Ostschweizer Unternehmen sehen schwarz


Roman Spirig
Wirtschaft / 31.03.20 18:29

Eine aktuelle Umfrage der IHK St. Gallen-Appenzell und der IHK Thurgau zeigt, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen wegen der Coronakrise mit Liquiditätsproblemen rechnen. Die Mehrheit geht von tieferen Bestelleingängen aus.

Ostschweizer Unternehmen sehen schwarz (Foto: KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER)
Ostschweizer Unternehmen sehen schwarz (Foto: KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER)

Die Umfrage wurde zwischen dem 19. und dem 23. März durchgeführt, rund 1200 Unternehmen aus den Kantonen St. Gallen, Appenzell Ausserhoden, Appenzell Innerrhoden und Thurgau nahmen daran teil.

Die Ostschweizer Wirtschaft sei gut ins Jahr gestartet. Nun treffe sie die Coronapandemie unerwartet und mit voller Wucht, heisst es in der Mitteilung der beiden Industrie- und Handelskammern IHK vom Dienstag.

95 Prozent der Unternehmen erwarteten in den kommenden Wochen Erschwernisse in ihrem Geschäftsgang. Die grössten Schwierigkeiten seien bei Betrieben im Gastgewerbe, im Detailhandel, bei den elektrischen Ausrüstungen und in verschiedenen Dienstleistungssektoren festzustellen.

Auch noch geöffnete Betriebe rechnen gemäss der Umfrage mit deutlichen Umsatzeinbussen in den kommenden Monaten, da als Folgewirkung die Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen stark zurückgehen werde. Rund die Hälfte der Unternehmen geht im ersten Halbjahr von Umsatzeinbussen im Umfang von 20 bis 40 Prozent aus, ein Drittel erwartet gar Umsatzeinbussen von 50 Prozent und mehr.

Knapp 58 Prozent der Umfrageteilnehmer rechnen aufgrund der Erschwernisse durch die Coronapandemie in den nächsten Wochen mit Liquiditätsproblemen. Dabei zeige sich: Je kleiner ein Unternehmen ist, desto akuter ist das Problem.

46 Prozent der Unternehmen erwarten, dass die Krise noch sechs Monate andauern werde. Nur gerade acht Prozent meinen, die Krise sei in weniger als drei Monaten gemeistert.

Aus volkwirtschaftlicher Sicht geht es darum, die Ostschweizer Wirtschaft mit der benötigten Liquidität zu versorgen, die Arbeitsplätze zu schützen und durch die Einhaltung strikter Hygienemassnahmen einen totalen Lockdown zu verhindern, wird Alessandro Sgro, Chefökonom der IHK St. Gallen-Appenzell, in der Mitteilung zitiert.

(sda)

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