Nidwaldner Museum zeigt Schicksale von Innerschweizer Söldnern


Roman Spirig
Regional / 31.03.21 15:46

Das Nidwaldner Museum Salzmagazin gibt den Innerschweizer Söldnern ein Gesicht, die vom 15. bis 19. Jahrhundert für fremde Herren in die Schlachten zogen. Die neue Ausstellung zeigt neben Einzelschicksalen auch die wirtschaftliche Bedeutung des Söldnerwesens auf.

Nidwaldner Museum zeigt Schicksale von Innerschweizer Söldnern (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)
Nidwaldner Museum zeigt Schicksale von Innerschweizer Söldnern (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)

Söldner, Reissäckler, Pensionenherren - Ein Innerschweizer Beziehungsnetz lautet der Titel der Ausstellung, die am Mittwoch öffnete und bis am 31. Oktober in Stans zu sehen ist. Deren Ziel sei es, den Besuchern aufzuzeigen, wie das Söldnerwesen entstand und wie es die Innerschweiz prägte, teilte das Museum mit.

Den Übernamen Reissäckler haben die Nidwaldner erhalten. Er bezieht sich auf eine kleine Reisetasche, die typischer Bestandteil der Nidwaldner Tracht ist. Das Wort reisen allerdings stand ursprünglich für in den Krieg ziehen, was das Söldner-Synonym Reisläufer widerspiegelt.

Diese fremden Dienste waren während mehrerer Jahrhunderte eine zentrale Einnahmequelle. So entrichteten ausländische Mächte sogenannte Pensionenzahlungen an den Kanton und an politisch einflussreiche Kreise, um Söldner anwerben zu können. Die ungleiche Verteilung dieser Zahlungen war ein Grund dafür, dass der Kriegsdienst nicht unumstritten war. 1859 wurde er schliesslich verboten.

Ein Pensionenrodel, ein Büchlein mit den aufgelisteten Pensionen, ist in der Ausstellung zu sehen, neben weiteren Objekten und Gemälden. Zudem führen zwei Rätseltouren zu einem Familienschatz oder auf ein Schiff nach Südostasien, so wie einst der Nidwaldner Louis Wyrsch alias Borneo Louis, der als Offizier für die niederländische Kolonialbesatzung in Indonesien erfolgreich war.

Kurator der Ausstellung ist Jürg Spichiger. Er wollte in dieser Zeitreise in die Zentralschweizer Vergangenheit auch die Perspektive der einfachen Söldner nachzeichnen. Jene, denen der Solddienst einen Ausweg aus den ärmlichen Verhältnissen bot.

Dies sei aber nicht ganz einfach gewesen, da die Geschichtsforschung hier grosse Lücken aufweise. Dank Aufzeichnungen in Sterbebüchern von Pfarreien und einzelner Dokumente in Staatsarchiven liess sich ansatzweise ein Bild von ihnen zeichnen.

Die Schweiz war 400 Jahre lang der grösste Lieferant von Kriegsdienstleistern. Schätzungen gehen heute von bis zu 1,5 Millionen Soldaten aus, die unter fremden Fahnen dienten, heisst es weiter. Auch zahlreiche Nidwaldner leisteten fremde Dienste.

(sda)


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