Messenger-App Threema profitiert von Diskussion um WhatsApp-AGB


Roman Spirig
Wirtschaft / 13.01.21 14:00

Der Schweizer Kurznachrichtendienst Threema profitiert von den Diskussionen um die neuen Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien des Platzhirschen WhatsApp.

Messenger-App Threema profitiert von Diskussion um WhatsApp-AGB (Foto: KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER)
Messenger-App Threema profitiert von Diskussion um WhatsApp-AGB (Foto: KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER)

Während viele Nutzer der Facebook-Tochter die App von ihren Geräten löschen, steigen die Downloadzahlen der kostenpflichtigen Threema-App rasant an. Auch die Gratis-Alternativen Telegram und Signal legen deutlich zu.

Die Zahl der Downloads hat sich seit dem vergangenen Donnerstag etwa verfünffacht, sagte Threema-Sprecher Roman Flepp am Mittwoch gegenüber AWP. Normalerweise liegen sie bei einigen Tausend pro Tag, jetzt bei mehreren Zehntausend.

Auslöser des WhatsApp-Exodus sind offenbar Befürchtungen, dass mit den geänderten AGB künftig viele persönliche Daten mit anderen Facebook-Unternehmen geteilt werden. Die Nutzer müssen die neuen Bedingungen bis zum 8. Februar akzeptieren.

Threema wirbt damit, dass sich der Dienst auch komplett anonymisiert nutzen lässt und weder Mobilnummer noch Email-Adresse nötig sind. Bei der Sicherheit wird neben der Verschlüsselung auch gerne auf den Standort der Server in der Schweiz verwiesen. Im Unterschied zu den Wettbewerbern muss man beim Download der App für Android oder Apple aber zahlen, derzeit 3 Franken. Wenn Sie nicht für ein Produkt bezahlen, sind sie selbst das Produkt, lautet ein Motto von Threema.

Im September 2020 war der deutsche Finanzinvestor Afinum bei dem Unternehmen mit Sitz in Pfäffikon, Schwyz, eingestiegen. Die vom Investor bereitgestellten Ressourcen sollen helfen über den deutschsprachigen Raum hinaus zu wachsen und Freiräume für visionäre neue Ideen und Projekte zu eröffnen, wie es hiess. Zudem wurde mit der Threema Holding AG in Zürich eine Dachgesellschaft gegründet. Das soll mehr Flexibilität etwa beim Thema Mitarbeiterbeteiligung schaffen. Die drei Gründer und Entwickler führen das Unternehmen weiterhin und bleiben mit einem wesentlichen Anteil an der Gesellschaft beteiligt.

Im Oktober 2020 bezifferte das Unternehmen mit knapp 30 Mitarbeitenden die Zahl der Nutzer auf rund 8 Millionen. Auf die Unternehmenslösung Threema Work entfallen davon mehr als 2 Millionen in rund 5000 Unternehmen, Behörden, Verbänden und Schulen, wie es weiter hiess. Zu den Kunden zählen etwa auch Schweizer Bundesbehörden, Bosch, Daimler oder Lehrkräfte des Landes Baden-Württemberg.

Im Vergleich zu WhatsApp und Telegram ist Threema weiterhin ein Zwerg. Die Facebook-Tochter hat weltweit mehr als 2 Milliarden Nutzer (Stand Februar 2020) und Telegramm 500 Millionen. Letztere meldete mehr als 25 Millionen Neuregistrierungen in den vergangenen 72 Stunden. Auch der US-Anbieter Signal mit rund 10 Millionen Nutzern verbuchte zuletzt ebenfalls einen starken Anstieg der Download-Zahlen, der von einem Tweet von Tesla-Chef Elon Musk noch verstärkt wurde.

Bereits in der Vergangenheit hatte Threema von Sorgen um die Datenverwendung bei WhatsApp profitiert, so etwa im Frühjahr 2014 als der amerikanische Kurznachrichtendienst von Facebook für rund 19 Milliarden Dollar übernommen wurde. Der Name der Firma leitet sich aus dem ursprünglichen Namen der Anwendung ab, die einmal EEEMA (End-to-End Encrypted Messaging Application) hiess.

(sda)


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