Neu entwickeltes Videospiel verbessert Lesefähigkeit von Kindern


News Redaktion
Schweiz / 17.01.22 17:00

Ein von Forschenden der Universitäten Genf und Trient entwickeltes Videospiel verbessert die Aufmerksamkeits- sowie die Lesefähigkeit von Kindern. Darauf deutet zumindest ein Experiment mit 150 italienischsprachigen Schuldkindern hin.

Die Lesefähigkeit von Schülerinnen und Schülern lässt sich womöglich mit einem neuartigen Videospiel verbessern, wie eine Studie vermuten lässt. (Themenbild) (FOTO: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)
Die Lesefähigkeit von Schülerinnen und Schülern lässt sich womöglich mit einem neuartigen Videospiel verbessern, wie eine Studie vermuten lässt. (Themenbild) (FOTO: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)

Flüssiges Lesen erfordert nicht nur das Entschlüsseln von Wörtern und Sätzen, sondern auch gezielte Augenbewegungen und den Einsatz des Arbeitsgedächtnisses. Um diese Fähigkeiten gezielt zu trainieren, entwickelten die Forschenden um Angela Pasqualotto von der Universität Trient ein kindergerechtes Action-Videospiel.

Das Universum dieses Spiels ist eine alternative Welt, in der das Kind, begleitet von seinem Raku, einem fliegenden Wesen, verschiedene Missionen erfüllen muss, um Planeten zu retten und im Spiel voranzukommen, liess sich Pasqualotto in einer Mitteilung der Universität Genf zitieren.

Der Raku fliege etwa durch einen Meteoritenschauer, dem er ausweichen müsse oder er müsse auf ein Objekt zielen, um den Einschlag abzuschwächen. Die jeweiligen Aufgaben sind innerhalb eines bestimmten Zeitlimits zu absolvieren.

Um die Wirksamkeit des Spiels zu prüfen, führten die Forschenden ein Experiment mit 151 italienischen Schulkindern zwischen 8 und 12 Jahren durch. Von den Ergebnissen berichteten sie im Fachmagazin Nature Human Behaviour.

Für die Studie wurden die Kinder in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste spielte das Raku-Spiel zwei Stunden pro Woche. Die Kontrollgruppe liessen die Forschenden Scratch spielen, welches Planung, logisches Denken und Problemlösung erfordert.

Es zeigte sich, dass die Raku-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe nach der sechswöchigen Trainingsphase eine siebenfache Verbesserung der Aufmerksamkeitskontrolle aufwies. Und obwohl beim Actionspiel nicht direkt gelesen werden muss, verbesserte es deutlich die Lesegeschwindigkeit und -genauigkeit der Kinder. Bei der Kontrollgruppe stellten die Forschenden keine Veränderungen fest.

Die dazugewonnene Lesefähigkeit war ausserdem nachhaltig, wie Untersuchungen nach 6, 12 und 18 Monaten ergaben. Zudem verbesserten sich die Italienisch-Noten der Kinder.

Die Forschenden möchten das Actiongame nun für Deutsch Französisch und Englisch anpassen und prüfen, ob sich die positiven Effekte auch in diesen Sprachen entfalten werden.

https://www.nature.com/articles/s41562-021-01254-x

(sda)


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