Mehr als 80 Tote durch Wirbelsturm in Indien und Bangladesch


News Redaktion
International / 21.05.20 04:40

Über 80 Menschen sind in Indien und Bangladesch durch den verheerenden Wirbelsturm "Amphan" ums Leben gekommen. Allein im besonders betroffenen nordostindischen Bundesstaat Westbengalen gab es mindestens 72 Tote, sagte die zuständige Regierungschefin am Donnerstag.

Der Wirbelsturm
Der Wirbelsturm "Amphan" hat in Indien und Pakistan Windgeschwindigkeiten von bis zu 185 Kilometern pro Stunde und viel Regen und Gewitter mit sich gebracjt. (FOTO: KEYSTONE/EPA/STR)

Die Katastrophe sei grösser als Corona und es brauche mehrere Tage, um das ganze Ausmass der Schäden abzuschätzen. Der Sturm war laut dem indischen meteorologischen Dienst einer der schlimmsten Stürme in der Region der vergangenen 20 Jahre. Er brachte laut dem indischen meteorologischen Dienst Windgeschwindigkeiten von bis zu 185 Kilometern pro Stunde und viel Regen und Gewitter mit sich.

Die Menschen starben etwa durch zusammenkrachende Häuser oder umstürzende Bäume, wie zuständige Behörden mitteilten. In weiten Teilen der 15-Millionen-Einwohner-Stadt Kolkata in Westbengalen sei der Strom ausgefallen. Der Flughafen der Stadt war völlig überflutet, es gab umgestürzte Strommasten und umgekippte Autos, wie Fernsehbilder zeigten.

Viele Menschen überlebten aber wohl, weil mehr als drei Millionen in Notunterkünfte gebracht worden waren, bevor Sturm Amphan am Mittwoch das Festland erreicht hatte. Aber etliche andere blieben daheim, weil sie um Hab und Gut fürchteten.

Ein Mann, der in der Nähe vom Ort lebte, wo der Sturm am Mittwoch an Land kam, sagte dem Fernsehsender NDTV: Viele Gebiete sind verwüstet und es gibt keine Wasserversorgung. In unserem Dorf hat dieser schreckliche Sturm alles flach gemacht.

Die Corona-Pandemie machte die grosse Evakuierung noch schwieriger als sonst bei solchen Stürmen. Um Abstand zu gewährleisten, stellten Behörden beider Länder nach eigenen Angaben mehr Notunterkünfte zur Verfügung. Es würden etwa leerstehende Schulen genutzt. Doch mehr Gebäude zu finden, sei schwierig gewesen, da einige Notunterkünfte zurzeit als Quarantäne-Gebäude oder temporäre Unterkünfte für gestrandete Wanderarbeiter dienten.

Pankay Anand von der Hilfsorganisation Oxfam sagte, dass einige Leute Angst hätten, sich in den Unterkünften mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren. Teils würden Masken oder Desinfektionsmittel verteilt. Trotzdem konnten die Leute in den Unterkünften nicht immer genügend Abstand halten, wie Fernsehbilder zeigten.

Indien und Bangladesch kämpfen mit immer mehr Corona-Infektionen, in beiden Ländern gilt eine Ausgangssperre. In Indien haben sich nach Aufzeichnungen der amerikanischen Johns Hopkins Universität inzwischen mehr als 112000 Menschen nachweislich mit dem Virus infiziert, mehr als 3400 starben infolge der Lungenkrankheit Covid-19.

Wirbelstürme kommen im Golf von Bengalen immer wieder vor. Bei einem grossen Zyklon im Jahr 1999 starben rund 10000 Menschen. Experten gehen davon aus, dass die Intensität der Stürme in den vergangenen Jahren unter anderem wegen des Klimawandels tendenziell zugenommen hat. Die Opferzahlen waren aber in den vergangenen Jahren generell kleiner, da es inzwischen mehr gute Notunterkünfte und Evakuierungspläne gibt.

(sda)


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