Odermatt zu YB: der Verrat im Schweizer Fussball


News Redaktion
Sport / 05.06.20 04:03

1975 ereignet sich das Undenkbare. Karl Odermatt, der FC Basel in Person, verlässt den FCB. Für den Rest der Karriere trägt er nicht Rotblau, sondern YBs Gelbschwarz. Wir blicken zurück.

Ein Bild, das man in Basel nicht gern sah: Karli Odermatt im YB-Leibchen - in der Saisonvorbereitung im Juli 1975  mit Eisenfuss Kurt Feuz (Mitte) und Adi Noventa (FOTO: Keystone/STR)
Ein Bild, das man in Basel nicht gern sah: Karli Odermatt im YB-Leibchen - in der Saisonvorbereitung im Juli 1975 mit Eisenfuss Kurt Feuz (Mitte) und Adi Noventa (FOTO: Keystone/STR)

Der Luzerner Gerardo Seoane wurde in Luzern als Verräter gebrandmarkt, als er im Sommer 2018 nach einer kurzen, aber sehr erfolgreichen Tätigkeit als Cheftrainer des FCL nach Bern zog. An der Luzerner Fasnacht musste er bissige Schnitzelbänke über sich ergehen lassen.

In den Charts der Verräter im Schweizer Fussball steht Seoane jedoch nicht an der Spitze. Auch Köbi Kuhn nicht, der im Sommer 1969 bei GC unterschrieben und auf einem Mannschaftsbild posiert hatte. Es war wohl eher ein Missverständnis als ein Verrat. Der damalige FCZ-Präsident Edi Nägeli holte Kuhn in den Letzigrund zurück, noch bevor die Saison richtig begann. Fritz Künzli kehrte seinem FC Zürich im Sommer 1973 den Rücken und spielte fortan für den damals noch starken FC Winterthur. Aber selbst Künzli steht in der Liste der Verräter bestenfalls an zweiter Stelle.

Unangefochten die Nummer 1 ist Karl Odermatt. Er gehörte nicht einfach nur fest zum FC Basel. Vielmehr war er selber der FCB. Es war die grösstmögliche Identifikation. Mit und dank ihm wurde Basel zwischen 1967 und 1973 fünfmal Meister. Kein anderer generierte an den drei scheenschte Dääg derart viele Schnitzelbänke. 1971 gaben sie das Karli-Odermatt-Lied (Karli, none Gool), einen schmissigen Marsch, auf einer 45er-Schallplatte heraus. Was seinerzeit aufwendig war. Der allgemeine FCB-Song auf der Vorlage von Na Na Hey Hey der Gruppe Steam, ebenfalls im Marschtakt, war auf der B-Seite zu hören.

Aber dem Stadtberner Juristen Ralph Zloczower glückte der Coup. Der damalige YB-Präsident und spätere SFV-Präsident holte den 32-jährigen Odermatt im Frühsommer 1975 dank offensichtlich geschickten Verhandlungen vom Rheinknie an die Aareschleife.

In Basel stürzten das Münster und die Wettsteinbrücke nicht ein, dennoch brach eine Welt zusammen. Dabei hatte Karli als Captain in Rotblau noch wenige Wochen vorher im Wankdorf den Cup in die Höhe gestemmt. Was ihm mit dem FCB in drei Finals gegen den FCZ zwischen 1970 und 1973 nicht gelungen war, holte Odermatt im Cupfinal 1975 mit einem 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen Winterthur nach.

Die Basler verziehen ihrem Idol den Verrat lange Zeit nicht. Die Schnitzelbänke wurden noch mehr, und sie wurden zynisch. Der Karli Odermatt, dä hett der Effze Baasel satt, begann ein solcher. Dennoch traten die Fans nicht gegen Odermatts Auto, sondern bei erster Gelegenheit gegen jenes von Zloczower. In Bern spielte Odermatt vier Saisons. Mit dem Dänen Jan Andersen bildete er eine Zeitlang ein starkes Duo, das die Fans gerne als Odersen oder Andermatt bezeichneten. Mit dem Cupsieg 1977 und nach einer Saison als Sportchef beendete Odermatt seine Zeit in Bern 1980.

Heute ist Odermatts Verrat von 1975 in Basel kein Thema mehr. Man hat ihm längst verziehen. Nicht umsonst ist er FCB-Botschafter.

1975 spielte der FC Basel trotz des Cupsiegs nicht mehr die erste Geige. Am stärksten war jetzt - auch ohne Fritz Künzli - der FC Zürich. Er erlebte unter Trainer Timo Konietzka mit dem Meistertitel-Hattrick ab 1974 seine bis heute beste Zeit. Jedes Mal wurde der FCZ mit erklecklichem Vorsprung Meister; Basel wurde in jener Zeit bestenfalls Dritter. Köbi Kuhn scharte starke Spieler wie Daniel Jeandupeux, Rosario Martinelli, Renzo Bionda oder den jungen Glarner René Botteron um sich. Der Erfolgsgarant schlechthin war Ilja Katic. Der jugoslawische Stürmer wurde mit dem FCZ in drei Saisons dreimal Meister, bevor er 1976 nach Spanien zog. 1975 wurde Katic mit 23 Toren Torschützenkönig. Sein Vorgänger (Jeandupeux) und seine ersten Nachfolger (Peter Risi und Franco Cucinotta) trugen ebenfalls das Tenü des FCZ.

Im Eishockey war 1975 die Berner Kantonalmeisterschaft in vollem Gang. Nachdem die Dominanz des HC La Chaux-de-Fonds (sechs Titel am Stück ab 1968) zu Ende gegangen war, teilten von 1974 bis 1979 Bern, Langnau und Biel die Meistertitel unter sich auf. 1975 wurde Bern zum zweiten Mal in Folge Meister, und zum zweiten Mal mit einem Punkt Vorsprung auf La Chaux-de-Fonds.

Die Berner Mannschaft der Saison 1974/75 unter Spielertrainer Paul-André Cadieux ist legendär. Das Verteidigerpaar Ueli Hofmann/Beat Kaufmann gehörte dazu, ebenso der breite Ostschweizer Verteidiger Hugo Leuenberger und Stürmer wie Roland Dellsperger, Urs Dolder, Renzo Holzer, Bruno Wittwer, Jaroslav Krupicka, Bruno Zahnd, Fritz Wyss und Riccardo Fuhrer. Das Allmendstadion war erst acht Jahre alt, aber schon damals nicht selten ausverkauft. Garantiert jedes Mal in der Derbys gegen Langnau.

(sda)


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