Mit Glas voll Kot: Bill Gates will Toilettenrevolution starten


Roman Spirig
International / 06.11.18 16:00

Mit einem Glas voll Kot am Rednerpult hat Microsoft-Gründer Bill Gates in Peking zu einer weltweiten Toilettenrevolution aufgerufen. Wegen fehlender sanitärer Anlagen komme jährlich eine halbe Million Kinder ums Leben.

Mit Glas voll Kot: Bill Gates will Toilettenrevolution starten  (Foto: KEYSTONE / AP / MARK SCHIEFELBEIN)
Mit Glas voll Kot: Bill Gates will Toilettenrevolution starten (Foto: KEYSTONE / AP / MARK SCHIEFELBEIN)

Der Mangel an sauberen sanitären Anlagen verursache Krankheiten, an denen jedes Jahr rund eine halbe Million Kinder unter fünf Jahren sterben würden, sagte Gates am Dienstag in der chinesischen Hauptstadt auf einer Messe für innovative Toilettentechnologien, die ohne Kanalisation auskommen.

Den wirtschaftlichen Schaden durch Gesundheitskosten und den Ausfall an Produktivität und Löhnen bezifferte Gates auf 223 Milliarden US-Dollar.

"An Orten ohne sichere sanitäre Anlagen ist viel mehr als in diesem Glas in der Umwelt", sagte Gates und zählte auf, wie viele Bakterien, Viren und Wurmeier in den Exkrementen allein in dem Behälter seien. Sie lösten Krankheiten wie Durchfall, Cholera und Typhus aus.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung habe keine sauberen Sanitäranlagen, um einem gesunden und produktiven Leben nachzugehen, sagte Gates. Auch bleibe mehr als die Hälfte der menschlichen Hinterlassenschaften unbehandelt.

In den vergangenen sieben Jahren haben Gates und seine Frau Melinda über ihre Stiftung mehr als 200 Millionen US-Dollar in die technische Entwicklung von Toiletten gesteckt, die kein Wasser zum Spülen und keine Kanalisation brauchen. Die Messe in Peking zeigt neu entwickelte Toiletten, die Exkremente behandeln, schädliche Krankheitserreger beseitigen und Kot in Düngemittel und Wasser umwandeln.

Die Technologien seien erstmals so weit entwickelt, dass sie auch wirtschaftlich zum Einsatz kommen könnten, sagte Gates. "Es ist nicht mehr länger eine Frage, ob wir Toiletten und andere Sanitärsysteme neu erfinden können." Es sei nur noch die Frage, wie schnell diese sanitärnetz-unabhängigen Lösung im grossen Stil eingesetzt werden könnten.

Die Weltbank, deren Chef Jim Yong Kim an der Messe teilnahm, sowie die Asiatische und die Afrikanische Entwicklungsbank sagten ihre Unterstützung für sein Vorhaben zu.

Die Unternehmensberater von Boston Consulting schätzen den Markt für diese neuen Toiletten im Jahr 2030 auf jährlich sechs Milliarden US-Dollar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) errechnete, dass jeder in Sanitäranlagen investierte Dollar wiederum 5,50 Dollar einbringe.

"Vor einem Jahrzehnt hätte ich nie gedacht, dass ich so viel über Kot wissen würde", sagte Gates, der zu den reichsten Menschen der Erde zählt. "Und ich habe ganz bestimmt nicht gedacht, dass Melinda mir sagen müsste, dass ich aufhören soll, am Abendbrottisch über Toiletten und Fäkalschlamm zu reden."

Für mehr News - hier klicken

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Nur wenn Schweiz nicht mehr diskriminiert wird - Parlament will Kohäsionsmilliarde an EU an Bedingung knüpfen
Schweiz

Nur wenn Schweiz nicht mehr diskriminiert wird - Parlament will Kohäsionsmilliarde an EU an Bedingung knüpfen

Die Schweiz soll nur dann eine weitere Kohäsionsmilliarde an die EU zahlen, wenn diese auf diskriminierende Massnahmen gegen die Schweiz verzichtet. Das wollen National- und Ständerat. Noch sind sie sich aber nicht in allen Punkten einig.

***Polizei: Verdächtiger von Utrecht ist festgenommen***
International

***Polizei: Verdächtiger von Utrecht ist festgenommen***

Der mutmassliche Schütze von Utrecht ist nach Angaben der Polizei festgenommen worden. Der 37-jährige Gökmen Tanis sei am Abend gefasst worden, gab Rob van Bree von der Polizei Utrecht bekannt.

Petkovic mit Qual der Wahl?
Sport

Petkovic mit Qual der Wahl? "Die Mannschaft zu benennen ist schwieriger als früher"

Das Schweizer Nationalteam bereitet sich in Zürich auf den Start zur EM-Qualifikation vor. Am Donnerstag fliegt es nach Tiflis, wo es am Samstag auf Georgien trifft. "Wir wollen drei Punkte. Auf dem ersten Spiel basiert alles", so Nationaltrainer Vladimir Petkovic.

Definitiv kein Terror sondern Familienstreit Grund für Schiesserei in Utrecht?
International

Definitiv kein Terror sondern Familienstreit Grund für Schiesserei in Utrecht?

Die Schiesserei in der niederländischen Stadt Utrecht hat einem türkischen Medienbericht zufolge einen familiären Hintergrund. Der Täter habe auf eine Verwandte geschossen und später auf Menschen, die der Frau zur Hilfe kommen wollten, meldete die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu.