Militärjustiz klagt früheren PC-7-Team-Führer nach Kollision an


News Redaktion
Schweiz / 05.06.20 08:12

Die Schweizer Militärjustiz hat Anklage gegen den früheren Team-Leiter der PC-7-Kunstflugstaffel erhoben. Eines seiner Flugzeuge hatte 2017 bei der Ski-WM in St. Moritz mit einem Flügel ein Seil einer TV-Kamera touchiert.

Die PC-7 hatte mit einem Flügel das Zugseil einer SRF-Seilbahnkamera touchiert. Das Seil riss und die Kamera stürzte in den Zielraum vor der Zuschauertribüne. (Archivbild) (FOTO: Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)
Die PC-7 hatte mit einem Flügel das Zugseil einer SRF-Seilbahnkamera touchiert. Das Seil riss und die Kamera stürzte in den Zielraum vor der Zuschauertribüne. (Archivbild) (FOTO: Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

Dem Team-Leiter der Staffel werden Missbrauch und Verschleuderung von Material, Störung von Betrieben, die der Allgemeinheit dienen sowie Nichtbefolgung von Dienstvorschriften vorgeworfen, wie die Militärjustiz am Freitag mitteilte. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Auch beim Piloten des Flugzeugs, das das Zugseil touchiert hatte, war untersucht worden, ob er sich wegen fahrlässiger Verschleuderung von Material und Verletzung von Dienstvorschriften verantworten müsse. Dieses Strafverfahren wurde nun aber vom Auditor eingestellt.

Das Flugzeug der Kunstflugstaffel PC-7 Team hatte bei einer Flugvorführung am 17. Februar 2017 im Rahmen der Ski-WM in St. Moritz mit einem Flügel das Zugseil einer SRF-Seilbahnkamera touchiert. Das Seil riss und die Kamera stürzte in den Zielraum vor der Zuschauertribüne. Verletzt wurde niemand.

Das durchtrennte Zugseil wurde in Richtung Sesselbahn geschleudert, beschädigte die Plexiglas-Haube eines Sessels und verfing sich. Die Sicherheitseinrichtung schaltete die Anlage automatisch aus und der Betrieb der Sesselbahn wurde während 20 Minuten unterbrochen.

Der PC-7-Flieger konnte selbstständig in Samedan landen - er wurde durch die Kollision jedoch am Flügel beschädigt. Die Reparatur kostete rund 75000 Franken. Der Schaden an der Aufhängevorrichtung für die Kamera, an der Kamera selbst sowie dem nahegelegenen Sessellift betrug mehrere Hunderttausend Franken.

Der Untersuchungsrichters der Militärjustiz war 2018 zum Schluss gekommen, dass die vom Team-Leader in der Planung vorgegebene minimale Flughöfe für die gesamte Vorführungszone mutmasslich zu tief gewählt worden sei.

Zudem habe die Sicherheitsmarge gefehlt: Das Flugmanöver sei mit einem zu geringen Abstand zur Kamera-Aufhängung durchgeführt worden, obwohl diese und auch deren Höhe bekannt gewesen seien.

Ausserdem bemängelte der Untersuchungsrichter die in diesem Fall anwendbaren Vorschriften des Handbuchs für den Flugbetrieb der Schweizerischen Luftwaffe. Diese seien bezüglich der Festlegung der minimalen Flughöhen bei unmarkierten oder schlecht sichtbaren Hindernissen nicht ausreichend eindeutig formuliert.

Aufgrund des Schlussberichts des Untersuchungsrichters eröffnete die Militärjustiz 2018 eine Voruntersuchung gegen die zwei Piloten. Diese ist mit der Einstellung des Verfahrens gegen den Piloten und der Anklage gegen den Team-Leader nun abgeschlossen, wie Georg Fritz, Mediensprecher der Militärjustiz, auf Anfrage sagte. Der Verhandlungstermin vor dem Militärgericht sei noch nicht bekannt.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Stadt Zug erhält ein neues Recyclingzentrum mit Ökihof
Regional

Stadt Zug erhält ein neues Recyclingzentrum mit Ökihof

Die Stadt Zug kann im Göbli ein neues Gebäude für den Ökihof und das Brockenhaus der Frauenzentrale bauen. Die Stimmberechtigten haben dem 20,9-Millionen-Franken-Kredit mit einem Ja-Stimmenanteil von 88,3 Prozent zugestimmt.

St. Galler Stiftsbibliothek stellt Helvetica Sacra online
Schweiz

St. Galler Stiftsbibliothek stellt Helvetica Sacra online

Das Register der Helvetia Sacra zur Geschichte der kirchlichen Einrichtungen in der Schweiz ist online veröffentlicht worden. Die Datenbank wurde neu konzipiert.

St. Galler Stadtparlament mit leichten Sitzverschiebungen
Schweiz

St. Galler Stadtparlament mit leichten Sitzverschiebungen

Im St. Galler Stadtparlament kommt es nur zu leichten Sitzverschiebungen zwischen dem linksgrünen und dem bürgerlichen Block. Erfolgreich waren Grünliberale und Grüne. Leichte Verluste gab es für CVP, FDP, SP und SVP. Gemischt fällt die Bilanz der Jungparteien aus.

Glarner Regierung gegen die Deckelung der Krankenkassenprämien
Regional

Glarner Regierung gegen die Deckelung der Krankenkassenprämien

Im Glarus sollen die Krankenkassenprämien nicht auf zehn Prozent eines verfügbaren Haushaltseinkommens begrenzt werden. Die Regierung empfiehlt dem Kantonsparlament, dem Landrat, einen entsprechenden Vorstoss der SP zur Ablehnung.