Merkel: Rassismus und Antisemitismus beschämen mich zutiefst


News Redaktion
International / 15.09.20 14:52

Die deutsche Regierungschefin Angela Merkel hat sich beschämt über Angriffe auf jüdisches Leben in Deutschland gezeigt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht beim Festakt zum 70-jährigen Bestehen des Zentralrats der Juden im Innenhof der Neuen Synagoge. Der Zentralrat der Juden in Deutschland wurde am 19. Juli 1950 in Frankfurt am Main gegründet. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Pool/dpa (FOTO: Keystone/dpa Pool/Bernd von Jutrczenka)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht beim Festakt zum 70-jährigen Bestehen des Zentralrats der Juden im Innenhof der Neuen Synagoge. Der Zentralrat der Juden in Deutschland wurde am 19. Juli 1950 in Frankfurt am Main gegründet. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Pool/dpa (FOTO: Keystone/dpa Pool/Bernd von Jutrczenka)

Es ist eine Schande und beschämt mich zutiefst, wie sich Rassismus und Antisemitismus in unserem Land in diesen Zeiten äussern, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag in Berlin während einer Feierstunde zur Gründung des Zentralrats der Juden in Deutschland vor 70 Jahren.

Rassismus und Antisemitismus seien nie verschwunden gewesen. Doch seit geraumer Zeit treten sie sichtbarer und enthemmter auf, sagte Merkel. Beleidigungen, Drohungen oder Verschwörungstheorien richteten sich offen gegen jüdische Bürgerinnen und Bürger. In den sozialen Medien triefen viele Äusserungen geradezu vor Hass und Hetze. Dazu dürfen wir niemals schweigen.

Schnell könnten Worte zu Taten werden, wie der Anschlag auf die Synagoge in Halle im vergangenen Jahr auf besonders schreckliche Weise gezeigt habe. Dort hatten 52 Menschen den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur gefeiert. Der Attentäter scheiterte jedoch an der Tür, erschoss daraufhin eine Passantin, die zufällig an der Synagoge vorbei kam, und später einen jungen Mann in einem Dönerimbiss.

Der Antisemitismus ist ein Angriff auf Menschen, sagte Merkel. Der Angriff richte sich gegen die Würde des einzelnen Menschen. Dies müsse entschieden bekämpft werden, sagte die Kanzlerin. Erziehung und Bildung seien wie die Bereitschaft zum Dialog die wichtigste Vorbeugung gegen Vorurteile, Rassismus und Antisemitismus. Doch wo Bildung und Aufklärung nicht ausreichen, da ist der Rechtsstaat mit der ganzen Konsequenz unseres Strafrechts gefordert. Auch dies müsse ganz klar sein, betonte Merkel.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland war am 19. Juli 1950 in Frankfurt am Main gegründet worden. Als Dachorganisation vertritt er die politischen und gesellschaftlichen Interessen von 23 Landesverbänden und 105 jüdischen Gemeinden mit rund 100 000 Mitgliedern. Ab 1951 hatte der Zentralrat seinen Sitz in Düsseldorf, ab 1985 in Bonn und seit 1999 in Berlin, wo die Hauptverwaltung im Leo-Baeck-Haus untergebracht ist.

In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland auch zunehmend antisemitische Vorfälle registriert, zuletzt etwa bei den Protesten gegen die Corona-Massnahmen. Nach Angaben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) gehörten etwa die antisemitische Bezugnahme auf den Nationalsozialismus oder die Verwendung von antisemitischen Verschwörungsmythen dazu.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Macron wirft politischen Kräften im Libanon Verrat vor
International

Macron wirft politischen Kräften im Libanon Verrat vor

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat nach der gescheiterten Regierungsbildung scharfe Kritik an den politischen Kräften im Libanon geübt. "Sie haben ihre Verpflichtung verraten", sagte Macron in einer Pressekonferenz am Sonntagabend. "Ich stelle fest, dass die libanesischen Behörden und politischen Kräfte beschlossen haben, ihre parteiischen und individuellen Interessen über das allgemeine Interesse des Landes zu stellen."

Literaturnobelpreisträgerin Alexijewitsch verlässt Belarus
International

Literaturnobelpreisträgerin Alexijewitsch verlässt Belarus

Die politisch engagierte Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ihre Heimat Belarus verlassen. Die 72-Jährige verliess demnach aus Sorge um ihre Sicherheit mit einer Maschine der Fluggesellschaft Belavia das Land in Richtung Berlin.

Angeblich Hühnerfutter: Bauer in Vietnam mit Cannabisplantage ertappt
International

Angeblich Hühnerfutter: Bauer in Vietnam mit Cannabisplantage ertappt

Auf eine Cannabisplantage inmitten eines Orangenhains ist die Polizei im Südwesten Vietnams gestossen. Die insgesamt 304 Pflanzen habe er angebaut, um seine Hühner zu füttern und somit zu verhindern, dass sie krank würden, sagte der ertappte Kleinbauer (42) nach staatlichen Medienberichten vom Samstag. Die Polizei im Mekongdelta beschlagnahmte die bis zu 1,5 Meter hohen Pflanzen.

Zürich: Bahnanlagen werden denkmalwürdig
Schweiz

Zürich: Bahnanlagen werden denkmalwürdig

30 Stadtzürcher Anlagen und Bauten der SBB sind neu als schützenswert eingestuft. Der Stadtrat hat beschlossen, das Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung um diese Objekte zu ergänzen.