Moore: Kleine Fläche mit grosser Wirkung auf weltweite CO2-Bilanz


News Redaktion
International / 05.08.22 09:28

Die Bedeutung der Moore für die weltweite CO2-Bilanz ist grösser als bisher angenommen. Sie sind laut Schätzungen für rund einen Drittel des insgesamt im Boden gebundenen Kohlenstoffs verantwortlich: 400 bis 500 Gigatonnen.

Gegen die Zerstörung von Mooren: Demonstranten stehen in Niedersachsen als Menschenkette aneinander gereiht im Moor und protestieren damit gegen den Ausbau einer Autobahn. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/DPA/MOHSSEN ASSANIMOGHADDAM)
Gegen die Zerstörung von Mooren: Demonstranten stehen in Niedersachsen als Menschenkette aneinander gereiht im Moor und protestieren damit gegen den Ausbau einer Autobahn. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/DPA/MOHSSEN ASSANIMOGHADDAM)

Moore machen mit rund vier Millionen Quadratkilometern nur etwa drei Prozent der Landoberfläche der Erde aus. Sie wachsen sehr langsam. Da sie das jedoch bereits seit der letzten Eiszeit vor 12'000 Jahren tun, haben sie oftmals eine Mächtigkeit von vielen Metern und als Grundwasserfilter und Wasserspeicher ebenso eine wichtige Bedeutung wie - dank vieler seltenen und hoch spezialisierten Pflanzen- und Tierarten - für die Bio-Diversität.

Ihre Speicherkapazität für CO2 ist unübertroffen: So speichern sie weltweit doppelt so viel Kohlenstoff wie Wälder, die die zehnfache Ausdehnung haben. Als Kohlendioxid-Senken sorgen sie langfristig für Kühlung - auf 0,6 Grad schätzt der deutsche Biologe Hans Joosten, emeritierter Professor für Moorkunde und Paläoökologie, diesen Effekt auf das Weltklima. Ihre Ökosysteme produzieren zwar das ebenfalls klimaschädliche Methan, dieses wird in der Atmosphäre jedoch schneller abgebaut.

Global gesehen nehmen die Flächen intakter Moore durch menschliche Eingriffe zwar weniger schnell ab als etwa Tropenwaldflächen, doch nicht nur menschliche Eingriffe wie Entwässerung zur landwirtschaftlichen Nutzbarmachung der Böden oder Torfabbau gefährden ihren Bestand, sondern auch der Klimawandel mit höheren Temperaturen und dramatischeren Wetterereignissen.

Auch den Schweizer Mooren ging es zuletzt nicht gut. Sie trockneten weiter aus und verbuschten. "Die negativen Trends setzen sich fort", sagte Ariel Bergamini, Moorforscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) im Rückblick auf 25 Jahre Moorüberwachung im vergangenen Jahr.

Hauptproblem waren demnach alte Entwässerungsgräben. Als Folge der Austrocknung wuchsen Büsche und Böden besser. Sie beschatteten Moorböden und benachteiligten so typische Moorpflanzen wie den Sonnentau.

Allerdings befanden sich die besonders geschädigten Hochmoore im Mittelland jüngst auf dem Weg der Besserung. Um Moore wieder feucht und licht zu machen, wurden Büsche und unerwünschte Bäume gefällt, Entwässerungsgräben mit sogenannten Holzspundwänden verschlossen und Wehre zur Regulierung des Wasserspiegels angelegt.

In Europa, schätzt der Biologe Joosten, sind 20 Prozent des ursprünglichen Moorbestands zerstört und über die Hälfte gefährdet. Weltweit soll die Moorzerstörung für mehr CO2-Ausstoss sorgen als der internationale Flugverkehr.

Die flächenmässig dramatischsten Zerstörungen passieren derzeit in Südostasien, Neuguinea, Amazonien und Westafrika, wo auf trockengelegten Flächen etwa Ölpalmen-Plantagen angelegt werden. In Ruanda wurde 2017 ein erstes torfbefeuertes Kraftwerk errichtet, aber auch die hierzulande übliche Nutzung von Torf im Garten und beim Gemüseanbau ist mehr als fragwürdig. Stattdessen werden Paludikulturen propagiert, schonende Nutzungen der Torfböden, bei denen kein Kohlenstoff freigesetzt wird.

(sda)


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