Nach grüner Welle in Zürich grün-linke Gewinne in Luzern und Basel


Roman Spirig
Schweiz / 31.03.19 22:14

Nach der grünen Welle vor einer Woche in Zürich haben bei den kantonalen Wahlen nun auch in Luzern und Basel-Landschaft die Grünen gewonnen - ein Sieg für die Linke insgesamt. Die Bürgerlichen müssen teils herbe Verluste hinnehmen.

Nach grüner Welle in Zürich grün-linke Gewinne in Luzern und Basel (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)
Nach grüner Welle in Zürich grün-linke Gewinne in Luzern und Basel (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)

Für den Politgeografen Michael Hermann von der Universität Zürich ist nach den kantonalen Wahlen in Luzern und Basel-Landschaft auffällig, dass die Wählerinnen und Wähler "nicht nur mehr Ökologie, sondern mehr Links" gewählt haben. Es handle sich um einen veritablen Linksrutsch.

Dieser Trend bilde sich auch in der Exekutive ab. Vor vier Jahren habe man in beiden Kantonen noch einen Rechtsrutsch beobachten können, die SP fiel damals in den beiden Kantonen aus der Regierung. Damals hätten Ängste dominiert bezüglich Zuwanderung, Eurokrise, und Frankenschock, und es habe ein generelles Gefühl der Angst und Verunsicherung vorgeherrscht. Das habe der SVP geholfen.

Jetzt könne man eine Wende beobachten: Die Leute fühlten sich sicherer, es herrsche mehr Zuversicht - so hätten eher "weichere Themen" dominiert. Mit dem guten Abschneiden der grünen Kandidatin Korintha Bärtsch in Luzern und der Wahl von Kathrin Schweizer in Basel-Lanschaft könne man auch von einer Frauenwahl sprechen, sagte Hermann im Gespräch mit der Agentur Keystone-SDA.

Das rechte Themengemenge funktioniere nicht mehr so gut. Die Prioritäten hätten sich verändert, und linke Themen - eigentliche Zukunftsthemen - mobilisierten nun mehr Wähler. Dieser Trend scheine sich durchzuziehen: seit Appenzell Ausserrhoden zieht sich vor allem der Krebsgang der SVP durch - zuerst in Zürich und nun in Basel-Landschaft und Luzern.

Sowohl in Luzern wie auch in Baselland gehen Ökoparteien und Linke als klare Sieger aus den Wahlen ins Kantonsparlament hervor: 11 Sitzgewinne für Grüne und GLP in Luzern. Sie dürfen im neuen Kantonsparlament 14 und 8 Vertreter stellen. Eines der grünen Mandate haben die Jungen Grünen ergattert, die Grünen gewinnen 7, die GLP 3 Sitze dazu.

Auch die SP hat im nach wie vor bürgerlich dominierten Parlament wieder Boden gut gemacht. Sie kommt neu auf 19 Sitze, das sind 3 mehr als bisher.

Als grosse Verliererin steht die SVP da. Sie büsste 7 Sitze ein und kommt noch auf 22 Mandate im 120-köpfigen Luzerner Parlament. Damit ist sie gleichauf mit der FDP, die 3 Mandate einbüsste. Ebenfalls Federn lassen musste die CVP, die von 38 auf 34 Sitze geschröpft wurde. Der Frauenanteil erhöhte sich von 29,2 auf 34,5 Prozent.

Auch das Baselbieter Kantonsparlament ist am Sonntag deutlich grüner geworden: Mit sechs grünen Sitzgewinnen hat das linksgrüne Lager neu 36 der 90 Sitze, sieben mehr als 2015. Grösste Verliererin ist die SVP.

Unter dem Strich hat die SP 22 Sitze (+1), die SVP 21 (-7) Sitze, die FDP 17 (unverändert), die Grünen hben 14 Sitze (+6), die CVP hat 8 (unverändert), EVP 4 (unverändert), GLP 3 (unverändert). Ihren einzigen Sitz verloren hat die BDP; dafür hat die Mitte neu einen.

Auch bei den Regierungsratswahlen sieht es gut aus für die linken Parteien: Die Baselbieter SP hat definitiv die Rückkehr in die Regierung geschafft: Ihre Kandidatin Kathrin Schweizer erreichte den dritten Platz, klar vor ihrem Kontrahenten Thomas de Courten von der SVP. Dieser schaffte aber ebenfalls noch das absolute Mehr.

Angeführt wird die Liste von den Bisherigen Anton Lauber (CVP), Isaac Reber (Grüne) und Thomas Weber (SVP) auf dem vierten Rang noch vor Monica Gschwind (FDP).

Nun ist die Konkordanz wieder hergestellt. CVP, FDP, Grüne, SP und SVP als stärkste politische Kräfte im Kanton Baselland haben je einen Sitz.

Bei den Luzerner Regierungsratswahlen sind zwei der vier bisherigen Regierungsräte im ersten Wahlgang bestätigt worden, nämlich Guido Graf (CVP) und Reto Wyss (CVP). Fabian Peter (FDP) konnte den freiwerdenden freisinnigen Sitz verteidigen.

Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP) und der parteilose Finanzdirektor Marcel Schwerzmann blieben unter dem absoluten Mehr.

(sda)


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