Merkel macht sich Gedanken in der Schweiz: "Wirtschaft hat Menschen zu dienen - nicht umgekehrt"


Roman Spirig
Schweiz / 11.06.19 17:51

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat in Genf ein Plädoyer für menschenwürdige Arbeitsbedingungen gehalten. Menschen dürften nicht nur als Produktionsfaktoren gesehen werden, sondern müssten sich verwirklichen und ihre Talente entfalten können.

Merkel macht sich Gedanken in der Schweiz: Wirtschaft hat Menschen zu dienen - nicht umgekehrt (Foto: KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI)
Merkel macht sich Gedanken in der Schweiz: Wirtschaft hat Menschen zu dienen - nicht umgekehrt (Foto: KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI)

"Die Wirtschaft hat den Menschen zu dienen, und nicht umgekehrt", sagte sagte Merkel am Dienstag bei der Jubiläumstagung zum 100-jährigen Bestehen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Nach Merkel sprach Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron. Ein bilaterales Treffen, etwa zu dem Gerangel um EU-Spitzenposten, war aber nicht geplant. Merkel unterstützt den CSU-Politiker Manfred Weber als neuen EU-Kommissionspräsidenten, Macron ist dagegen.

Die ILO wurde 1919 gegründet, um den Weltfrieden durch eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen zu sichern. Sie ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Die Länder sind durch Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände vertreten.

Sie erarbeitet möglichst weltweit anerkannte Arbeits- und Sozialstandards, die verhindern sollen, "dass sich einzelne Teilnehmer am internationalen Handel durch Abbau von Arbeitnehmerrechten und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen Vorteile verschaffen", so die ILO.

Merkel lobte die Arbeit der ILO zu den Herausforderungen durch den digitalen Wandel. Die Frage sei, wie sich menschliche und künstliche Intelligenz ergänzen könnten. Viele Menschen hätten Angst um ihre Arbeitsplätze.

"Wir müssen in unserer eng vernetzten Welt deutlich besser darin werden, aus Wirtschaftswachstum tatsächlich sozialen Fortschritt zu machen", sagte Merkel.

"Da dieses internationale System der multilateralen Zusammenarbeit im Augenblick ja in Gefahr ist, da es viele gibt, die sagen: Wir kommen alleine besser zurecht, will ich ausdrücklich sagen: Der Kompromiss ist Teil der internationalen Kooperation", sagte Merkel.

Der französische Präsident Emanuel Macron forderte einen Umbau des Kapitalismus, um die Ungleichheiten abzubauen. Die Globalisierung müsse sozialer daherkommen. Die aktuell existierende Marktwirtschaft werde immer unsozialer. Etwas funktioniere nicht mehr im Kapitalismus. Die Politik müsse angesichts einer Situation, von der nur wenige profitierten, reagieren.

Die ILO-Mitglieder wollen an ihrer Versammlung eine "Jahrhunderterklärung" verabschieden, welche die Zukunft der Arbeit im digitalen Zeitalter definieren soll.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Bossard baut Luft- und Raumfahrtgeschäft aus
Regional

Bossard baut Luft- und Raumfahrtgeschäft aus

Das Zuger Industrieunternehmen Bossard baut das Geschäft in der Luft- und Raumfahrtindustrie aus. Bossard kauft von der deutschen Aquaero-Gruppe den Distributionsbereich der SACS Boysen Aerospace Group. Die Übernahme soll bis im Juli vollzogen werden. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Suppiger gewinnt auf dem Schwarzenberg
Schwingen

Suppiger gewinnt auf dem Schwarzenberg

René Suppiger zeigt sich beim kleinen Bergschwinget auf dem Schwarzenberg (LU) in bester Form. Er setzt sich unter 93 Schwinger vor 700 Zuschauern durch.

Trump: Habe Angriff auf Iran wegen befürchteter Todesopfer abgesagt
International

Trump: Habe Angriff auf Iran wegen befürchteter Todesopfer abgesagt

US-Präsident Trump hat einen Militärschlag gegen den Iran nach eigenen Angaben wegen befürchteter Todesopfer in letzter Minute abgesagt. Die vom Militär erwarteten 150 Toten wären im Vergleich zum Abschuss einer US-Drohne durch den Iran "unverhältnismässig" gewesen.

Ein Anhänger verliert Diesel nach Unfall auf A2
Regional

Ein Anhänger verliert Diesel nach Unfall auf A2

Bei einer Baustelle auf der Autobahn in Hergiswil hat sich am Donnerstagnachmittag ein Verkehrsunfall ereignet. Verletzt wurde niemand, doch lief aus einem Treibstoffanhänger Diesel aus.