Nach dem Aus - Die ZSC Lions stehen vor entscheidenden Jahren


Roman Spirig
Sport / 30.04.21 12:45

Platz 5 in der Qualifikation, Halbfinal-Aus in den Playoffs gegen Servette: Objektiv gesehen haben die ZSC Lions in dieser Saison nicht erfüllt. Die Herausforderungen werden für den ZSC nicht kleiner.

Nac dem Aus - Die ZSC Lions stehen vor entscheidenden Jahren (Foto: KEYSTONE / ENNIO LEANZA)
Nac dem Aus - Die ZSC Lions stehen vor entscheidenden Jahren (Foto: KEYSTONE / ENNIO LEANZA)

Noch um Weihnachten herum schienen die ZSC Lions nahtlos an die letzte Saison, als sie vor dem Meisterschaftsabbruch Qualifikationssieger waren, anknüpfen zu können. Nach dem Jahreswechsel klappte dann aber bei den Zürchern nicht mehr viel zusammen. 2021 haben wir nie und nimmer so gespielt, wie wir wollten, sagt Captain Patrick Geering schonungslos offen. Da müssen wir uns an der eigenen Nase nehmen. Zunächst ging der Cupfinal gegen den SC Bern verloren, dann rutschte man in der Tabelle bis auf Platz 5 ab.

Dies bescherte den Lions eine knüppelharte Viertelfinalserie gegen Lausanne, die physisch und mental enorm viel Substanz kostete. Diese fehlte gegen Servette. Mit Marcus Krüger, Marco Pedretti und Chris Baltisberger fehlten ausgerechnet drei der kräftigsten Spieler, so dass gegen einen sehr starken und soliden Gegner die Durchschlagskraft fast völlig fehlte (nur drei Tore in drei Spielen). Mit Justin Siegrist musste ein Center die zweite Linie führen, der zu Beginn der Saison noch nicht mal zu den vier Toplinien gehörte. Das kann für die Zukunft allerdings wertvoll sein.

Das Urteil des Sportchefs fällt deshalb etwas gnädiger aus, als das des Captains. Gegen diese sehr komplette Mannschaft im Halbfinal auszuscheiden, ist sicher keine Schande, sagt Sven Leuenberger. Und in der Qualifikation sei zwar der Rang unbefriedigend, aber man habe nur zwei Punkte weniger geholt als vor einem Jahr. In der Schule würde ich uns für die Saison wohl die Note 4-5 geben.

Auch den Trainer mag Leuenberger nicht kritisieren. Rikard Grönborg kam vor zwei Jahren mit dem Rucksack des langjährigen Junioren- und Nationaltrainers (2 WM-Titel) in Schweden ins Hallenstadion, erlebte nun aber seine ersten Playoffs als Chef an der Bande. Ich kann dem Trainer keinen Vorwurf machen. Wir waren nicht ideenlos und haben auch verschiedene Sachen probiert. Grönborg dachte in den Minuten nach dem Saisonende vor allem an die Spieler. Sie waren mit Herz und Seele dabei, stellte der 52-jährige Schwede fest. Wir haben es aber nie geschafft, das Momentum auf unsere Seite zu bringen. Tatsächlich lagen die Zürcher in den drei Spielen gegen Servette nicht einmal in Führung.

Gefordert ist nun auch Leuenberger selber. Die ZSC Lions müssen aufpassen, dass sie den Umbruch in einer relativ alten Mannschaft nicht verpassen. Der SC Bern, wo der Ostschweizer bis vor 2017 beschäftigt war, kann als warnendes Beispiel dienen. Wobei Leuenberger relativiert: Wenn du die Zitrone ganz auspresst und drei Titel holst, ist das ja auch nicht das Dümmste. Er glaubt, dass sie in Zürich noch ein oder zwei Jahre Zeit hätten, um die Verjüngung zu schaffen. In einer Grossstadt wie Bern oder Zürich wird ein Neuanfang nicht einfach so akzeptiert. Man versucht beides zu machen. Den Umbruch einzuleiten und trotzdem Erfolg zu haben. Das gelingt nicht immer, so der erfahrene Sportchef, der mit dem SC Bern vier und mit dem ZSC einen Meistertitel holte.

Die Mannschaft für nächste Saison steht im Wesentlichen. Drei Ausländerposition sind besetzt (Krüger, Noreau und Garrett Roe). Wenn Pius Suter wie erwartet in der NHL bleibt, darf der ZSC erneut fünf Ausländer einsetzen. Eines ist klar: Das Budget wird knapp eine Million tiefer sein als diese Saison, sagt Leuenberger. Grund sind viele Unsicherheiten in der aktuellen Situation und die Aussicht auf die Einführung eines Financial Fairplay. Und dann steht ja auf die übernächste Saison der Umzug in die neue Halle in Altstetten an. Bis dann möchte Leuenberger mindestens wieder die Note Gut verteilen können.

(sda)


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