abzusetzen und am Ende nach 2:34 Stunden 7:6, 6:4, 6:1 zu gewinnen. Nadal ist am Sonntagabend mit Sicherheit der klare Favorit. Zum einen war Medwedew vor einem Monat im Final in Montreal chancenlos, zum andern steht dieser erstmals in einem Grand-Slam-Final, während Nadal in seinem 27. Final den 19. Titel anstrebt und damit erstmals nur noch einen hinter Rekordsieger Roger Federer liegen würde. Und schliesslich stand der Russe in den letzten zwei Wochen fast drei Stunden länger auf dem Platz als die Nummer 2 der Welt. Dennoch erwartet Nadal der härteste Test des Turniers.

Medwedew ist in diesen Sommer in ganz andere Sphären vorgestossen. Er ist der erste Russe in einem Grand-Slam-Final seit Marat Safin das Australian Open 2005 gewann. Safin war auch der bisher einzige russische US-Open-Finalist, als er 2000 gegen Pete Sampras triumphierte. Medwedew hat gemerkt, dass es besser ist, die Fans hinter sich als gegen sich zu haben. Er gibt als einer der wenigen Topsportler offen zu, dass er regelmässig Medienberichte über sich verfolgt. "Ich mag es, über mich zu lesen, um zu lernen wie ich eine bessere Person sein kann." Medwedew ist ein sehr schneller Lerner! Ob auf dem Tennisplatz schnell genug, wird sich am Sonntag zeigen.

(sda)


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