MEM-Industrie erleidet Einbruch wegen Corona und hofft auf Erholung


News Redaktion
Wirtschaft / 24.02.21 13:01

Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) hat im vergangenen Jahr wegen der Coronapandemie einen Einbruch erlitten, der die ganzen Fortschritte der letzten 15 Jahre vernichtet hat.

Schweizer MEM-Industrie erleidet Einbruch wegen Corona und hofft auf Erholung. (Archiv) (FOTO: KEYSTONE/GAETAN BALLY)
Schweizer MEM-Industrie erleidet Einbruch wegen Corona und hofft auf Erholung. (Archiv) (FOTO: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Immerhin wurden die Einbussen in den letzten Monaten stetig kleiner. Ab dem zweiten Halbjahr hofft die Branche auf Erholung.

Insgesamt fielen die Umsätze letztes Jahr um 9,8 Prozent, nachdem sie bereits um Vorjahr getaucht waren. Auch die neuen Bestellungen nahmen um kamen 6,5 Prozent ab, wie der Branchenverband Swissmem am Mittwoch in einem Communiqué bekannt gab.

Vor allem das Geschäft mit dem Ausland litt. Die Güterexporte der MEM-Industrie schrumpften um hohe 11,2 Prozent auf noch 60,7 Milliarden Franken. Damit ist die Branche auf das Niveau von 2004 abgestürzt, als die Exporte mit 59 Milliarden Franken letztmals tiefer waren.

Verglichen mit jenen Branchen, die zwangsgeschlossen wurden, wirken die Einbrüche bei uns moderat, sagte der neue Swissmem-Präsident Martin Hirzel in der Online-Bilanzmedienkonferenz. Sie dürften aber nicht unterschätzt werden. Der Rückgang von elf Prozent beim Güterexport ergibt ein fehlendes Volumen von 7,6 Milliarden Franken. Das lässt sich nicht über Nacht wieder aufholen.

Zudem seien dies alles Durchschnittswerte. Die einzelnen Firmen sind sehr unterschiedlich von der Pandemie betroffen. So habe sich zum Beispiel die Lage der Zulieferer einzelner Medizintechnikbereiche und der Autoindustrie im zweiten Halbjahr 2020 positiv entwickelt. Typische Hersteller von Investitionsgütern, wie Werkzeug- und Textilmaschinen, erlebten jedoch ein schwarzes Jahr mit Umsatzeinbrüchen von bis zu 60 Prozent, sagte Hirzel.

Die MEM-Industrie weise nun acht Quartale mit Einbussen auf, sagte Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher. Das sei länger als während der Finanzkrise vor über einem Jahrzehnt.

Nach dem tiefen Absturz im zweiten Quartal ging es mit den Lockerungen der Einschränkungen im Sommer wieder bergauf. Im vierten Quartal 2020 erreichten die Auftragseingänge fast wieder das Vorjahresniveau. Es bestünden ermutigende Anzeichen, dass sich dieser Trend 2021 fortsetzen werde. Swissmem erwarte eine Erholung ab dem zweiten Semester, sagte Hirzel.

So deute der Einkaufsmanagerindex PMI in fast allen Absatzmärkten auf ein teils kräftiges Wachstum hin. Auch die Erwartungen der Unternehmer für die kommenden zwölf Monate seien positiver als noch im Herbst.

Dem gegenüber steht die Befürchtung, dass eine allfällige dritte Pandemiewelle erneut global zu einem Einbruch führen könnte, schrieb Swissmem.

Die Krise schlug aufs Personal durch: In den ersten neun Monaten gingen 6600 Stellen verloren. Die Zahl der Mitarbeiter sank auf 318300. Aufgrund der schwachen Nachfrage hätten sich bereits vor der Pandemie rund 200 MEM-Unternehmen Ende 2019 in Kurzarbeit befunden. Diese würden Mitte 2021 die maximale Bezugsdauer von 18 Monaten erreichen.

Es gilt, einen weiteren, pandemiebedingten Stellenabbau in besonders hart betroffenen Firmen zu verhindern, erklärte Swissmem-Präsident Hirzel: Deshalb muss die maximale Bezugsdauer für Kurzarbeitsentschädigung auf 24 Monate erhöht werden.

Denn die Unternehmen bräuchten Planungssicherheit. Wir können nicht bis zum Sommer warten, sagte Hirzel. Wenn Kurzarbeit dann auslaufen sollte, müssten die Unternehmen heute mit der Planung von Entlassungen beginnen. Das müssen wir verhindern.

Der Jobabbau dürfte zwar weitergehen. Aber Swissmem gehe nicht von Massenentlassungen aus, wenn die Kurzarbeitsentschädigung auf 24 Monate verlängert werde. Indizien für eine Pleitewelle gebe es nicht. Die Schweizer Industrie sei es sich gewohnt, Krisen zu überstehen, sagte Hirzel.

(sda)


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